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III.
Es gibt einen Ausweg
1.
Es gibt einen Ausweg
Wenn
wir die Welt verändern wollen, ist es nicht allein
damit getan, dass wir unsere Ernährung umstellen. Nicht
nur das, was wir uns durch die Nahrung zuführen, soll
uns beleben, erhalten und beglücken. Auch das, was
wir tun, uns täglich ansehen, anhören, fühlen
und anfassen, riechen und denken, soll von Liebe, Geduld,
Verständnis und von Achtung erfüllt sein. Wenn
wir stets auf dieses Gebot achten, gehen wir den Weg der
Harmonie und des Friedens. Wir gehen in Glück und Einheit
mit allem Leben - zu Gott.
Doch wir arbeiten in sterilen Büros, für die Umwandlung
von Nahrung in Genuss- und Suchtmittel. Wir sind für
die Rüstungsindustrie tätig oder für einen
Richter. Dabei haben wir noch nicht einmal über unser
eigenes Tun gerichtet. Wir knechten und überanstrengen
unseren Körper mit unnatürlichen Bewegungen in
Fitness-Zentren, wir putschen uns auf. Wir beuten unseren
Körper im Hochleistungs-Sport aus. Wir betäuben
unsere Sinne vor dem Fernseher oder in Vergnügungs-Zentren.
Wir schließen unser Herz
und verhärten innerlich. Unsere Seele vereinsamt.
Wir arbeiten in Krankenhäusern, Altenheimen und Kinderdörfern..."Wir
tun, was wir können ", sagen wir und geben den
Kranken Medizin. Wir wissen nicht, dass Medizin nur die
Symptome behandelt, nicht aber die kranke Seele, die uns
über das vermittelnde Sprachrohr - unserem Körper
- sagen wollte, dass wir etwas nicht richtig verstanden
haben, dass wir etwas übersehen, dass wir falsch handeln...
Und wir sprechen meist nur das nötigste mit diesen
Menschen. Wir haben keine Zeit für die kranken Geschöpfe,
haben keine Geduld ihnen zuzuhören."Wir haben
selbst genug Probleme. " Dabei brauchen wir selbst
dringend jemanden, der uns zuhört. Denn wenn wir jemanden
haben, der uns zuhört, dann können wir uns gleichzeitig
bei dem, was wir sagen, selbst zuhören. Dann haben
wir eine Chance, aus dem, was wir gesagt haben, einen Hinweis
zu erkennen. Oder der andere, der uns zuhörte, hat
einen Hinweis, denn wir in Erwägung ziehen können.
Wenn
Menschen mit dem Herzen zuhören und lauschen - fängt
eine sehr subtile, helle, leichte Energie zu fließen
an. Diese Energie kann heilen. Diese Energie ist Licht,
sie ist Liebe. Wenn Menschen nur zuhören, um herauszufinden,
wie sie einen Vorteil aus dem Gehörten für sich
gewinnen können, dann ist es nicht Liebe und kann folglich
auch nicht heilen.
Viele Menschen hören Kranken nur zu, um herauszufinden,
welches Mittel sie ihnen verschreiben und verkaufen können.
Jeder kann sich selbst fragen, ob das auf Dauer wirklich
heilen kann...
Nicht Medikamente, nicht Drogen, nicht Sucht- oder Fluchtmittel
sind es, die wir benötigen, um unsere Seelen zu beruhigen.
Der Glaube an das Leben, an das Licht und die Liebe ist
es, was uns fehlt! Wir brauchen Gott. Wir können mit
all unseren Sorgen, Problemen, Fragen und Verzweiflungen
zu Gott gehen. Er wartet geduldig auf uns und ist immerbereit,
uns zuzuhören. Wenn wir nach den Ursachen fragen werden
wir eine Antwortbekommen. Wenn wir unsere Fehler ändern,
wird es zunehmend heller in uns. Freude kehrt in uns ein.
Unsere Seele und unser Körper werden heilen.
2.
Der sichtbare und der unsichtbare Körper
Betrachten wir einmal die Haut
unseres Körpers etwas näher. Sie ist eines der lebenswichtigsten
Organe. Sie atmet. Sie hat Poren. Mit ihnen filtriert sie
aus der Luft lebensnotwendige Stoffe, die für ihre Erhaltung
und Geschmeidigkeit wichtig sind. Sie sind auch wichtig für
den gesamten Organismus. Durch die Poren dringt auch das Licht
der Sonne. Ohne dieses Licht können wir nicht leben.
Das ist wie bei den Pflanzen. Wenn sie kein Licht mehr haben,
gehen sie kümmerlich ein.
Wenn die Luft verschmutzt ist, verstopfen die Poren. Die Haut
kann nicht mehr atmen. Das Licht dringt nicht mehr durch.
Viele von uns decken die Gesichtshaut mit verstopfender Farbe
zu. Wir verstopfen unsere Poren mit fetten Cremes oder Sonnenschutzmitteln.
Wir ziehen eng an der Haut anliegende Sachen an. Damit wollen
wir unser Äußeres 'besser zur Geltung' bringen.
Das hat üble Folgen: Die Farbe oder Creme verschließt
die Atemorgane unserer Haut: Die Haut hat Atemnot. Dasselbe
ist es, wenn wir hautenge Kleidung tragen oder nachts bis
zum Hals eingedeckt und bei geschlossenem Fenster schlafen.
Die Luft kommt nicht mehr an unseren Körper heran, sie
kann nicht mehr zirkulieren. Es kommt nicht mehr genug Sauerstoff
in unseren Körper... viele erwachen morgens mit tauben
Armen und Beinen...

Wenn
wir uns schminken, parfümieren und auffallend kleiden,
ziehen wir die Aufmerksamkeit auf die künstlich aufgetragenen
Farben, Düfte und Formen. Wenn Menschen Menschen begegnen,
betrachten sie meist zuerst deren äußeres. Wir
lassen uns vom äußeren Augenschein leiten. Die
Signale der aufgetragenen Farben und Düfte übertönen
unsere eigenen echten äußeren und inneren Werte.
Wir wundern uns, wenn wir uns in einem Menschen getäuscht
haben. Die äußere Erscheinung hat unsere Erwartungshaltung
gelenkt, unser Wunschdenken. Dies wird durch die Werbung in
den Medien noch verstärkt. Es entspricht nicht dem, was
sich tief im Innersten von uns abspielt. So prallen wir ständig
aufeinander weil wir uns nicht natürlich begegnen.
Wir 'vermummen' uns und wollen nicht beobachtet werden oder
wir wollen anders sein als wir sind. Wir wollen anders aussehen.
Wir identifizieren uns mit anderen Menschen und Idolen. Damit
verbergen wir unsere eigenen Gefühle und Gedanken. Wir
geben vor, es zum Selbstschutz zu tun. Die Unzufriedenheit
in uns wächst. Eines Tages erkennen wir uns selbst nicht
mehr, weil wir begonnen haben, in der Maske zu leben, die
wir uns einmal zum Schutz angelegt hatten. Wir haben uns so
sehr an sie gewöhnt, dass wir meinen, sie sei ein Teil
von uns - manchmal meinen wir sogar - die Maske seien wir
selbst. Wir sehen sie nicht mehr.
Wenn wir unserer Haut die Möglichkeit geben, wird
sie uns ein Signal geben, dass wir körperfremde Substanzen
- wie synthetische Cremes, Schminke, Lotionen, Kunststoffe,
etc., besser vermeiden sollten. Sie entzündet sich
vielleicht und wird unrein. Oder sie wird trocken und
rissig. Die Haut hat sich an die 'Verwöhnung' von
außen gewöhnt. Sie muss nun nicht mehr selbst
für ihre Geschmeidigkeit arbeiten - und sie braucht
auch keine Signale mehr zu senden falls der Körper
keine eigenen Cremes herstellen würde, weil wir ihn
mit den richtigen Rohstoffen versorgen. Sie merkte den
Betrug zwar - was sollte sie tun?! Sie wurde 'faul' und
wartet stets auf die Bedienung von 'Außen'. Wenn
nun einmal diese Creme ausbleibt, zeigen sich umgehend
Mangel bzw. 'Alterserscheinungen', wie Falten, Risse,
etc.. Wir glauben dann, noch mehr Creme und Kosmetika
verwenden zu müssen, um die Fehler wieder zu beheben.
Auch unser Körper reagiert empfindlich auf alle schädlichen
Einflüsse, die durch unsere veränderte Nahrung,
Luft, Erde und Wasser, durch ungeeignete Bewegungen und
Tätigkeiten, durch negative Gedanken und eigennützige
wünsche auf uns einwirken. Er reagiert mit Krankheit,
Müdigkeit und Erschöpfung.
Wir haben nicht nur unseren sichtbaren Körper. Wir
haben noch andere Körper, die für unser Auge
nicht wahrnehmbar sind. Auch diese unsichtbaren Körper
sollen gereinigt und gepflegt werden, damit sie erhalten
bleiben und uns dienen können. Diese Körper
bestehen z.B. aus Fluiden und Plasmen. Das sind lebende
Energieformen, die nicht so grobstofflich sind,, wie unser
materieller Körper, doch sie sind reell vorhanden.
Manche von diesen Energieformen sind mit unseren Messmitteln
kaum noch oder gar nicht mehr erfassbar. Doch sie sind
vorhanden. Und gerade diese feinen Körper, die auf
den nächsten Ebenen unseres Körpers existieren,
reagieren außerordentlich subtil und empfindlich
auf grobe Behandlung.
Diese Körper können Energien aufnehmen und abgeben.
Wir haben neben unseren bekannten Sinnen wie Hören,
Fühlen, Riechen und Schmecken auf der gröberen
Ebene auch noch andere, feinfühligere Sinne, auf
der feinstofflicheren Ebene, mit welchen wir feinste Schwingungen
und Energien wahrnehmen können.
So können Gedanken helle Energiestrahlen erzeugen
oder auch dunkle, schwere Energien aussenden. Wenn wir
Freude und Wärme ausstrahlen und in Liebe handeln,
sind wir bereit, auch lichte, leichte Schwingungen aufzunehmen.
Wenn wir Wut, Hass und Angst haben, senden wir dunkle,
kalte, schwere Strahlen aus und sind eher bereit, solche
wieder aufzunehmen. Wir können all diese Schwingungen
mit unseren Gefühlen wahrnehmen. Das Gefühl
ist unser innerer Fühler, der nach außen hin
nicht sichtbar scheint. Immer dann, wenn wir uns schweren,
niederziehenden Emotionen hingeben, haben wir uns negativen
Energie- Schwingungen hingegeben und geben diese auch
wieder weiter.
Wenn
unsere Gefühle verletzt sind, dann können sie
sich in negative Energieströmungen verwandeln. Das
ist ähnlich wie bei unserem Körper. Wenn wir
etwas falsch gemacht haben, wandeln sich gesunde Zellen
z.B. in Krebszellen um. Sie reagieren verändert und
nicht mehr so, wie es nützlich für uns ist!
Oder sie werden z.B. von Bakterien aufgefressen.
In der Werbeindustrie arbeiten wir sehr viel mit Signalen,
die hauptsächlich von unseren inneren Sinnen aufgenommen
werden. Wir sind uns dessen nicht bewusst und denken,
dass die auftauchenden Wünsche aus uns selbst entstanden
sind. Es sind sogenannte 'Einflüsterungen'. Sie machen
uns glauben, dass wir nicht ohne die selbst hergestellten
Nahrungsmittel, Medikamente und Kosmetika, ohne bezahlte
Sicherheitssysteme, ohne die Medien und Geld, ohne Technik
und Industrie etc.. leben können.
Auch durch die Ausübung von Macht werden unsere Gefühle
verletzt. Wir nehmen die dunklen Energien auf und bekommen
Angst. Wir verzweifeln und resignieren.
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George:
''Wie versichert sich ein Mensch seiner Macht über
einen anderen, Winston?'' Winston: ''Indem er ihn
leiden lässt.'' George: ''Ganz recht. Indem
er ihn leiden lässt. Gehorsam ist nicht genug...
Macht heißt, menschlichen Geist in Stücke
zu reißen und ihn nach eigenem Gutdünken
wieder in neuer Form zusammenzusetzen...''
George Orwell und O'Brien
Winston
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Wir
bauen auf Sicherheit von außen. Wir vergessen auf
unser inneres Gleichgewicht zu achten. Wir haben verlernt,
unserem Gefühl zu glauben. Wir haben verlernt zu
vertrauen. Unsere wahre Sicherheit liegt nicht in Versicherungen,
Kranken- und Rentenkassen. Unsere wahren Wertanlagen liegen
nicht im Wertfach der Bank eingeschlossen.
Unsere verdrehte Sichtweise zwingt uns zu egoistischen,
eigennützigen Taten, Gedanken und Wünschen,
die uns innerlich leer machen. Wir suchen unseren Halt
in religiösen Gruppen, in Sekten und Gemeinden. Wir
suchen einen Menschen, der unserem Leben Vorbild und Leitfaden
sein soll. Wir suchen ein Vorbild, an das wir uns klammern
können. Es soll ein Mensch sein, der uns all unsere
Fragen beantworten, der uns all unsere Sorgen und Ängste
nehmen soll. Dann stellen wir einen, von dem wir glauben,
dass er unsere Erwartungen erfüllen wird, auf den
großen Podest. Das Scheitern ist vorprogrammiert,
denn auch dieses von uns ernannte Idol ist ein Mensch
wie du und ich - mit Stärken und auch Schwächen...
Auch
er macht Fehler. Aber nun brauchen wir nicht zu sagen, dass
wir uns an falsche Sicherheiten gehalten haben. Wir können
sagen:"Die, die dort oben sitzen - haben Schuld! "
Es ist gut, sich in Gruppen und Gemeinden
zusammenzufinden und über alle Empfindungen, Gefühle
und Probleme zu sprechen. Doch einen perfekten Menschen
zu finden, der uns etwas makellos vorleben könnte,
ist nicht der Sinn unseres Lebens. Und es wird uns auch
nicht gelingen. Nicht der Mensch ist es dem wir vertrauen
sollen, sondern die Liebe Gottes, mit der er unsere Herzen
erfüllen möchte, ist es. Ich werde später
bei"Trennung kann aus Liebe geschehen" noch näher
darauf eingehen.
Wir brauchen uns nur zu öffnen. Durch die Kraft die
uns unser Schöpfer gibt, werden wir erhalten und bleiben
wir gesund. Wenn wir uns dessen erinnern und uns ihm anvertrauen,
wird er uns sagen was wir wirklich brauchen. Vielleicht
werden wir es 'hören'. Vielleicht spüren. Vielleicht
ahnen. Er wird uns den Weg zur inneren Zufriedenheit zeigen,
wenn wir klopfen. Er wird uns helfen, mit allen Geschöpfen
und unserem Lebensraum liebevoll umzugehen.
Die Kraft, die uns wirklich stärken und aufbauen kann,
das Licht, das uns wirklich den Weg leuchten kann, kommt
von unserem Schöpfer. Wir selbst können jeden
Tag neu wählen, für welches Leben wir uns entscheiden.
Wir sind hier, um uns von der Last bzw. den Unreinheiten
die in den heiligen Schriften Sünde genannt werden,
zu befreien. Wenn uns dazu unsere irdische 'Zeit' nicht
ausreicht und unser Körper alt und unbrauchbar geworden
ist, so müssen wir sterben. Wir müssen unseren
abgenützten Körper ablegen, um uns in einem neuen
Körper wieder hier einzufinden und weiterzuüben,
weiterzuwachsen... bis sich unsere Seele völlig aus
dem Materiellen Sumpf herausgeschält hat und wir unseren
Körper mit transformiert haben. Doch unsere unsichtbaren
Körper sterben nicht. Die Wahrnehmungsfähigkeit
unserer Seele, unseres Geistes bleibt immer bestehen. Wir
werden wiedergeboren, so lange, bis wir uns seelisch und
körperlich vollkommen gereinigt haben...
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|
3.
Brief: An die 5 Brüder
des reichen Mannes
Meine
Brüder auf der Erde!
Eigentlich
ist es unstatthaft, wenn ich Euch jetzt einen Brief
schreibe. Denn ihr habt mich zur letzten Ruhe gebettet
und an meinem Grabe Eurem Bedauern Ausdruck verliehen,
dass mein Leben allzu früh abgeschlossen worden
sei. Ihr rechnet damit, dass ich jetzt nicht mehr
bin, und ich sollte anstandshalber Euch auch nicht
mehr belästigen.
Nehmt mir nicht übel, wenn ich Euch mitteile,
dass Eure Rechnung nicht aufgegangen ist. Mein Leben
ist nämlich nicht abgeschlossen, sondern geht
ins Unendliche weiter. Vorbei ist nur der Auftakt
dazu, der freilich allzu kurz war.
Mit der letzten Ruhe aber ist es ganz und gar nichts.
Ich bin jetzt die Unruhe selber. Hier in der Ewigkeit
- so nennt man nämlich das Reich jenseits der
Todeslinie, die ich überschritten habe - fühle
ich mich völlig fehl am Platze. überall
ecke ich an; jeder Wunsch, den ich ausspreche, ist
verkehrt. Alle meine Klagen und Beschwerden werden
abgewiesen und zwar, wie ich jeweils hinterher merke,
nicht zu Unrecht. Denn meine Klagen und Wünsche
passen ebenso wenig in diese andere Welt wie ich selber.
''Möge
dir die Erde leicht sein!''
hat
einer von Euch mir ins Grab gerufen. O meine Brüder!
Die Erde, die 'Erde' - das ist es ja eben! Ihr bin
ich verhaftet bis zur letzten Faser meines Wesens.
Sie ist mir zum Verhängnis geworden. Nicht leicht
ist sie mir, wie Ihr mir gewünscht habt, nicht
schwer, wie befürchtet wird, sondern überhaupt
nicht mehr. Fort ist sie - ich habe sie zurückgelassen!
Ich aber bin da, ich, ein der Erde verhafteter Mensch,
bin da und habe keine Erde mehr. Mein ganzes Herz
hängt an ihr; aber sie ist fort auf Nimmerwiedersehen!
Versteht Ihr meine Qual? Die Erde mit ihrem Glück,
sie war mein Alles, und mit ihr ist für mich
alles dahin! 0 wäre ich mit ihr vergangen, ich
elend Betrogener!
''Wenn
es ein Jenseits gibt,'
bekomme
ich dort nicht den schlechtesten Platz!'' hast Du,
mein ältester Bruder, des öfteren gesagt,
wenn Dir Gedanken an die Ewigkeit kamen. An die Wirklichkeit
der Ewigkeit hast Du so wenig geglaubt wie ich; aber
geredet hast Du gelegentlich von ihr.
Ich muss Dir aber heute sagen, dass Dein Sinn genau
so der Erde verhaftet ist wie der meine. An die himmlische
Welt legst Du irdische Maßstäbe an. Du
meinst offenbar, im Himmel sei es wie auf der Erde.
Du denkst, es gäbe da gute und sehr gute, schlechte
und ganz schlechte Plätze. Da irrst Du gewaltig.
In der Ewigkeit gibt es überhaupt keine Plätze.
Da geht alles nach der Gesinnung. Was eines Geistes
ist, ist beisammen, und was gleichen Sinnes ist, hat
Gemeinschaft miteinander.
Ich bin bei den Irdischgesinnten, was Dir ja klar
sein dürfte. Dass bei uns die Hölle los
ist, wird Dir auch klar werden, wenn Du ein wenig
darüber nachdenkst. Denn schau, jeder von uns
brennt nach irdischem Glück und Wohlergehen,
und keiner von uns findet auch nur ein Tröpflein
davon, weil die Erde ja für uns dahin ist. O
diese Qual, die jeder leidet und verbreitet! Wir machen
uns selber und einander das Dasein zur Hölle.
In mir und um mich nichts als brennendes Verlangen
nach irdischem Besitz und Genuss! Es ist zum Heulen
und zum Rasendwerden - nein, es ist ein Heulen und
Rasendsein!
''Nicht der schlechteste Platz?'' Mein Bruder, einen
solchen braucht's nicht! Es genügt eine irdische
Gesinnung. Sie macht die Ewigkeit zur Hölle.
''Gott
ist doch die Liebe!''
so hast Du, mein jüngster Bruder, stets argumentiert,
obwohl Du nicht im Ernst an ihn geglaubt hast. ''Wenn
es ihn gibt'', hast Du gesagt, ''kann er ja nichts als
lieben. Was wird er dann so herzlos sein und Ungezählte
in die Hölle verstoßen!'' Nun, mein Bruder,
ganz unrecht hast Du damit nicht. Gott jagt die Leute
tatsächlich nicht aus dem Himmel hinaus. Das Verhängnis
ist vielmehr, dass Leute wie wir gar nicht hineingehen.
Verstehst Du mich nicht? Schau, der Himmel steht offen,
so weit offen, dass ich aus ganz großer Entfernung
genau sehen kann, wer alles drin ist. Jener Bettler
zum Beispiel, der sich zu Hause neben unserm Müllhaufen
niedergelassen hatte, mit dem Hektor und Bella, unsere
beiden Hofhunde, so großmütig ihr Futter
teilten. Wir haben ihn spottweise den ''Armen Gotthilf''
genannt, weil er sich immer mit Gottes Hilfe tröstete,
von der doch nicht die geringste Spur zu sehen war.
Der ist jetzt ganz in seinem Element, wunschlos glücklich
und selig geborgen wie ein Kind im Schoß seiner
Mutter.
Der Himmel steht also offen; aber weißt Du, es
ist kein Himmel nach unserm Geschmack. Uns weltselige
Leute zieht es überhaupt nicht dorthin; unser Herz
ist himmelweit entfernt von diesem Himmel. Die Nähe
Gottes, die denen dort offenbar der höchste Genuss
ist, ist uns geradezu unheimlich. Uns verlangt nach
einem andern Glück, nach einem Glück fern
von Gott, wie wir es auf der Erde hatten.
Anfangs habe ich mich beschwert, dass es mir unverdient
schlecht gehe. Ich bat darum, man möge mir doch
ein klein wenig Himmelsglück zukommen lassen. Es
wurde mir aber bedeutet, dass ich ja meinen Himmel bereits
auf der Erde gehabt habe und dass mein Sinn offenbar
nach einem andern Himmel stehe. Und in der Tat: ein
Himmel für unsereinen ist der Himmel Gottes nicht.
Der ist recht für die Gottseligen, aber nicht für
die Weltseligen. Die himmlisch gesinnten Leute, die
sich ihr Lebtag mit göttlichen Dingen befasst haben,
mögen dort auf ihre Rechnung kommen. Unsere Interessen
aber sind ganz anders gelagert. Für unsereinen
ist es dort nicht auszuhalten.
''Lass
mich in Ruhe damit!''
hast Du, mein jüngster Bruder, ausgerufen, wenn
Dir einer mit frommen Sachen kommen wollte. Du wolltest
unangefochten dahinleben in Deinem irdischen Glück.
Ich ebenso. Was die Ewigkeit angeht, ließ ich
gar nichts an mich herankommen; die himmlischen Dinge
ließ ich auf sich beruhen. Ich hatte ja meine
Welt, und in die habe ich mich immer mehr verliebt.
Wir haben uns auch gegenseitig bestärkt in unsern
eigenen Ansichten und sind so immer mehr festgefahren
in unserer irdischen Gesinnung.
Weißt Du, was das Ergebnis dieser Abschirmung
ist? Ich kann Dir sagen: uns trennen Welten von denen
auf der anderen Seite. Was sie zum hellen Jauchzen
bringt, berührt uns nicht einmal. Uns fehlt einfach
der Sinn für ihre Welt.
Anfangs war mir das nicht so klar. Ich sah nichts
als eine große Ungerechtigkeit in diesem grundverschiedenen
Schicksal. Bald aber musste ich merken, dass ich mich
in die Welt der Seligen nicht emporschwingen kann.
Es fehlen meiner Seele ganz einfach die Flügel
dazu. Umgekehrt habe ich festgestellt, dass auch sie
nicht in der Lage sind, in die Welt der Unseligen
herabzusteigen, um etwas von ihrem Glück in unsere
Qual hineinzutragen.
Die Kluft zwischen Seligen und Unseligen ist unüberbrückbar;
es gibt kein Hinüber oder Herüber. Eher
fangen die Wale zu fliegen an und horsten in den Felsen
der Berge, als dass ein weltseliger Mensch heimisch
wird bei denen, die in Gott selig sind. Eher fangen
die Adler zu tauchen an und leben in der Tiefe des
Meeres, als dass ein gottseliger Mensch die Welt der
Unseligen besucht.
Mein Lieber, unser törichter Wunsch ist mehr
als erfüllt: wir sind ganz gründlich in
Ruhe gelassen. Nur haben wir keine Ruhe; wir haben
nichts als uns selbst und unsern unstillbaren Durst.
''Jeder
ist seines Glückes Schmied!''
Wie oft haben wir das behauptet, liebe
Brüder! Besonders wenn uns jemand beneidete oder
gar um Hilfe anging. ''Selbst ist der Mann!'' - hieß
unser Wahlspruch, und unser Rat lautete: ''Hilf dir
selbst, so hilft dir Gott!''
Nun, wir haben unser Glück geschmiedet, gut geschmiedet
sogar. Es hat gehalten bis an den Rand des Grabes,
bei mir wenigstens. Aber es war ein kurzes Glück,
kurz wie mein Erdenleben.
Der ''Arme Gotthilf'' hat sein Glück nicht selber
geschmiedet. Er hat es sich von Gott schmieden lassen.
Lang und schmerzlich hat er darauf warten müssen;
aber das ficht ihn jetzt nicht mehr an. Denn er hat
ein dauerndes Glück, ewig wie Gott selber, der
es geschmiedet hat, ewig wie meine Qual, die ich mir
eingebrockt habe.
Gewiss, er hat die Hölle auf der Erde gehabt.
Aber was für eine kurze Hölle, gemessen
an der Hölle der Ewigkeit, in der ich mich befinde!
Dieselbe Erde, die mein Himmel war, war seine Hölle.
Mir fehlt sie; er hat sie los. Was mir Pein macht,
das ist sein Trost: die Abwesenheit der Erde, die
ihm Fremde, mir aber Heimat war.
Der hohe Lebensstandard
den wir aufweisen konnten, Ihr lieben
Brüder, war stets unser Stolz. Wir sind seinetwegen
auch viel beneidet worden. Es war aber auch beachtlich,
was wir uns leisten konnten. Aber eben dieser hohe
Lebensstandard hat mich meine ganze Ewigkeit gekostet.
Darum verfluche ich ihn, so sehr mich auch nach ihm
zurückverlangt. Wollt Ihr es nicht zu Herzen
nehmen, meine Brüder, und es allen sagen, die
auf der Jagd nach einem Höheren Lebensstandard
sind? Denn ich sehe Millionen hinter Euch marschieren,
ja hinter Euch her rennen auf demselben Wege. Sie
hätten gerne, was Euch in den Schoß fiel:
ein besseres Leben auf der Erde, ein kleines Erdenparadies.
Dabei geht es ihnen wie mir unseligem Menschen: sie
werden blind für das bessere Leben, das ihnen
von Gott zugedacht ist und verscherzen das ewige Gottesparadies,
das auch dem Ärmsten zugänglich ist, wenn
er offen bleibt dafür.
Ein
Wort zum Schluss:
Meine sehr gefährdeten
Brüder! Ich habe den Antrag gestellt, der ''Arme
Gotthilf'' möge Euch aufsuchen und zur Umkehr
bewegen. Mein Antrag wurde jedoch abgelehnt mit der
Begründung, das sei völlig überflüssig.
Er könnte Euch auch nichts anderes sagen als
was Ihr 35 längst wüsstet, weil es tief
in Eurem Herzen steht. Wenn Ihr das nicht ernst nähmet,
würdet Ihr auch ihn nicht ernst nehmen, wenn
er von den Toten aufstünde und Euch predigte...
... Es graut mir vor dem wiedersehen mit Euch!
Euer
verlorener Bruder
Ruf ins Volk
Nr. 24, Pfarrer Richard Neumaier
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4.
Der Sinn des Lebens
Wir wurden auf diese Erde in einen Körper geboren,
damit wir in dieser Form und mit den uns gegebenen Mitteln
unseren Weg ins Licht beschreiten können.
Wir haben reichlich von diesen 'Mitteln', die uns buchstäblich
angewachsen sind. Wir haben Augen, um damit die Sonne und
Gottes Schöpfung zu sehen. Wir haben Ohren, um damit
den Wind, das Wasser und die Gesänge der Geschöpfe
zu hören. Wir haben eine Nase, um damit den Duft der
Blüten und Blumen zu riechen.
Wir haben einen Mund - mit dem wir Worte der Liebe und des
Trostes sprechen und die Süße der Früchte
schmecken können. Mit unseren Händen können
wir so vieles begreifen und ertasten, unsere Beine tragen
uns rastlos von einem Ort zum anderen. Unser Gehirn hilft
uns, das Wahrgenommene festzuhalten und im rechten Moment
wieder hervorzuholen. Unser Geist hat den Auftrag, alles
zu beobachten und die richtigen Impulse zu setzen. Unsere
Seele muss diesen Weg gehen, um sich wieder unserem Ursprung
- mit Gott - zu verbinden und sich vom dunklen Nebel der
Unbewusstheit befreien.
In der von uns gestalteten Welt machen wir uns dies denkbar
schwer. Wir leben in einer ständigen Reizüberflutung.
überall lassen wir für uns vordenken. Wir lassen
uns erklären, was wir 'benötigen' und was 'gut'
für uns ist. Unsere Medien sind voll mit. diesen 'gut
gemeinten Ratschlägen' . Im Fernsehen lassen wir uns
fertige Geschichten und Unterhaltungen vorsetzen, die nichts
mit unserem eigenen Leben zu tun haben. Wir lassen uns davon
abhalten, uns mit unserem eigenen Wesen zu beschäftigen
und darüber nachzudenken ...
Unser
Herz ist verhärtet und verstockt, weil wir es selbst
zum Schweigen gebracht haben. Wir verdrängen unsere
Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und suchen in der
falschen Richtung nach Erfüllung. Wir verdrängen
unsere Gefühle mit Genüssen und 'fressen' unser
Leid in uns hinein. Wenn das nichts hilft, 'beruhigen' uns
mit Medikamenten.
wir 'forschen' in der Physik, Mathematik und Chemie in Laboren
und im Weltraum nach Gottes Geheimnissen. Wir suchen Vergeltung,
Rum, Macht und Befriedigung unserer Gelüste. Wir haben
verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören, obwohl
sie uns tief in unserem Herzen beharrlich zum Leben und
zur Liebe ruft ...
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5.
Nachruhm - von Manfred Kyber
Die
Totenfeier am Sarge des berühmten Anatomen und
Leiters des Physiologischen Instituts der alten Universität
gestaltete sich zu einer ergreifenden Huldigung der
akademischen Kreise vor den Verdiensten des großen
Verstorbenen. Der Katafalk war mit Kränzen und
seidenen Schleifen behängt, in Lorbeer und Blumen
gehüllt, brennende Wachskerzen umrahmten ihn,
und vor ihm waren auf samtenen Kissen die zahlreichen
Orden ausgebreitet, die der gelehrte Forscher mit
berechtigtem Stolz getragen hatte. Zu beiden Seiten
der Bahre standen die Chargierten der Korporationen
mit blanken Schlägern, und neben den Angehörigen
saßen der Senat der Universität in vollem
Ornat, sämtliche Professoren der Hochschule und
die Vertreter der Behörden. Der Priester hatte
soeben seine Rede beendet, die allen tief zu Herzen
gegangen war.
''Er war ein vorbildlicher Mensch und ein vorbildlicher
Gelehrter'', schloss er, ''er war das eine, weil er
das andere war, denn ein großer Forscher sein,
heißt ein großer Mensch sein. Wir stehen
an der Bahre eines ganz Großen, mit Trübsal
in der Seele, weil er uns genommen ist. Aber mitnichten
sollen wir trauern und wehklagen; denn dieser große
Tote ist nicht tot, er lebt weiter und steht nun vor
Gottes Thron im vollen Glanze seines ganzen arbeitsreichen
Lebens, wie es denn in der Schrift heißt: sie
ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen
nach!''
Alle schwiegen ergriffen, und es fiel auch niemand
auf, dass der Priester anscheinend eine Kleinigkeit
vergessen hatte, nämlich die, dass der große
Tote, der nun vor Gottes Thron stehen sollte, sein
ganzes Leben lang für die Überzeugung eingetreten
war, dass es gar keinen Gott gäbe. Aber solche
Kleinigkeiten werden bei Grabreden meistens vergessen.
Hierauf erhob sich der Rektor der Universität
mit der goldenen Amtskette um den Hals und sprach
mit bewegter Stimme warme Worte des Nachrufs für
seinen berühmten Kollegen.
'''Er war allezeit
eine Zierde unserer alten alma mater und eine Zierde
der Wissenschaft, der er sein ganzes Dasein geweiht
hatte, ein Vorbild uns und allen, die nach uns kommen
werden, denn auf ewig wird sein Name in goldenen Lettern
auf den Marmortafeln der menschlichen Kultur glänzen.
Ich kann in diesem ernsten und feierlichen Augenblick
nur weniges aus der überfülle seines Geistes
herausgreifen, nur andeuten, wie er unermüdlich
an unzähligen Tierversuchen Beweis auf Beweis
gehäuft. Es ist nicht auszudenken, welche unerhörten
Perspektiven sich mit diesen völlig neuen medizinischen
Tatsachen der leidenden Menschheit und der Wissenschaft
als solcher eröffnen. Nur nacheifern können
wir den gewaltigen Forscher, der uns solche Wege gewiesen,
und wir und die ihn bewundernde akademische Jugend,
der er ein Führer zu wahrem Menschentum war,
wir wollen an seiner Asche geloben, sein Lebenswerk
fortzusetzen und auszubauen, zum Heile der europäischen
Wissenschaft und zur Ehre unseres geliebten Vaterlandes.
Es hat unserem großen Toten nicht an reicher
Anerkennung gefehlt, wie wir dankbar feststellen können,
auch von allerhöchster Stelle sind ihm ehrenvolle
Zeichen der Huld zuteil geworden''? alle Blicke richteten
sich staunend auf das Samtkissen mit den Orden, die
einige Pfund wogen - , ''ja, noch kurz vor seinem
Tode ward ihm die Freude, zum Wirklichen Geheimen
Medizinalrat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt
zu werden, eine Ehrung, die mit ihm auch unsere ganze
Hochschule als solche empfunden hat. So reich aber
sein Ruhm auch war, noch reicher wird sein Nachruhm
für alle Zeiten, und wir, die wir ihm nachtrauern,
wollen es ihm gönnen, dass er nun ruhe von seiner
Arbeit, dass er auf der Asphodeloswiese lustwandele
mit den großen Geistern aller Zeiten, zu denen
ihn seine Werke erhoben haben, und so darf auch ich
schließen mit den Worten meines geistlichen
Vorredners: und ihre Werke folgen ihnen nach!'' Alle
waren voller Andacht, teils vor der europäischen
Wissenschaft und teils vor dem Prädikat Exzellenz.
Der Rektor Magnifikus hatte nur die Kleinigkeit außer
acht gelassen, dass die europäische Wissenschaft
die Asphodeloswiese eine Fabel nennt und von den großen
Geistern der Vergangenheit behauptet, dass sie sich
in chemische Substanzen aufgelöst haben. Aber
das sind ja Kleinigkeiten, und es ist das Vorrecht
der heute üblichen Bildung, ein griechisches
Wort zu gebrauchen für etwas, bei dem man sich
nichts mehr denkt. Wenn man Überhaupt etwas denken
wollte - du lieber Gott, wo käme man da hin bei
unserer heutigen Zivilisation und der europäischen
Wissenschaft!
Der Vertreter des Staates erklärte, dass der
Verstorbene eine Säule des modernen Staatswesens
gewesen sei, und der Vertreter der Stadt sagte, dass
der Magistrat einstimmig beschlossen habe, einer Straße
den Namen des großen Toten zu verleihen. Der
Kirchenchor sang ein Lied, es war ein altes Lied aus
einer alten Zeit. Andere Menschen mit anderer Gesinnung
hatten dies alte Lied geschaffen, und es nahm sich
seltsam aus nach den tönenden Worten von heute.
Sehr leise und überirdisch sang es wie mit fremden
Stimmen durch den Raum: ''Wie wird's sein, wie wird's
sein, wenn wir ziehn in Salem ein, in der Stadt der
goldenen Gassen...''
Dann sank der Sarg in die Tiefe.
***
Der
Tote hatte die ganze Zeit dabeigestanden. Ihm war,
als habe sich eigentlich nicht viel geändert.
Er erinnerte sich nur, einen sehr lichten Glanz gesehen
zu haben, dann war alles wieder wie sonst, und er
wusste kaum, dass er gestorben war. Nur leichter war
alles an ihm, keine Schwere mehr und keine grobe Stofflichkeit.
Ein großes Erstaunen fasste ihn - es gab also
doch ein Fortleben nach dem Tode, die alte Wissenschaft
hatte recht, und die neue hatte unrecht. Aber es war
schöner so, und es beruhigte ihn sehr, obwohl
es anfangs etwas quälendes hatte, dass er mit
niemand mehr sprechen konnte, dass keiner seiner Angehörigen
und seiner Kollegen merkte, wie nahe er ihnen war.
Immerhin war es tröstlich, zu hören, wie
man ihn feierte und dass man so zuversichtlich von
Gottes Thron und von der Asphodeloswiese gesprochen
hatte. Freilich - die Titel und Orden fehlten ihm,
sie erschienen nicht mehr greifbar. Aber war er nicht
immer noch der große Gelehrte, der berühmte
Forscher? Hieß es nicht: und ihre Werke folgen
ihnen nach? ...
Er war nun allein, die Umrisse des Raumes wurden dunkel
und verschwammen ins raumlose. Es war sehr still,
nur ganz ferne verklang das alte Lied, kaum noch hörbar:
''wenn wir ziehn in Salem ein - in die Stadt der goldnen
Gassen...''
Das würde nun erfolgen, vielleicht gleich. Eine
große Spannung erfüllte ihn; aber in dieser
Spannung war etwas von Angst, etwas Unsagbares, eine
große bange Frage, die ihn ganz ausfüllte.
Es war auch so dunkel geworden, man konnte nichts
mehr sehen.
Dann wurde es hell, und ein Engel stand vor ihm. Also
auch das gab es. Dann würde es ja auch einen
Gott geben und die vielen Toten, die lebendig waren,
und das geistige Jerusalem. Wie schön war das
alles! Aber der Engel sah ernst und sehr traurig aus.
''Wohin willst du?'' fragte er.
''Ins Paradies.''
''Komm!'' sagte der Engel.
Große dunkle Tore öffneten sich lautlos,
und sie traten in einen Raum, der grell erleuchtet
war. Die wände waren blutrot, und auf dem boden
hockten unzählige verstümmelte Tiere und
wimmerten. Sie streckten die zerschnittenen Glieder
nach dem Toten aus und sahen ihn aus geblendeten und
erloschenen Augen an. Immer weiter, ins Unabsehbare,
dehnte sich ihre Reihe.
''Hier
sind die Hündinnen, denen du bei lebendigem Leibe
die Jungen herausgeschnitten hast. Hattest du keine
Kinder, die du liebtest? Wenn deine Kinder sterben,
und sie suchen den Vater im Paradies, so werden sie
dich hier finden. Es ist das Paradies, das du dir
geschaffen hast. Hier sind die Katzen, denen du das
Gehör zerstört hast unter grässlichen
Martern. Gott gab ihnen ein so feines Gehör,
dass es ein Wunder der Schöpfung ist. Du wirst
nichts mehr hören als das. Hier sind die Affen
und Kaninchen, denen du das Augenlicht nahmst. Gott
gab es ihnen, um die Sonne zu sehen. Sahst du nicht
auch die Sonne dein Leben lang? Du wirst nun nichts
mehr sehen als diese geblendeten und erloschenen Augen.
Soll ich dich weiterführen? Es ist eine lange,
lange Reihe.''
''Das ist entsetzlich'', sagte der Tote.
''Das ist es'', sagte der Engel.
''Leben denn alle diese Tiere weiter?'' fragte der
Tote. ''Alle diese Tiere leben bei Gott'', sagte der
Engel, ''du kannst nicht dorthin, denn sie stehen
davor und klagen dich an, sie lassen dich nicht durch.
Was du hier siehst, sind ihre einstigen Spiegelbilder,
es sind deine Werke, und sie bleiben bei dir. Du wirst
alle ihre Qualen an dir erfahren, bis du wieder zur
Erde geboren wirst, um zu sühnen. Es ist ein
langer und trauriger Weg. Aber sie werden nicht deine
einzigen Gefährten sein. Du hast noch einen anderen,
sie her, wer vor dir steht inmitten all deiner Werke!''
Der Tote sah auf und erblickte ein scheußliches
Gespenst mit einer menschlichen Fratze, in einem Gewand
voll Schmutz und Blut mit einem Messer in der Hand.
''Das ist das Scheußlichste, was ich jemals
sah'', sagte der Tote, und es packte ihn ein Grauen,
wie er es noch nie erlebte. ''Wer ist dieses Scheusal?
Muss ich das immer ansehen?''
''Das bist du'', sagte der Engel.
''Aber die Wissenschaft?'' fragte der Tote angstvoll,
''habe ich ihr nicht gedient? Gehöre ich nicht
zu den großen Geistern, auch wenn ich diese
Taten beging?''
''Die großen Geister waren den Tieren Brüder
und nicht Henker'', sagte der Engel, ''sie würden
dir den Rücken kehren, wenn du es wagen könntest,
zu ihnen hinaufzugelangen. Aber du gelangst gar nicht
in ihre Nähe. Du warst eine Null und kein großer
Geist. Du wusstest es auch, dass du eine Null warst,
du wusstest, dass dir nichts einfallen würde,
und darum hast du aus Eitelkeit all diese Greuel begangen,
in der Hoffnung, der Zufall könnte dir etwas
von den Geheimnissen der Natur enträtseln, wenn
du sie folterst. Nachher kam die Mordlust, die Herrscherwut
kleiner Seelen dazu. Siehst du das alles? Du kannst
es deutlich sehen an deinem Spiegelbild, es hat getreulich
all deine Züge aufgezeichnet. Bleibe bei ihm,
wasche sein blutiges und schmutziges Kleid, bis es
weiß wird wie Schnee! Es kann tausend Jahre
dauern, vielleicht auch länger. Bleibe bei ihm,
denn du kannst ihm nicht entrinnen. Er ist dein Gefährte,
und diese verstümmelten Geschöpfe Gottes
sind dein Paradies.
''Das alles ist wahr'', sagte der Tote, ''aber auch
wenn ich so dachte und tat, habe ich nicht doch eine
Erkenntnis gefördert? Tritt nicht doch die Wissenschaft
für mich ein?''
''Eine Erkenntnis durch Verbrechen?'' fragte der Engel.
''Erkenntnisse hatte die Wissenschaft einst, als sie
in ein Tempel war. Ich will dir zeigen, wie eure Wissenschaft
heute aussieht.''
Ein hässliches gelbes Licht zuckte auf, und der
Tote sah einen Narren sitzen, der mit blutigen Händen
Kartenhäuser baute. Ein Luftstoß fegte
sie um, aber der Narr baute immer weiter.
''Ist das alles?'' fragte der Tote und klammerte sich
hilfesuchend an das Gewand des Engels.
''Das ist alles'', sagte der Engel, ''lehrt eure Wissenschaft
nicht auch, dass es keinen Gott und keine Vergeltung
und kein Leben nach dem Tode gibt? Ich muss nun gehen.
Bleibe bei deinem Paradies!''
Der Tote blieb in seinem Paradiese und hatte es vor
Augen Stunde um Stunde, Tag für Tag und Jahr
für Jahr. Es ist dies mit einer Zeit nicht mehr
zu messen, jedenfalls nicht wissenschaftlich, und
das ist doch das einzig maßgebliche, nicht wahr?
Aus sehr weiter Ferne klang ein altes Lied aus einer
alten Zeit, kaum noch hörbar und verhallend:
''wie wird's, wie wird's sein, wenn wir ziehn in Salem
ein, in die Stadt der goldenen Gassen...''
Vielleicht bedeutet dieses Lied noch etwas, denn wir
müssen ja alle einmal sterben? Aber wer denkt
heute daran, im Zeitalter der aufgeklärten europäischen
Wissenschaft?
Die Zeitungen brachten spaltenlange Nachrufe über
den berühmten großen Forscher und Gelehrten,
seine Exzellenz den Wirklichen Geheimen Medizinalrat,
dessen Tod einen unersetzlichen Verlust für die
Wissenschaft bedeute, dessen Name aber für alle
Zeiten ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Menschheit
bleiben würde, ein herrliches Zeichen unserer
fortschrittlichen Kultur und ein Denkmal allen kommenden
Geschlechtern, wie es die Besten vor ihm waren. Ehre
diesen großen Toten!
Ja sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen
ihnen nach.
Manfred
Kyber
|
6.
Das irdische Haus unserer Seele
Wir
haben ein Gedächtnis, um darin unsere Erlebnisse als
Erinnerungen festzuhalten. Unser Verstand würde bei
einer Verletzung, die uns von einem anderen zugefügt
wurde, mit Vergeltung reagieren wollen. Unser Herz dagegen
wird uns sagen, dass das Erlebte eine Lernübung oder
eine Warnung gewesen ist, um zu zeigen, wie sich solche
Ungerechtigkeiten oder Schmerzen anfühlen - und dass
wir selbst nicht so handeln sollen. Die innere Stimme sagt
uns, dass alles, was wir anderen tun, auf uns zurückkommen
wird...
Es gibt viele unzufriedene Geister in dieser Welt - auch
in der für uns unsichtbaren Sphäre. Viele Menschen
mussten ihren unbrauchbar gewordenen Körper ablegen,
weil sie Raubbau an ihm trieben. Sie verloren ihn bei Kämpfen
gegeneinander, durch den Verzehr von verderblichen Dingen,
durch unangemessenen Lebenswandel. Viele von ihnen sind
nun dort, wo sie sehnsüchtig darauf warten, wieder
in den Körper zurückkehren zu dürfen, in
dem sie einst steckten. Sie haben nun, da sie in der anderen
Sphäre sind, die nötige Klarsicht, um zu erkennen,
welche Fehler sie in ihrem Leben begangen hatten und leiden
zum Teil sehr darunter. Sie erkennen, dass sie nur durch
eine Wiedergeburt in den menschlichen Körper - das
Haus der Seele - viele Dinge bereinigen könnten, die
durch die vergangenen Taten ihre Seele verunreinigten. Taten,
die viele Gelüste und Begierden in ihnen wachrief.
Sie sehen jetzt klar, dass sie sich in die falsche Richtung
geflüchtet hatten. Sie erfahren, dass ihre eigennützigen
Wünsche sie wie Klebstoff an die so geliebte Materie
gehaftet haben, die sie ohne Körper jetzt nicht mehr
erfahren können, die ihnen daher auch nichts mehr nützt.
Der Gedanke an Gelüste und materielle Befriedigung
quält sie jetzt, weil sie sie nicht erfüllen können.
Manche wünschen eine Rückkehr in den Körper,
um ihre alten Wünschen wieder erfüllen zu können.
Aber es gibt eine Bestimmung - die Bestimmung durch Gott
wann ein Geist wieder als Mensch auf die Erde kommen darf.
Das hängt auch von seinem eigenen Willen ab, einen
neuen Versuch zu wagen. Das heißt: diese aufgeladene
Negative Energie (die Religionen nennen es Schuld) durch
Erledigung positiver Aufträge umzuwandeln.
Die
indische Mythologie nennt diesen Kreislauf von Ursache und
Wirkung Karma.
Die
Seele kann sich nicht verkörpern - reinkarnieren -
wann sie will. Sie muss mit dem angehäuften Seelenleid,
das sie selbst verursacht hat, auf eine Chance warten. Währenddessen
wird sie ständig mit den verdrängten Unreinheiten
konfrontiert - das heißt, ihre Taten werden ihr ständig
vor Augen geführt. Sie sieht auch den Grund ihres Handelns.
Sie ist nun allein mit ihren Begierden und muss ertragen,
dass sie nicht erfüllbar sind. Manche Geister benutzen
die Ausschweifungen der 'Lebenden', um sich in ihrer Sehnsucht
dazuzuschalten. Sie dringen so in den unbewussten Menschen
ein und schaffen sich für Momente über die Empfindungen
des 'fremden' Körpers Befriedigung. Die betroffenen
Menschen bemerken es nicht. Erst, wenn sie Ängste,
Alpträume und Pein plagen, bemerken sie, dass etwas
nicht stimmt. Doch sie erkennen ihren Lebensstil oft nicht
als Ursache und verstehen die Welt nicht mehr. Der Weg zum
Psychiater kann nicht nachhaltig helfen. Auch nicht die
Einnahme von Medikamenten und Drogen. Stille Gespräche
mit Gott und der Wille, etwas zu tun, helfen diesen Menschen,
langsam wieder Frieden zu finden.
Die Ärzte erklären die meisten Krankheiten als
psycho-somatisch. Die Seele (Psyche) drückt ihr Wohlbefinden
oder Unbehagen durch den Körper (Soma) aus. Also haben
die Ärzte mit dieser Feststellung sogar recht. Doch
sie haben damit noch lange nicht die Ursache
behandelt. Das können sie auch gar nicht. Sie können
aber behilflich sein, dass der 'Patient' den Weg zur Genesung
selbst geht - indem sie ihm einen Weg aufzeigen, wie er
wieder zu Gott finden kann. Denn nur Seine Liebe kann uns
heilen und nur durch Ihn sind wir auf unserem Weg geleitet.
Wenn eine Seele nach ihrer Wartezeit im Körper wiedergeboren
wird, sind ihre Erinnerungen an die vorangegangenen Zeiten
meist ausgelöscht. Dies geschieht ganz nach dem Grad
ihrer Entwicklung. Die meisten wären durch die Erinnerungen
zu sehr vorbelastet. Sie könnten Angst davor bekommen,
einen schwierigen Weg zu gehen - den sie sich selbst durch
den Wandel ihres vergangenen Lebens gestalteten - und verzagen.
Andere könnten das Leben zu leicht nehmen. Wie ein
Schuljunge, der schon vor dem Schulalter lesen und schreiben
kann. Für ihn sind die ersten Schuljahre ermüdend
und langweilig. Er sitzt sie mehr oder weniger unaufmerksam
ab. Dabei kann er jedoch wichtige Informationen, die für
den weiteren Verlauf seines Lebens sehr von Bedeutung sind
überhören.
7.
Die Existenz des "Nichts"
Viele Menschen
glauben, dass nach dem Tod nur die Dunkelheit da sei und
dass es sonst nichts gäbe.
Wenn wir bis zu unserem Tod nicht erkannt haben, woher wir
kommen und wohin wir gehen werden, werden wir buchstäblich
'Nichts' sehen, wenn wir unseren Körper abgelegt haben.
Doch es wird uns bewusst sein, dass wir nichts sehen, weil
mit unserem irdischen Leben nicht alles vorbei ist. Dann
haben wir uns nicht auf das 'Sterben' vorbereitet, haben
uns keine Gedanken über das Leben, den Tod und ihren
Sinn gemacht.
Die Dunkelheit
ist da und wir haben immer die Ahnung, dass da doch noch
etwas anderes ist - wir können jedoch nichts sehen.
Wir haben uns ja selbst die Sicht genommen. Dort sind wir
allein mit allem selbstauferlegten Leid, mit all unseren
Fragen. Je größer das Wissen um die Gesetze des
Kosmos und der Liebe und je größer die Zuwiderhandlung
trotz besseren Wissens entgegen der inneren Stimme war,
desto größer der Schmerz. Je nachdem wie festgefahren
wir in der Dunkelheit sind, die wir uns selbst bereitet
haben, wird es dauern, bis wir ein Licht sehen, das uns
wieder herausführt. Es gibt jedoch einen Schlüssel,
der uns das Tor der Dunkelheit aufschließen kann.
Es der 'Schlüssel' der Liebe. Es ist der Glaube an
Gott. Es muss nicht irgendein Glaube an den Gott einer Religion
sein. Denn auch dort gibt es Menschen, die wirklich glauben
und Menschen, die obwohl sie sich als Gläubige wähnen,
dennoch nicht glauben. Und es gibt viele sogenannte Ungläubige,
die dem wahren Glauben näher stehen, als die sogenannten
Gläubigen.
Wenn wir erkennen, dass Er uns liebt und unablässig
auf uns wartet - wenn wir Seine Liebe annehmen können
und ihr folgen, werden wir wieder ins Licht schreiten.
8.
Über die Befragung von Geistern
Viele von uns
möchten gerne in die Zukunft blicken und wissen, was
sie erwartet. Viele versuchen es wiederholt und behaupten,
doch nicht an solchen Schabernack zu glauben. Und andere behaupten,
daran zu glauben und tun es doch nicht. Würden sie nämlich
daran glauben, so wüssten sie auch, dass es Dinge gibt,
mit denen man nicht spielen oder Spaß betreiben darf.
Wir versuchen etwas über unsere Zukunft zu erfahren,
indem wir die Geister der 'Toten" befragen, indem wir
auf vielerlei Art und Weise mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen.
Wir tun es völlig unvorbereitet und unwissend, was uns
erwartet. Schon wir lebenden Menschen sind nicht perfekt und
haben Sorgen. Wir wissen nicht alles und können auch
nicht alles! Wir haben Wünsche, Ängste, Hoffnungen
und Begierden. Wer von sich glaubt, ein perfekter Mensch zu
sein, hat aufgehört zulernen. Er blieb geistig gesehen
stehen. So lange wir auf unsrem Weg sind, können wir
nicht, alles wissen und sind auch nicht imstande, alles zu
tun. Doch eben genau den erwarten wir von den Geistern, die
wir befragen.
Wenn ein Mensch seine sichtbare Hülle verlassen hat -
ist er deshalb noch lange kein 'Überwesen'. Er muss weiter
auf seinem Weg gehen und lernt immer neues hinzu. Das bedeutet,
dass jeder 'Verstorbene' auch nach dem Tod noch die gleichen
Trübungen 'auf der Seele' hat und in einer ähnlichen
Wahrnehmung existiert, wie er es während seines Lebens
tat. Er kann zwar drüben alles besser 'sehen', weil es
keine Maskerade mehr gibt. Das bedeutet allerdings noch lange
nicht, dass er das Wahrgenommene nun auch besser begreift.
Wir brauchen nur uns selbst zu betrachten. Haben wir beim
bloßen Sehen von Tatsachen schon die Hintergründe
und Ursachen verstanden? Wir sehen jeden Tag die Verwüstungen,
Quälereien und Ungerechtigkeiten, etc., ganz besonders,
weil wir es direkt im Fernsehen übertragen oder in den
Zeitungen abgedruckt bekommen. Und dennoch haben wir nicht
alles verstanden - sonst würden wir alle schon bei uns
selbst begonnen haben, etwas zu ändern.
Viele von uns wissen aus den verschiedensten Gründen
nicht mehr weiter und befragen die Geister. Sie fragen, ob
und wann sie heiraten werden oder wer ihr Zukünftiger
sein mag. Sie fragen über Erbschaften, Beziehungen, über
die Zukunft der Welt. Aber sie fragen sich nicht vorher, ob
sie imstande wären, die Antworten zu ertragen. Sie ragen
sich nicht vorher, ob sie der Antwort vertrauen werden. Sie
fragen sich nicht vorher, ob sie überhaupt ihrer eigenen
Frage vertrauen.
Sind wir denn fähig zu erkennen, ob die Information von
Geistern richtig oder falsch ist? Wissen wir, ob der Geist,
den wir befragen, ein wohlgesinnter Geist ist? Wissen wir,
ob er uns keine Streiche spielen will?
Manche mögen sagen, es sei doch nicht schlimm, wenn einer
mal etwas lustiges sagt. Und doch ist es sehr ernst!
Es
ist wichtig, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Was passiert
denn, wenn bei einer solchen Befragung etwas ganz anderes
geschieht, als wir es erwartet hatten? Wir können das,
was uns gesagt wurde, meistens nicht einmal richtig deuten.
"Wird es wohl morgen sein - oder war es schon?",
"habe ich mir etwas einsuggerieren lassen?" sind
dann die 'neuen' bangen Fragen, die uns quälen. Wir
verlaufen uns in einer neuen Sucht. Es gibt Menschen, die
mit den Folgen ihrer Neugierigkeit nicht fertig werden.
Sie gaben vor, zu glauben. Doch ihr Glauben reichte nur
bis zum Spaß - weiter reichte er nicht. Für viele
mag es eine 'lustige' Erfahrung sein. Doch sollten wir immer
alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, wenn Dinge dieser
Art unsere Neugierde strapazieren.
Es ist nicht ratsam, die Geister zu befragen. Auf diese
Art entfernen wir uns weit von uns selbst und der lebendigen
Wirklichkeit. Wir fangen an, in einer Scheinwelt zu leben
und können den Ausweg nur schwer wieder herausfinden.
Wir glauben uns aus einer Abhängig durch Befragung
der Geister befreien zu können - und merken nicht,
wie wir in eine neue Abhängigkeit geraten.
Wenn wir unsere Neugierde besänftigen können und
unseren Glauben stärken - so werden wir erkennen, dass
die Liebe Gottes uns wahre Hilfe und wahrer Trost sind.
Wir können das Licht und Seine Wärme spüren,
wann immer wir uns Ihm anvertrauen und Ihn um Rat oder um
Beistand rufen. Er wird unsere Fragen beantworten, wenn
wir Ihn inständig darum bitten. Wenn wir still sind
und lauschen, können wir die Stimme in uns hören
... Oder es werden Situationen eintreffen, in welchen wir
durch Ereignisse oder Menschen Botschaften übermittelt
bekommen, die uns weiterhelfen. Es werden Zeichen da sein,
die uns weiterbringen - sofern wir sie erkennen können
und wollen. Doch müssen dann auch unsere Taten folgen,
sonst werden wir immer wieder vor denselben Problemen stehen.
Es gibt hellsichtige Menschen, die die göttliche Gabe
erhalten haben, um Menschen warnen zu können und ihnen
zu sagen, wie sie ihre Krankheit oder ihre Seelenqual heilen
können. Doch diese Menschen erkennen wir sehr leicht
daran, dass sie ihre Begabung nicht lauthals bekannt machen,
um daraus Profit zu schlagen. Sie sind immer gerade dort,
wohin Gott sie sendet. Und sie verlangen keinen oder nur
geringen Lohn für ihr Tun. Wir erkennen sie an ihrer
Bescheidenheit. Sie werden nach erfolgter Heilung oder Prognose
den Menschen auch ermahnen, seine Fehler nicht zu wiederholen
und etwas in ihrem Leben grundlegend zu verändern.
Es gibt auch Geister die den Auftrag haben, uns zu beschützen
und zu führen. Mit ihnen verhält es sich ein wenig
anders. Wir brauchen sie nicht zu rufen. Gott sendet sie
zu uns, wenn er es will. Wir nennen sie Schutzengel. Manche
haben auch die Aufgabe, Uns zu inspirieren, damit wir Gottes
Liebe über unsere Werke an andere Geschöpfe weitergeben
können. Viele Menschen sind sich dessen bewusst, dass
sie von Geistern Eingebungen erhalten. Es gab viele Musiker
und Künstler, von denen solches berichtet wird. Doch
wir verstanden es nicht und erklärten sie für
verrückt ...
9.
Unsere innere Stimme
Oft
stehen wir vor wichtigen Lebensfragen oder Entscheidungen
und wissen uns keinen Rat. Unser Gefühl - die innere
Stimme spricht unermüdlich zu uns, doch wir können
sie nicht mehr hören, weil wir uns den ganzen Tag mit
'lauten' Dingen umgeben und uns keine Stille gönnen.
Wir können wieder lernen sie zu hören, indem wir
uns täglich einen Augenblick der Ruhe gönnen.
Wir werden es zunehmend leichter finden den richtigen Weg
zu gehen, wenn wir uns jeden Tag ein klein wenig mehr Gott
widmen.
Zum
Bild: "Sieh mal dort - der Weg zum Paradies. Es ist
nicht weit und das Tor sieht einladend aus. Sieh nur. der
Wächter ruft uns Lass uns dorthin gehen!" "Ich
weiß nicht, mein Liebster. Mein Gefühl sagt mir.
dass jemand das Schild verdreht hat. Und das Licht sieht
so unwirklich glimmernd aus. Dort hinter den Bergen ist
ein hell leuchtender Schein. Dieser muss der richtige weg
sein!?" "Ich wäre sicherlich zu diesem Tor,
gegangen. Doch mein Herz sagt, dass du recht hast. Lass
uns gemeinsam zu diesem wunderbaren Licht gehen und uns
einander helfen, wenn wir stolpern.
Wenn
wir anstatt dessen alles alleine machen, entscheiden und
wissen wollen, dann sind wir wirklich alleine. Dann brauchen
wir uns nicht zu beschweren, wenn uns unser Gewissen 'quält'.
Denn egal welchen Weg unser Geist sich in unserer freien
Willensentscheidung gewählt hat ? unsere Seele ruft
nach Gott.
Wenn wir den Weg in das Licht gefunden haben und gefestigt
auf ihm wandeln, schwingen wir uns in höhere Daseins-Ebenen
hinauf. Dort gehen wir weiter durch die 'Schulen' des Kosmos
und verrichten unsere Aufgaben.
Das gesamte Universum bildet eine Einheit. Es ist unablässig
im Wandel und in Bewegung. Nichts darin bleibt wirklich stehen.
Wenn wir nicht lernen wollen, fallen wir im großen Sortier-Sieb
wieder unten durch. und müssen den gleichen Zirkel noch
einmal durchschreiten. Wir bleiben nicht wirklich stehen.
Doch möglicher Weise werden unsere Verwirrungen und Verirrungen
von mal zu mal größer - von Verkörperung zu
Verkörperung - weil es uns durch unsere Genusssucht immer
schwieriger wird, uns von der Materie zu lösen. Materielle
Erfolge oder Enttäuschungen bleiben immer die gleichen
und so kommen wir kaum voran.
Gerade Menschen, die zu großem Reichtum, Ruhm oder Macht
kamen haben es besonders schwer. Sie können sich an ihrem
Erfolg nicht freuen, weil es ja nur der materielle Erfolg
ist und der hat immer das selbe Gesicht. Er kann keine wahre
Erfüllung schenken. Auch bei materiellem Verlust haben
materiell gebundene Menschen wenig Chancen, geistig voranzukommen.
Wegen der ständig gleichen Abläufe und Situationen
neigen sie dazu zu resignieren und den Dingen ihren Lauf zu
lassen - oder sie versuchen, das 'Glück' zu erzwingen
und laden sich immer mehr mit negativen Energien auf.
10. Trennung kann aus
Liebe geschehen
Deshalb
brechen Partnerschaften auseinander. Freundschaften schlagen
in Feindschaften um. Wir erleiden Schmerz und Trauer. Wenn
wir unseren ersten Gram überwunden haben, und einen
anderen Menschen kennen lernen, sind wir voll Hoffnungen
und Erwartungen. Doch dieselbe Situation passiert erneut.
Dann sagen wir uns: "Die Liebe ist umsonst ... es hat
alles keinen Sinn ... alle Männer und Frauen sind gleich..."
Wir haben vergessen, uns nach den Ursachen unseres ersten
Misserfolges zu fragen. Wir haben unsere Lektion nicht gelernt.
Manchmal
hat eine lieblose Verhaltensweise die wir gar nicht als
solche erkannten zum Bruch geführt. Manchmal wollten
wir nicht wahrhaben, dass wir uns den falschen Partner ausgesucht
hatten. Und es passiert, dass wir nicht den richtigen Zeitpunkt
gewählt haben, um zusammenzugehen. Wir waren noch nicht
reif oder bereit...
|
''Alle
Wesen sehnen sich nach Glücklichsein. Darum umfange
mit deiner Liebe alle Wesen.''
Buddha
|
In
zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es vor, dass sich
der eine buchstäblich für den anderen aufgibt,
während der andere kaum Notiz davon nimmt. Dadurch
entsteht eine bedrückende Atmosphäre, in der wir
nebeneinander herleben. Beide Partner leiden darunter. Uns
fehlt der Mut etwas an uns selbst zu verändern. Wir
haben Angst den anderen verlieren, wenn er durch unsere
Veränderung plötzlich merken würde, dass
er einem Wunschbild verfallen war, dem wir gar nicht entsprechen.
Wir haben Angst, niemanden mehr zu finden, der uns liebt.
Dabei leben wir ja schon in einer lieblosen, unwürdigen
Atmosphäre.
Wenn
man innerlich die Trennung fühlt und sich dennoch nicht
lösen kann, kann auch die Angst davor sein, einen materiellen
Vorteil zu verlieren. in solchen Beziehungen ist das Verhältnis
zwischen Geben und Nehmen gestört. Oder wir möchten
dem Partner so gerne 'beibringen', wie schön das Leben
sein kann, wenn man sich gegenseitig geben, vertrauen und
verzeihen kann. Doch das geht meistens schief, weil wir
eben nicht einsehen wollen, dass wir einem Menschen nichts
'beibringen' können. Er hat selbst alle Voraussetzungen
und Anlagen dazu, den richtigen Weg zu finden und die freie
Entscheidung, ihn zu gehen. Wenn er sich dessen nicht bewusst
ist, dürfen wir ihn lediglich liebevoll darauf aufmerksam
machen und geduldig warten, bis er es erkennt. Wenn wir
dies nicht können, müssen wir ihn loslassen und
freigeben!
Wir sollen einem Menschen nur geben, was wir ihm auch ohne
Erwartung geben können. Wenn wir Gegenliebe erwarten,
so ist immer auch ein wenig Eigennutz dabei. Dann sind wir
nicht frei genug, um vor allem unsere eigenen Schwächen
zu erkennen. Wir erkennen nicht, dass wir dein anderen Gewalt
antun, um ihn von unserer Liebe zu überzeugen! Wenn
wir Zwang ausüben, spürt unser Partner diesen
Druck und leidet darunter, weil er nicht oder noch nicht
imstande ist, mehr von sich zu geben.
Wenn wir darunter leiden, dass uns ein Mensch nicht liebt,
obwohl wir ihm 'alles' geben, müssen wir erst einmal
hart mit uns selbst ins 'Gericht' gehen. Wir haben nicht
erkannt, dass wir ihn gewissermaßen zwingen uns zu
lieben - gerade weil wir ihm alles geben. Wenn wir auf diese
Weise 'lieben', dürfen wir erkennen, dass wir versuchen,
unseren Partner an uns zu binden. Dies tun wir, indem wir
ihn 'beschenken' oder 'bemuttern' und dann von ihm erwarten,
dass er uns als Gegenleistung liebt. Meist hält die
Beziehung in diesen Fällen ohnehin nur wegen der materiellen
Vorteile für den einen Teil. Wir haben übersehen,
dass wir eigentlich gar nicht bereit sind "so"
viel zu geben. Wir spüren deutlich, dass wir unsere
eigenen Grenzen überschritten haben, weil wir damit
"rechneten", dass wir das gegebene selbstverständlich
auf die von uns selbst vorgegebene Weise zurückerhalten
würden. Hier wäre es heilsam, dass wir unser eigenes
Geben so weit zurücknehmen, wie wir es für uns
selbst noch angenehm empfinden - auch wenn keine Gegenleistungen
erfolgen.
Wenn wir wirklich lieben, müssen wir die vereinnahmenden
Beschenkungen und Bemutterungen beenden. Nur dann ist es
möglich, dass dem geliebten Menschen die Veränderung
bewusst wird und er anfängt nach den Ursachen zu suchen
und etwas an sich zu verändern.
Es ist auch möglich, dass sich die Beziehung auflöst,
dass wir diesen Menschen dann verlieren. Diese Lösung
wäre eine große Enttäuschung für uns.
Eine Ent-Täuschung von unserer bisherigen Selbst-Täuschung.
Dann war die aufklärende Veränderung ebenso positiv,
denn beide Partner wurden 'befreit'. Die Schmerzen, die
wir bei solch einer Trennung empfinden, sind die Schmerzen,
die wir uns selbst während dieser Zeit durch unsere
Selbsttäuschung beigebracht haben. Wohlgemerkt: es
sagt nicht aus, dass der andere schlecht ist und uns nicht
verdient hat. Es sagt aber klar aus, dass wir nicht zusammen
passten, dass wir es gesehen und bemerkt haben und uns das
nicht eingestehen wollten. Die Entscheidung der Liebe bewirkte,
dass beide Partner nun frei sind, um evtl. den richtigen
Partner zu finden oder ohne Partner glücklich weiterzuleben.
Die wahre Liebe zu praktizieren ist nicht immer leicht.
Zu lieben heißt nicht unbedingt, alles leicht zu haben.
Es bedeutet loszulassen und alles was wir zu geben fähig
sind, aus freier Entscheidung und ohne Erwartung zu tun.
Es bedeutet auch, anderen die Freiheit zu schenken, alles
was sie zu geben fähig sind, aus freien Stücken
zu geben! Dies gilt für Eltern-Kind Beziehungen genauso
wie in der Freundschaft.
11.
Das Spiegelbild unserer Seele
Bevor wir uns
darin üben unsere Mitgeschöpfe zu lieben, dürfen
wir erkennen, dass alles, was uns begegnet ein Spiegelbild
des Zustandes unserer eigenen Seele ist. Es zeigt uns, wenn
wir unachtsam oder verständnislos sind. Es zeigt uns
auch, wenn wir liebevoll und geduldig handeln.
Wenn
wir in uns selbst Unruhe und Unordnung haben, sieht es um
uns herum unordentlich aus und überall herrscht Unruhe.
Wir sagen dann: "dies oder jenes macht mich ganz durcheinander."
Dabei kommt diese Unruhe aus uns selbst. Weil wir unsere
Seele nicht erhörten, macht sie sich nach außen
bemerkbar.
Wenn wir in Harmonie und Frieden mit uns selbst sind, empfinden
wir selbst das größte Gehetze anderer nicht als
störend. Das heißt nun nicht, dass wir uns deshalb
unentwegt in der Einöde aufhalten sollen. Um immer
in einem harmonischen Gleichgewicht mit uns selbst zu bleiben,
sollen wir uns immer wieder an einen Ort der Ruhe zurückziehen
und vom Quell des Friedens trinken. Wir brauchen Energien
für unsere Aufgaben. In Gott finden wir die unerschöpfliche
Quelle der Kraft ...
12. ''Werdet wie die Kinder''
Kinder sind
empfindsam, gelehrig und voll von erquicklichem Geist, der
sie mit dem Kosmos verbindet und sie vor allen Gefahren
schützt! Sie leben in Verbundenheit mit Gott. Wir dürfen
es ihnen darin gleichtun. Wir dürfen vor Gott unsere
tiefsten Geheimnisse offenbaren und ihn um Rat fragen, so
wie es fast alle Kinder tun. Mit dem Ausspruch Jesu: "werdet
wie die Kinder...", war nicht etwa ein bestimmtes Kind
gemeint oder das Kindesalter selbst. Es waren die Eigenschaften
des Kindes gemeint, die Jesus ansprach. Jeder einzelne von
uns ist eingeladen, Ohren und Augen wieder nach innen und
außen zu öffnen, aufmerksam zu lauschen und zu
beobachten. Wir dürfen unsere Herzen öffnen, Spalt
für Spalt, um unsere Seele mit dem Licht Gottes zu
erleuchten. Wir sollen wieder empfindsam und gelehrig werden
und annehmen, was uns Kinder zeigen und mitteilen wollen.
Wir können uns von ihrem frohen Geist ermuntern lassen,
frei und fröhlich die Wunder der Welt zu betrachten.
Wir können von ihnen wieder lernen, Leben zu achten
und zu lieben!
|
''Eure
Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch
doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht
eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in
euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts,
noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen,
von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt
werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf
Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt,
so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.''
Kahlil Gibran
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Die
meisten von uns haben schon einmal Dinge wahrgenommen, die
wir keiner Menschenseele anvertrauen wollten. Wir hatten
Angst, dass man uns auslachen und dass man uns nicht verstehen
könnte. Manchmal haben wir es einer Übermüdung
zugeschrieben oder dachten daran, dass wir uns etwas einbildeten.
Auch Kinder haben diese Wahrnehmungen und sie sprechen oft
davon. Doch wir verstehen ihre Darstellungen nicht oder
wir erklären, dass es so etwas Unsinniges nicht gäbe.
Wir sollten uns darin üben, den Kindern ein offenes
Ohr zu schenken, auch wenn es von Dingen spricht, die für
uns nicht gleich verständlich und erkennbar sind.
Als ich ca. 4 Jahre alt war, sah ich
an einem verschneiten Wintertag kurz vor Weihnachten
bei helllichtem Tage eine Kutsche am Himmel! In der
Kutsche saß ein Mann in weitem Mantel. Er hatte
eine große Mütze auf dem Kopf und trug einen
langen weißen Bart. Er hatte einen großen
gefüllten Sack bei sich. Zwei große Tiere
mit mächtigen Geweihen waren davor gespannt, die
in 'fliegender' Eile in den Himmel stiegen. Ich hatte
eine wunderbar feierliche Stimmung in mir und hörte
buchstäblich die Chöre der Engel dazu singen.
Als ich meine Mutter danach befragte, sagte sie, dass
dies bestimmt der Weihnachtsmann gewesen sei. Und sie
sagte mir, dass die Tiere gewiss Rentiere aus dem fernen
Lappland gewesen seien.
Noch heute fühle ich diese feierliche Stimmung
in mir, wenn ich an dieses Erlebnis denke. Und ich danke
meiner Mutter von ganzem Herzen, dass sie diese feierliche
Stimmung mit mir teilte.
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