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Das Buch: "Der Wille des Menschen"
© Regina F. Rau


III. Es gibt einen Ausweg

1. Es gibt einen Ausweg

Wenn wir die Welt verändern wollen, ist es nicht allein damit getan, dass wir unsere Ernährung umstellen. Nicht nur das, was wir uns durch die Nahrung zuführen, soll uns beleben, erhalten und beglücken. Auch das, was wir tun, uns täglich ansehen, anhören, fühlen und anfassen, riechen und denken, soll von Liebe, Geduld, Verständnis und von Achtung erfüllt sein. Wenn wir stets auf dieses Gebot achten, gehen wir den Weg der Harmonie und des Friedens. Wir gehen in Glück und Einheit mit allem Leben - zu Gott.

Doch wir arbeiten in sterilen Büros, für die Umwandlung von Nahrung in Genuss- und Suchtmittel. Wir sind für die Rüstungsindustrie tätig oder für einen Richter. Dabei haben wir noch nicht einmal über unser eigenes Tun gerichtet. Wir knechten und überanstrengen unseren Körper mit unnatürlichen Bewegungen in Fitness-Zentren, wir putschen uns auf. Wir beuten unseren Körper im Hochleistungs-Sport aus. Wir betäuben unsere Sinne vor dem Fernseher oder in Vergnügungs-Zentren. Wir schließen unser Herz und verhärten innerlich. Unsere Seele vereinsamt.

Wir arbeiten in Krankenhäusern, Altenheimen und Kinderdörfern..."Wir tun, was wir können ", sagen wir und geben den Kranken Medizin. Wir wissen nicht, dass Medizin nur die Symptome behandelt, nicht aber die kranke Seele, die uns über das vermittelnde Sprachrohr - unserem Körper - sagen wollte, dass wir etwas nicht richtig verstanden haben, dass wir etwas übersehen, dass wir falsch handeln... Und wir sprechen meist nur das nötigste mit diesen Menschen. Wir haben keine Zeit für die kranken Geschöpfe, haben keine Geduld ihnen zuzuhören."Wir haben selbst genug Probleme. " Dabei brauchen wir selbst dringend jemanden, der uns zuhört. Denn wenn wir jemanden haben, der uns zuhört, dann können wir uns gleichzeitig bei dem, was wir sagen, selbst zuhören. Dann haben wir eine Chance, aus dem, was wir gesagt haben, einen Hinweis zu erkennen. Oder der andere, der uns zuhörte, hat einen Hinweis, denn wir in Erwägung ziehen können.

Wenn Menschen mit dem Herzen zuhören und lauschen - fängt eine sehr subtile, helle, leichte Energie zu fließen an. Diese Energie kann heilen. Diese Energie ist Licht, sie ist Liebe. Wenn Menschen nur zuhören, um herauszufinden, wie sie einen Vorteil aus dem Gehörten für sich gewinnen können, dann ist es nicht Liebe und kann folglich auch nicht heilen.

Viele Menschen hören Kranken nur zu, um herauszufinden, welches Mittel sie ihnen verschreiben und verkaufen können. Jeder kann sich selbst fragen, ob das auf Dauer wirklich heilen kann...

Nicht Medikamente, nicht Drogen, nicht Sucht- oder Fluchtmittel sind es, die wir benötigen, um unsere Seelen zu beruhigen. Der Glaube an das Leben, an das Licht und die Liebe ist es, was uns fehlt! Wir brauchen Gott. Wir können mit all unseren Sorgen, Problemen, Fragen und Verzweiflungen zu Gott gehen. Er wartet geduldig auf uns und ist immerbereit, uns zuzuhören. Wenn wir nach den Ursachen fragen werden wir eine Antwortbekommen. Wenn wir unsere Fehler ändern, wird es zunehmend heller in uns. Freude kehrt in uns ein. Unsere Seele und unser Körper werden heilen.


2. Der sichtbare und der unsichtbare Körper

Betrachten wir einmal die Haut unseres Körpers etwas näher. Sie ist eines der lebenswichtigsten Organe. Sie atmet. Sie hat Poren. Mit ihnen filtriert sie aus der Luft lebensnotwendige Stoffe, die für ihre Erhaltung und Geschmeidigkeit wichtig sind. Sie sind auch wichtig für den gesamten Organismus. Durch die Poren dringt auch das Licht der Sonne. Ohne dieses Licht können wir nicht leben. Das ist wie bei den Pflanzen. Wenn sie kein Licht mehr haben, gehen sie kümmerlich ein.

Wenn die Luft verschmutzt ist, verstopfen die Poren. Die Haut kann nicht mehr atmen. Das Licht dringt nicht mehr durch. Viele von uns decken die Gesichtshaut mit verstopfender Farbe zu. Wir verstopfen unsere Poren mit fetten Cremes oder Sonnenschutzmitteln. Wir ziehen eng an der Haut anliegende Sachen an. Damit wollen wir unser Äußeres 'besser zur Geltung' bringen. Das hat üble Folgen: Die Farbe oder Creme verschließt die Atemorgane unserer Haut: Die Haut hat Atemnot. Dasselbe ist es, wenn wir hautenge Kleidung tragen oder nachts bis zum Hals eingedeckt und bei geschlossenem Fenster schlafen. Die Luft kommt nicht mehr an unseren Körper heran, sie kann nicht mehr zirkulieren. Es kommt nicht mehr genug Sauerstoff in unseren Körper... viele erwachen morgens mit tauben Armen und Beinen...

Wenn wir uns schminken, parfümieren und auffallend kleiden, ziehen wir die Aufmerksamkeit auf die künstlich aufgetragenen Farben, Düfte und Formen. Wenn Menschen Menschen begegnen, betrachten sie meist zuerst deren äußeres. Wir lassen uns vom äußeren Augenschein leiten. Die Signale der aufgetragenen Farben und Düfte übertönen unsere eigenen echten äußeren und inneren Werte. Wir wundern uns, wenn wir uns in einem Menschen getäuscht haben. Die äußere Erscheinung hat unsere Erwartungshaltung gelenkt, unser Wunschdenken. Dies wird durch die Werbung in den Medien noch verstärkt. Es entspricht nicht dem, was sich tief im Innersten von uns abspielt. So prallen wir ständig aufeinander weil wir uns nicht natürlich begegnen.

Wir 'vermummen' uns und wollen nicht beobachtet werden oder wir wollen anders sein als wir sind. Wir wollen anders aussehen. Wir identifizieren uns mit anderen Menschen und Idolen. Damit verbergen wir unsere eigenen Gefühle und Gedanken. Wir geben vor, es zum Selbstschutz zu tun. Die Unzufriedenheit in uns wächst. Eines Tages erkennen wir uns selbst nicht mehr, weil wir begonnen haben, in der Maske zu leben, die wir uns einmal zum Schutz angelegt hatten. Wir haben uns so sehr an sie gewöhnt, dass wir meinen, sie sei ein Teil von uns - manchmal meinen wir sogar - die Maske seien wir selbst. Wir sehen sie nicht mehr.



Wenn wir unserer Haut die Möglichkeit geben, wird sie uns ein Signal geben, dass wir körperfremde Substanzen - wie synthetische Cremes, Schminke, Lotionen, Kunststoffe, etc., besser vermeiden sollten. Sie entzündet sich vielleicht und wird unrein. Oder sie wird trocken und rissig. Die Haut hat sich an die 'Verwöhnung' von außen gewöhnt. Sie muss nun nicht mehr selbst für ihre Geschmeidigkeit arbeiten - und sie braucht auch keine Signale mehr zu senden falls der Körper keine eigenen Cremes herstellen würde, weil wir ihn mit den richtigen Rohstoffen versorgen. Sie merkte den Betrug zwar - was sollte sie tun?! Sie wurde 'faul' und wartet stets auf die Bedienung von 'Außen'. Wenn nun einmal diese Creme ausbleibt, zeigen sich umgehend Mangel bzw. 'Alterserscheinungen', wie Falten, Risse, etc.. Wir glauben dann, noch mehr Creme und Kosmetika verwenden zu müssen, um die Fehler wieder zu beheben.

Auch unser Körper reagiert empfindlich auf alle schädlichen Einflüsse, die durch unsere veränderte Nahrung, Luft, Erde und Wasser, durch ungeeignete Bewegungen und Tätigkeiten, durch negative Gedanken und eigennützige wünsche auf uns einwirken. Er reagiert mit Krankheit, Müdigkeit und Erschöpfung.

Wir haben nicht nur unseren sichtbaren Körper. Wir haben noch andere Körper, die für unser Auge nicht wahrnehmbar sind. Auch diese unsichtbaren Körper sollen gereinigt und gepflegt werden, damit sie erhalten bleiben und uns dienen können. Diese Körper bestehen z.B. aus Fluiden und Plasmen. Das sind lebende Energieformen, die nicht so grobstofflich sind,, wie unser materieller Körper, doch sie sind reell vorhanden. Manche von diesen Energieformen sind mit unseren Messmitteln kaum noch oder gar nicht mehr erfassbar. Doch sie sind vorhanden. Und gerade diese feinen Körper, die auf den nächsten Ebenen unseres Körpers existieren, reagieren außerordentlich subtil und empfindlich auf grobe Behandlung.

Diese Körper können Energien aufnehmen und abgeben. Wir haben neben unseren bekannten Sinnen wie Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken auf der gröberen Ebene auch noch andere, feinfühligere Sinne, auf der feinstofflicheren Ebene, mit welchen wir feinste Schwingungen und Energien wahrnehmen können.

So können Gedanken helle Energiestrahlen erzeugen oder auch dunkle, schwere Energien aussenden. Wenn wir Freude und Wärme ausstrahlen und in Liebe handeln, sind wir bereit, auch lichte, leichte Schwingungen aufzunehmen. Wenn wir Wut, Hass und Angst haben, senden wir dunkle, kalte, schwere Strahlen aus und sind eher bereit, solche wieder aufzunehmen. Wir können all diese Schwingungen mit unseren Gefühlen wahrnehmen. Das Gefühl ist unser innerer Fühler, der nach außen hin nicht sichtbar scheint. Immer dann, wenn wir uns schweren, niederziehenden Emotionen hingeben, haben wir uns negativen Energie- Schwingungen hingegeben und geben diese auch wieder weiter.


Wenn unsere Gefühle verletzt sind, dann können sie sich in negative Energieströmungen verwandeln. Das ist ähnlich wie bei unserem Körper. Wenn wir etwas falsch gemacht haben, wandeln sich gesunde Zellen z.B. in Krebszellen um. Sie reagieren verändert und nicht mehr so, wie es nützlich für uns ist! Oder sie werden z.B. von Bakterien aufgefressen.

In der Werbeindustrie arbeiten wir sehr viel mit Signalen, die hauptsächlich von unseren inneren Sinnen aufgenommen werden. Wir sind uns dessen nicht bewusst und denken, dass die auftauchenden Wünsche aus uns selbst entstanden sind. Es sind sogenannte 'Einflüsterungen'. Sie machen uns glauben, dass wir nicht ohne die selbst hergestellten Nahrungsmittel, Medikamente und Kosmetika, ohne bezahlte Sicherheitssysteme, ohne die Medien und Geld, ohne Technik und Industrie etc.. leben können.

Auch durch die Ausübung von Macht werden unsere Gefühle verletzt. Wir nehmen die dunklen Energien auf und bekommen Angst. Wir verzweifeln und resignieren.

George: ''Wie versichert sich ein Mensch seiner Macht über einen anderen, Winston?'' Winston: ''Indem er ihn leiden lässt.'' George: ''Ganz recht. Indem er ihn leiden lässt. Gehorsam ist nicht genug... Macht heißt, menschlichen Geist in Stücke zu reißen und ihn nach eigenem Gutdünken wieder in neuer Form zusammenzusetzen...''
George Orwell und O'Brien Winston

Wir bauen auf Sicherheit von außen. Wir vergessen auf unser inneres Gleichgewicht zu achten. Wir haben verlernt, unserem Gefühl zu glauben. Wir haben verlernt zu vertrauen. Unsere wahre Sicherheit liegt nicht in Versicherungen, Kranken- und Rentenkassen. Unsere wahren Wertanlagen liegen nicht im Wertfach der Bank eingeschlossen.

Unsere verdrehte Sichtweise zwingt uns zu egoistischen, eigennützigen Taten, Gedanken und Wünschen, die uns innerlich leer machen. Wir suchen unseren Halt in religiösen Gruppen, in Sekten und Gemeinden. Wir suchen einen Menschen, der unserem Leben Vorbild und Leitfaden sein soll. Wir suchen ein Vorbild, an das wir uns klammern können. Es soll ein Mensch sein, der uns all unsere Fragen beantworten, der uns all unsere Sorgen und Ängste nehmen soll. Dann stellen wir einen, von dem wir glauben, dass er unsere Erwartungen erfüllen wird, auf den großen Podest. Das Scheitern ist vorprogrammiert, denn auch dieses von uns ernannte Idol ist ein Mensch wie du und ich - mit Stärken und auch Schwächen...

Auch er macht Fehler. Aber nun brauchen wir nicht zu sagen, dass wir uns an falsche Sicherheiten gehalten haben. Wir können sagen:"Die, die dort oben sitzen - haben Schuld! "

Es ist gut, sich in Gruppen und Gemeinden zusammenzufinden und über alle Empfindungen, Gefühle und Probleme zu sprechen. Doch einen perfekten Menschen zu finden, der uns etwas makellos vorleben könnte, ist nicht der Sinn unseres Lebens. Und es wird uns auch nicht gelingen. Nicht der Mensch ist es dem wir vertrauen sollen, sondern die Liebe Gottes, mit der er unsere Herzen erfüllen möchte, ist es. Ich werde später bei"Trennung kann aus Liebe geschehen" noch näher darauf eingehen.

Wir brauchen uns nur zu öffnen. Durch die Kraft die uns unser Schöpfer gibt, werden wir erhalten und bleiben wir gesund. Wenn wir uns dessen erinnern und uns ihm anvertrauen, wird er uns sagen was wir wirklich brauchen. Vielleicht werden wir es 'hören'. Vielleicht spüren. Vielleicht ahnen. Er wird uns den Weg zur inneren Zufriedenheit zeigen, wenn wir klopfen. Er wird uns helfen, mit allen Geschöpfen und unserem Lebensraum liebevoll umzugehen.

Die Kraft, die uns wirklich stärken und aufbauen kann, das Licht, das uns wirklich den Weg leuchten kann, kommt von unserem Schöpfer. Wir selbst können jeden Tag neu wählen, für welches Leben wir uns entscheiden.

Wir sind hier, um uns von der Last bzw. den Unreinheiten die in den heiligen Schriften Sünde genannt werden, zu befreien. Wenn uns dazu unsere irdische 'Zeit' nicht ausreicht und unser Körper alt und unbrauchbar geworden ist, so müssen wir sterben. Wir müssen unseren abgenützten Körper ablegen, um uns in einem neuen Körper wieder hier einzufinden und weiterzuüben, weiterzuwachsen... bis sich unsere Seele völlig aus dem Materiellen Sumpf herausgeschält hat und wir unseren Körper mit transformiert haben. Doch unsere unsichtbaren Körper sterben nicht. Die Wahrnehmungsfähigkeit unserer Seele, unseres Geistes bleibt immer bestehen. Wir werden wiedergeboren, so lange, bis wir uns seelisch und körperlich vollkommen gereinigt haben...

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3. Brief: An die 5 Brüder des reichen Mannes

Meine Brüder auf der Erde!

Briefträger (Original zum 'Ruf ins Volk': An die 5 Brüder...) Eigentlich ist es unstatthaft, wenn ich Euch jetzt einen Brief schreibe. Denn ihr habt mich zur letzten Ruhe gebettet und an meinem Grabe Eurem Bedauern Ausdruck verliehen, dass mein Leben allzu früh abgeschlossen worden sei. Ihr rechnet damit, dass ich jetzt nicht mehr bin, und ich sollte anstandshalber Euch auch nicht mehr belästigen.

Nehmt mir nicht übel, wenn ich Euch mitteile, dass Eure Rechnung nicht aufgegangen ist. Mein Leben ist nämlich nicht abgeschlossen, sondern geht ins Unendliche weiter. Vorbei ist nur der Auftakt dazu, der freilich allzu kurz war.

Mit der letzten Ruhe aber ist es ganz und gar nichts. Ich bin jetzt die Unruhe selber. Hier in der Ewigkeit - so nennt man nämlich das Reich jenseits der Todeslinie, die ich überschritten habe - fühle ich mich völlig fehl am Platze. überall ecke ich an; jeder Wunsch, den ich ausspreche, ist verkehrt. Alle meine Klagen und Beschwerden werden abgewiesen und zwar, wie ich jeweils hinterher merke, nicht zu Unrecht. Denn meine Klagen und Wünsche passen ebenso wenig in diese andere Welt wie ich selber.


''Möge dir die Erde leicht sein!''

hat einer von Euch mir ins Grab gerufen. O meine Brüder! Die Erde, die 'Erde' - das ist es ja eben! Ihr bin ich verhaftet bis zur letzten Faser meines Wesens. Sie ist mir zum Verhängnis geworden. Nicht leicht ist sie mir, wie Ihr mir gewünscht habt, nicht schwer, wie befürchtet wird, sondern überhaupt nicht mehr. Fort ist sie - ich habe sie zurückgelassen!

Ich aber bin da, ich, ein der Erde verhafteter Mensch, bin da und habe keine Erde mehr. Mein ganzes Herz hängt an ihr; aber sie ist fort auf Nimmerwiedersehen! Versteht Ihr meine Qual? Die Erde mit ihrem Glück, sie war mein Alles, und mit ihr ist für mich alles dahin! 0 wäre ich mit ihr vergangen, ich elend Betrogener!

''Wenn es ein Jenseits gibt,'

bekomme ich dort nicht den schlechtesten Platz!'' hast Du, mein ältester Bruder, des öfteren gesagt, wenn Dir Gedanken an die Ewigkeit kamen. An die Wirklichkeit der Ewigkeit hast Du so wenig geglaubt wie ich; aber geredet hast Du gelegentlich von ihr.

Ich muss Dir aber heute sagen, dass Dein Sinn genau so der Erde verhaftet ist wie der meine. An die himmlische Welt legst Du irdische Maßstäbe an. Du meinst offenbar, im Himmel sei es wie auf der Erde. Du denkst, es gäbe da gute und sehr gute, schlechte und ganz schlechte Plätze. Da irrst Du gewaltig.

In der Ewigkeit gibt es überhaupt keine Plätze. Da geht alles nach der Gesinnung. Was eines Geistes ist, ist beisammen, und was gleichen Sinnes ist, hat Gemeinschaft miteinander.

Ich bin bei den Irdischgesinnten, was Dir ja klar sein dürfte. Dass bei uns die Hölle los ist, wird Dir auch klar werden, wenn Du ein wenig darüber nachdenkst. Denn schau, jeder von uns brennt nach irdischem Glück und Wohlergehen, und keiner von uns findet auch nur ein Tröpflein davon, weil die Erde ja für uns dahin ist. O diese Qual, die jeder leidet und verbreitet! Wir machen uns selber und einander das Dasein zur Hölle. In mir und um mich nichts als brennendes Verlangen nach irdischem Besitz und Genuss! Es ist zum Heulen und zum Rasendwerden - nein, es ist ein Heulen und Rasendsein!

''Nicht der schlechteste Platz?'' Mein Bruder, einen solchen braucht's nicht! Es genügt eine irdische Gesinnung. Sie macht die Ewigkeit zur Hölle.

''Gott ist doch die Liebe!''

so hast Du, mein jüngster Bruder, stets argumentiert, obwohl Du nicht im Ernst an ihn geglaubt hast. ''Wenn es ihn gibt'', hast Du gesagt, ''kann er ja nichts als lieben. Was wird er dann so herzlos sein und Ungezählte in die Hölle verstoßen!'' Nun, mein Bruder, ganz unrecht hast Du damit nicht. Gott jagt die Leute tatsächlich nicht aus dem Himmel hinaus. Das Verhängnis ist vielmehr, dass Leute wie wir gar nicht hineingehen.

Verstehst Du mich nicht? Schau, der Himmel steht offen, so weit offen, dass ich aus ganz großer Entfernung genau sehen kann, wer alles drin ist. Jener Bettler zum Beispiel, der sich zu Hause neben unserm Müllhaufen niedergelassen hatte, mit dem Hektor und Bella, unsere beiden Hofhunde, so großmütig ihr Futter teilten. Wir haben ihn spottweise den ''Armen Gotthilf'' genannt, weil er sich immer mit Gottes Hilfe tröstete, von der doch nicht die geringste Spur zu sehen war. Der ist jetzt ganz in seinem Element, wunschlos glücklich und selig geborgen wie ein Kind im Schoß seiner Mutter.

Der Himmel steht also offen; aber weißt Du, es ist kein Himmel nach unserm Geschmack. Uns weltselige Leute zieht es überhaupt nicht dorthin; unser Herz ist himmelweit entfernt von diesem Himmel. Die Nähe Gottes, die denen dort offenbar der höchste Genuss ist, ist uns geradezu unheimlich. Uns verlangt nach einem andern Glück, nach einem Glück fern von Gott, wie wir es auf der Erde hatten.

Anfangs habe ich mich beschwert, dass es mir unverdient schlecht gehe. Ich bat darum, man möge mir doch ein klein wenig Himmelsglück zukommen lassen. Es wurde mir aber bedeutet, dass ich ja meinen Himmel bereits auf der Erde gehabt habe und dass mein Sinn offenbar nach einem andern Himmel stehe. Und in der Tat: ein Himmel für unsereinen ist der Himmel Gottes nicht. Der ist recht für die Gottseligen, aber nicht für die Weltseligen. Die himmlisch gesinnten Leute, die sich ihr Lebtag mit göttlichen Dingen befasst haben, mögen dort auf ihre Rechnung kommen. Unsere Interessen aber sind ganz anders gelagert. Für unsereinen ist es dort nicht auszuhalten.


''Lass mich in Ruhe damit!''

hast Du, mein jüngster Bruder, ausgerufen, wenn Dir einer mit frommen Sachen kommen wollte. Du wolltest unangefochten dahinleben in Deinem irdischen Glück.
Ich ebenso. Was die Ewigkeit angeht, ließ ich gar nichts an mich herankommen; die himmlischen Dinge ließ ich auf sich beruhen. Ich hatte ja meine Welt, und in die habe ich mich immer mehr verliebt. Wir haben uns auch gegenseitig bestärkt in unsern eigenen Ansichten und sind so immer mehr festgefahren in unserer irdischen Gesinnung.

Weißt Du, was das Ergebnis dieser Abschirmung ist? Ich kann Dir sagen: uns trennen Welten von denen auf der anderen Seite. Was sie zum hellen Jauchzen bringt, berührt uns nicht einmal. Uns fehlt einfach der Sinn für ihre Welt.

Anfangs war mir das nicht so klar. Ich sah nichts als eine große Ungerechtigkeit in diesem grundverschiedenen Schicksal. Bald aber musste ich merken, dass ich mich in die Welt der Seligen nicht emporschwingen kann. Es fehlen meiner Seele ganz einfach die Flügel dazu. Umgekehrt habe ich festgestellt, dass auch sie nicht in der Lage sind, in die Welt der Unseligen herabzusteigen, um etwas von ihrem Glück in unsere Qual hineinzutragen.

Die Kluft zwischen Seligen und Unseligen ist unüberbrückbar; es gibt kein Hinüber oder Herüber. Eher fangen die Wale zu fliegen an und horsten in den Felsen der Berge, als dass ein weltseliger Mensch heimisch wird bei denen, die in Gott selig sind. Eher fangen die Adler zu tauchen an und leben in der Tiefe des Meeres, als dass ein gottseliger Mensch die Welt der Unseligen besucht.

Mein Lieber, unser törichter Wunsch ist mehr als erfüllt: wir sind ganz gründlich in Ruhe gelassen. Nur haben wir keine Ruhe; wir haben nichts als uns selbst und unsern unstillbaren Durst.

''Jeder ist seines Glückes Schmied!''

Wie oft haben wir das behauptet, liebe Brüder! Besonders wenn uns jemand beneidete oder gar um Hilfe anging. ''Selbst ist der Mann!'' - hieß unser Wahlspruch, und unser Rat lautete: ''Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!''
Nun, wir haben unser Glück geschmiedet, gut geschmiedet sogar. Es hat gehalten bis an den Rand des Grabes, bei mir wenigstens. Aber es war ein kurzes Glück, kurz wie mein Erdenleben.

Der ''Arme Gotthilf'' hat sein Glück nicht selber geschmiedet. Er hat es sich von Gott schmieden lassen. Lang und schmerzlich hat er darauf warten müssen; aber das ficht ihn jetzt nicht mehr an. Denn er hat ein dauerndes Glück, ewig wie Gott selber, der es geschmiedet hat, ewig wie meine Qual, die ich mir eingebrockt habe.
Gewiss, er hat die Hölle auf der Erde gehabt. Aber was für eine kurze Hölle, gemessen an der Hölle der Ewigkeit, in der ich mich befinde! Dieselbe Erde, die mein Himmel war, war seine Hölle. Mir fehlt sie; er hat sie los. Was mir Pein macht, das ist sein Trost: die Abwesenheit der Erde, die ihm Fremde, mir aber Heimat war.


Der hohe Lebensstandard

den wir aufweisen konnten, Ihr lieben Brüder, war stets unser Stolz. Wir sind seinetwegen auch viel beneidet worden. Es war aber auch beachtlich, was wir uns leisten konnten. Aber eben dieser hohe Lebensstandard hat mich meine ganze Ewigkeit gekostet. Darum verfluche ich ihn, so sehr mich auch nach ihm zurückverlangt. Wollt Ihr es nicht zu Herzen nehmen, meine Brüder, und es allen sagen, die auf der Jagd nach einem Höheren Lebensstandard sind? Denn ich sehe Millionen hinter Euch marschieren, ja hinter Euch her rennen auf demselben Wege. Sie hätten gerne, was Euch in den Schoß fiel: ein besseres Leben auf der Erde, ein kleines Erdenparadies. Dabei geht es ihnen wie mir unseligem Menschen: sie werden blind für das bessere Leben, das ihnen von Gott zugedacht ist und verscherzen das ewige Gottesparadies, das auch dem Ärmsten zugänglich ist, wenn er offen bleibt dafür.

Ein Wort zum Schluss:

Meine sehr gefährdeten Brüder! Ich habe den Antrag gestellt, der ''Arme Gotthilf'' möge Euch aufsuchen und zur Umkehr bewegen. Mein Antrag wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, das sei völlig überflüssig. Er könnte Euch auch nichts anderes sagen als was Ihr 35 längst wüsstet, weil es tief in Eurem Herzen steht. Wenn Ihr das nicht ernst nähmet, würdet Ihr auch ihn nicht ernst nehmen, wenn er von den Toten aufstünde und Euch predigte...

... Es graut mir vor dem wiedersehen mit Euch!

Euer verlorener Bruder

Ruf ins Volk Nr. 24, Pfarrer Richard Neumaier

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4. Der Sinn des Lebens

Wir wurden auf diese Erde in einen Körper geboren, damit wir in dieser Form und mit den uns gegebenen Mitteln unseren Weg ins Licht beschreiten können.

Wir haben reichlich von diesen 'Mitteln', die uns buchstäblich angewachsen sind. Wir haben Augen, um damit die Sonne und Gottes Schöpfung zu sehen. Wir haben Ohren, um damit den Wind, das Wasser und die Gesänge der Geschöpfe zu hören. Wir haben eine Nase, um damit den Duft der Blüten und Blumen zu riechen.
Wir haben einen Mund - mit dem wir Worte der Liebe und des Trostes sprechen und die Süße der Früchte schmecken können. Mit unseren Händen können wir so vieles begreifen und ertasten, unsere Beine tragen uns rastlos von einem Ort zum anderen. Unser Gehirn hilft uns, das Wahrgenommene festzuhalten und im rechten Moment wieder hervorzuholen. Unser Geist hat den Auftrag, alles zu beobachten und die richtigen Impulse zu setzen. Unsere Seele muss diesen Weg gehen, um sich wieder unserem Ursprung - mit Gott - zu verbinden und sich vom dunklen Nebel der Unbewusstheit befreien.

In der von uns gestalteten Welt machen wir uns dies denkbar schwer. Wir leben in einer ständigen Reizüberflutung. überall lassen wir für uns vordenken. Wir lassen uns erklären, was wir 'benötigen' und was 'gut' für uns ist. Unsere Medien sind voll mit. diesen 'gut gemeinten Ratschlägen' . Im Fernsehen lassen wir uns fertige Geschichten und Unterhaltungen vorsetzen, die nichts mit unserem eigenen Leben zu tun haben. Wir lassen uns davon abhalten, uns mit unserem eigenen Wesen zu beschäftigen und darüber nachzudenken ...


'Eingemauertes' Herz © Regina F. Rau Unser Herz ist verhärtet und verstockt, weil wir es selbst zum Schweigen gebracht haben. Wir verdrängen unsere Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und suchen in der falschen Richtung nach Erfüllung. Wir verdrängen unsere Gefühle mit Genüssen und 'fressen' unser Leid in uns hinein. Wenn das nichts hilft, 'beruhigen' uns mit Medikamenten.

wir 'forschen' in der Physik, Mathematik und Chemie in Laboren und im Weltraum nach Gottes Geheimnissen. Wir suchen Vergeltung, Rum, Macht und Befriedigung unserer Gelüste. Wir haben verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören, obwohl sie uns tief in unserem Herzen beharrlich zum Leben und zur Liebe ruft ...


5. Nachruhm - von Manfred Kyber

Die Totenfeier am Sarge des berühmten Anatomen und Leiters des Physiologischen Instituts der alten Universität gestaltete sich zu einer ergreifenden Huldigung der akademischen Kreise vor den Verdiensten des großen Verstorbenen. Der Katafalk war mit Kränzen und seidenen Schleifen behängt, in Lorbeer und Blumen gehüllt, brennende Wachskerzen umrahmten ihn, und vor ihm waren auf samtenen Kissen die zahlreichen Orden ausgebreitet, die der gelehrte Forscher mit berechtigtem Stolz getragen hatte. Zu beiden Seiten der Bahre standen die Chargierten der Korporationen mit blanken Schlägern, und neben den Angehörigen saßen der Senat der Universität in vollem Ornat, sämtliche Professoren der Hochschule und die Vertreter der Behörden. Der Priester hatte soeben seine Rede beendet, die allen tief zu Herzen gegangen war.

''Er war ein vorbildlicher Mensch und ein vorbildlicher Gelehrter'', schloss er, ''er war das eine, weil er das andere war, denn ein großer Forscher sein, heißt ein großer Mensch sein. Wir stehen an der Bahre eines ganz Großen, mit Trübsal in der Seele, weil er uns genommen ist. Aber mitnichten sollen wir trauern und wehklagen; denn dieser große Tote ist nicht tot, er lebt weiter und steht nun vor Gottes Thron im vollen Glanze seines ganzen arbeitsreichen Lebens, wie es denn in der Schrift heißt: sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach!''

Alle schwiegen ergriffen, und es fiel auch niemand auf, dass der Priester anscheinend eine Kleinigkeit vergessen hatte, nämlich die, dass der große Tote, der nun vor Gottes Thron stehen sollte, sein ganzes Leben lang für die Überzeugung eingetreten war, dass es gar keinen Gott gäbe. Aber solche Kleinigkeiten werden bei Grabreden meistens vergessen.

Hierauf erhob sich der Rektor der Universität mit der goldenen Amtskette um den Hals und sprach mit bewegter Stimme warme Worte des Nachrufs für seinen berühmten Kollegen.

'''Er war allezeit eine Zierde unserer alten alma mater und eine Zierde der Wissenschaft, der er sein ganzes Dasein geweiht hatte, ein Vorbild uns und allen, die nach uns kommen werden, denn auf ewig wird sein Name in goldenen Lettern auf den Marmortafeln der menschlichen Kultur glänzen. Ich kann in diesem ernsten und feierlichen Augenblick nur weniges aus der überfülle seines Geistes herausgreifen, nur andeuten, wie er unermüdlich an unzähligen Tierversuchen Beweis auf Beweis gehäuft. Es ist nicht auszudenken, welche unerhörten Perspektiven sich mit diesen völlig neuen medizinischen Tatsachen der leidenden Menschheit und der Wissenschaft als solcher eröffnen. Nur nacheifern können wir den gewaltigen Forscher, der uns solche Wege gewiesen, und wir und die ihn bewundernde akademische Jugend, der er ein Führer zu wahrem Menschentum war, wir wollen an seiner Asche geloben, sein Lebenswerk fortzusetzen und auszubauen, zum Heile der europäischen Wissenschaft und zur Ehre unseres geliebten Vaterlandes. Es hat unserem großen Toten nicht an reicher Anerkennung gefehlt, wie wir dankbar feststellen können, auch von allerhöchster Stelle sind ihm ehrenvolle Zeichen der Huld zuteil geworden''? alle Blicke richteten sich staunend auf das Samtkissen mit den Orden, die einige Pfund wogen - , ''ja, noch kurz vor seinem Tode ward ihm die Freude, zum Wirklichen Geheimen Medizinalrat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt zu werden, eine Ehrung, die mit ihm auch unsere ganze Hochschule als solche empfunden hat. So reich aber sein Ruhm auch war, noch reicher wird sein Nachruhm für alle Zeiten, und wir, die wir ihm nachtrauern, wollen es ihm gönnen, dass er nun ruhe von seiner Arbeit, dass er auf der Asphodeloswiese lustwandele mit den großen Geistern aller Zeiten, zu denen ihn seine Werke erhoben haben, und so darf auch ich schließen mit den Worten meines geistlichen Vorredners: und ihre Werke folgen ihnen nach!'' Alle waren voller Andacht, teils vor der europäischen Wissenschaft und teils vor dem Prädikat Exzellenz. Der Rektor Magnifikus hatte nur die Kleinigkeit außer acht gelassen, dass die europäische Wissenschaft die Asphodeloswiese eine Fabel nennt und von den großen Geistern der Vergangenheit behauptet, dass sie sich in chemische Substanzen aufgelöst haben. Aber das sind ja Kleinigkeiten, und es ist das Vorrecht der heute üblichen Bildung, ein griechisches Wort zu gebrauchen für etwas, bei dem man sich nichts mehr denkt. Wenn man Überhaupt etwas denken wollte - du lieber Gott, wo käme man da hin bei unserer heutigen Zivilisation und der europäischen Wissenschaft!
Der Vertreter des Staates erklärte, dass der Verstorbene eine Säule des modernen Staatswesens gewesen sei, und der Vertreter der Stadt sagte, dass der Magistrat einstimmig beschlossen habe, einer Straße den Namen des großen Toten zu verleihen. Der Kirchenchor sang ein Lied, es war ein altes Lied aus einer alten Zeit. Andere Menschen mit anderer Gesinnung hatten dies alte Lied geschaffen, und es nahm sich seltsam aus nach den tönenden Worten von heute. Sehr leise und überirdisch sang es wie mit fremden Stimmen durch den Raum: ''Wie wird's sein, wie wird's sein, wenn wir ziehn in Salem ein, in der Stadt der goldenen Gassen...''
Dann sank der Sarg in die Tiefe.

***

Der Tote hatte die ganze Zeit dabeigestanden. Ihm war, als habe sich eigentlich nicht viel geändert. Er erinnerte sich nur, einen sehr lichten Glanz gesehen zu haben, dann war alles wieder wie sonst, und er wusste kaum, dass er gestorben war. Nur leichter war alles an ihm, keine Schwere mehr und keine grobe Stofflichkeit. Ein großes Erstaunen fasste ihn - es gab also doch ein Fortleben nach dem Tode, die alte Wissenschaft hatte recht, und die neue hatte unrecht. Aber es war schöner so, und es beruhigte ihn sehr, obwohl es anfangs etwas quälendes hatte, dass er mit niemand mehr sprechen konnte, dass keiner seiner Angehörigen und seiner Kollegen merkte, wie nahe er ihnen war. Immerhin war es tröstlich, zu hören, wie man ihn feierte und dass man so zuversichtlich von Gottes Thron und von der Asphodeloswiese gesprochen hatte. Freilich - die Titel und Orden fehlten ihm, sie erschienen nicht mehr greifbar. Aber war er nicht immer noch der große Gelehrte, der berühmte Forscher? Hieß es nicht: und ihre Werke folgen ihnen nach? ...
Er war nun allein, die Umrisse des Raumes wurden dunkel und verschwammen ins raumlose. Es war sehr still, nur ganz ferne verklang das alte Lied, kaum noch hörbar: ''wenn wir ziehn in Salem ein - in die Stadt der goldnen Gassen...''
Das würde nun erfolgen, vielleicht gleich. Eine große Spannung erfüllte ihn; aber in dieser Spannung war etwas von Angst, etwas Unsagbares, eine große bange Frage, die ihn ganz ausfüllte. Es war auch so dunkel geworden, man konnte nichts mehr sehen.

Dann wurde es hell, und ein Engel stand vor ihm. Also auch das gab es. Dann würde es ja auch einen Gott geben und die vielen Toten, die lebendig waren, und das geistige Jerusalem. Wie schön war das alles! Aber der Engel sah ernst und sehr traurig aus.
''Wohin willst du?'' fragte er.
''Ins Paradies.''
''Komm!'' sagte der Engel.

Große dunkle Tore öffneten sich lautlos, und sie traten in einen Raum, der grell erleuchtet war. Die wände waren blutrot, und auf dem boden hockten unzählige verstümmelte Tiere und wimmerten. Sie streckten die zerschnittenen Glieder nach dem Toten aus und sahen ihn aus geblendeten und erloschenen Augen an. Immer weiter, ins Unabsehbare, dehnte sich ihre Reihe.

''Hier sind die Hündinnen, denen du bei lebendigem Leibe die Jungen herausgeschnitten hast. Hattest du keine Kinder, die du liebtest? Wenn deine Kinder sterben, und sie suchen den Vater im Paradies, so werden sie dich hier finden. Es ist das Paradies, das du dir geschaffen hast. Hier sind die Katzen, denen du das Gehör zerstört hast unter grässlichen Martern. Gott gab ihnen ein so feines Gehör, dass es ein Wunder der Schöpfung ist. Du wirst nichts mehr hören als das. Hier sind die Affen und Kaninchen, denen du das Augenlicht nahmst. Gott gab es ihnen, um die Sonne zu sehen. Sahst du nicht auch die Sonne dein Leben lang? Du wirst nun nichts mehr sehen als diese geblendeten und erloschenen Augen. Soll ich dich weiterführen? Es ist eine lange, lange Reihe.''
''Das ist entsetzlich'', sagte der Tote.
''Das ist es'', sagte der Engel.
''Leben denn alle diese Tiere weiter?'' fragte der Tote. ''Alle diese Tiere leben bei Gott'', sagte der Engel, ''du kannst nicht dorthin, denn sie stehen davor und klagen dich an, sie lassen dich nicht durch. Was du hier siehst, sind ihre einstigen Spiegelbilder, es sind deine Werke, und sie bleiben bei dir. Du wirst alle ihre Qualen an dir erfahren, bis du wieder zur Erde geboren wirst, um zu sühnen. Es ist ein langer und trauriger Weg. Aber sie werden nicht deine einzigen Gefährten sein. Du hast noch einen anderen, sie her, wer vor dir steht inmitten all deiner Werke!''

Der Tote sah auf und erblickte ein scheußliches Gespenst mit einer menschlichen Fratze, in einem Gewand voll Schmutz und Blut mit einem Messer in der Hand.
''Das ist das Scheußlichste, was ich jemals sah'', sagte der Tote, und es packte ihn ein Grauen, wie er es noch nie erlebte. ''Wer ist dieses Scheusal? Muss ich das immer ansehen?''
''Das bist du'', sagte der Engel.
''Aber die Wissenschaft?'' fragte der Tote angstvoll, ''habe ich ihr nicht gedient? Gehöre ich nicht zu den großen Geistern, auch wenn ich diese Taten beging?''
''Die großen Geister waren den Tieren Brüder und nicht Henker'', sagte der Engel, ''sie würden dir den Rücken kehren, wenn du es wagen könntest, zu ihnen hinaufzugelangen. Aber du gelangst gar nicht in ihre Nähe. Du warst eine Null und kein großer Geist. Du wusstest es auch, dass du eine Null warst, du wusstest, dass dir nichts einfallen würde, und darum hast du aus Eitelkeit all diese Greuel begangen, in der Hoffnung, der Zufall könnte dir etwas von den Geheimnissen der Natur enträtseln, wenn du sie folterst. Nachher kam die Mordlust, die Herrscherwut kleiner Seelen dazu. Siehst du das alles? Du kannst es deutlich sehen an deinem Spiegelbild, es hat getreulich all deine Züge aufgezeichnet. Bleibe bei ihm, wasche sein blutiges und schmutziges Kleid, bis es weiß wird wie Schnee! Es kann tausend Jahre dauern, vielleicht auch länger. Bleibe bei ihm, denn du kannst ihm nicht entrinnen. Er ist dein Gefährte, und diese verstümmelten Geschöpfe Gottes sind dein Paradies.
''Das alles ist wahr'', sagte der Tote, ''aber auch wenn ich so dachte und tat, habe ich nicht doch eine Erkenntnis gefördert? Tritt nicht doch die Wissenschaft für mich ein?''
''Eine Erkenntnis durch Verbrechen?'' fragte der Engel. ''Erkenntnisse hatte die Wissenschaft einst, als sie in ein Tempel war. Ich will dir zeigen, wie eure Wissenschaft heute aussieht.''

Ein hässliches gelbes Licht zuckte auf, und der Tote sah einen Narren sitzen, der mit blutigen Händen Kartenhäuser baute. Ein Luftstoß fegte sie um, aber der Narr baute immer weiter.
''Ist das alles?'' fragte der Tote und klammerte sich hilfesuchend an das Gewand des Engels.
''Das ist alles'', sagte der Engel, ''lehrt eure Wissenschaft nicht auch, dass es keinen Gott und keine Vergeltung und kein Leben nach dem Tode gibt? Ich muss nun gehen. Bleibe bei deinem Paradies!''

Der Tote blieb in seinem Paradiese und hatte es vor Augen Stunde um Stunde, Tag für Tag und Jahr für Jahr. Es ist dies mit einer Zeit nicht mehr zu messen, jedenfalls nicht wissenschaftlich, und das ist doch das einzig maßgebliche, nicht wahr? Aus sehr weiter Ferne klang ein altes Lied aus einer alten Zeit, kaum noch hörbar und verhallend: ''wie wird's, wie wird's sein, wenn wir ziehn in Salem ein, in die Stadt der goldenen Gassen...''

Vielleicht bedeutet dieses Lied noch etwas, denn wir müssen ja alle einmal sterben? Aber wer denkt heute daran, im Zeitalter der aufgeklärten europäischen Wissenschaft?
Die Zeitungen brachten spaltenlange Nachrufe über den berühmten großen Forscher und Gelehrten, seine Exzellenz den Wirklichen Geheimen Medizinalrat, dessen Tod einen unersetzlichen Verlust für die Wissenschaft bedeute, dessen Name aber für alle Zeiten ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Menschheit bleiben würde, ein herrliches Zeichen unserer fortschrittlichen Kultur und ein Denkmal allen kommenden Geschlechtern, wie es die Besten vor ihm waren. Ehre diesen großen Toten!

Ja sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach.

Manfred Kyber

6. Das irdische Haus unserer Seele

Wir haben ein Gedächtnis, um darin unsere Erlebnisse als Erinnerungen festzuhalten. Unser Verstand würde bei einer Verletzung, die uns von einem anderen zugefügt wurde, mit Vergeltung reagieren wollen. Unser Herz dagegen wird uns sagen, dass das Erlebte eine Lernübung oder eine Warnung gewesen ist, um zu zeigen, wie sich solche Ungerechtigkeiten oder Schmerzen anfühlen - und dass wir selbst nicht so handeln sollen. Die innere Stimme sagt uns, dass alles, was wir anderen tun, auf uns zurückkommen wird...

Es gibt viele unzufriedene Geister in dieser Welt - auch in der für uns unsichtbaren Sphäre. Viele Menschen mussten ihren unbrauchbar gewordenen Körper ablegen, weil sie Raubbau an ihm trieben. Sie verloren ihn bei Kämpfen gegeneinander, durch den Verzehr von verderblichen Dingen, durch unangemessenen Lebenswandel. Viele von ihnen sind nun dort, wo sie sehnsüchtig darauf warten, wieder in den Körper zurückkehren zu dürfen, in dem sie einst steckten. Sie haben nun, da sie in der anderen Sphäre sind, die nötige Klarsicht, um zu erkennen, welche Fehler sie in ihrem Leben begangen hatten und leiden zum Teil sehr darunter. Sie erkennen, dass sie nur durch eine Wiedergeburt in den menschlichen Körper - das Haus der Seele - viele Dinge bereinigen könnten, die durch die vergangenen Taten ihre Seele verunreinigten. Taten, die viele Gelüste und Begierden in ihnen wachrief. Sie sehen jetzt klar, dass sie sich in die falsche Richtung geflüchtet hatten. Sie erfahren, dass ihre eigennützigen
Wünsche sie wie Klebstoff an die so geliebte Materie gehaftet haben, die sie ohne Körper jetzt nicht mehr erfahren können, die ihnen daher auch nichts mehr nützt. Der Gedanke an Gelüste und materielle Befriedigung quält sie jetzt, weil sie sie nicht erfüllen können. Manche wünschen eine Rückkehr in den Körper, um ihre alten Wünschen wieder erfüllen zu können.

Aber es gibt eine Bestimmung - die Bestimmung durch Gott wann ein Geist wieder als Mensch auf die Erde kommen darf. Das hängt auch von seinem eigenen Willen ab, einen neuen Versuch zu wagen. Das heißt: diese aufgeladene Negative Energie (die Religionen nennen es Schuld) durch Erledigung positiver Aufträge umzuwandeln.

Die indische Mythologie nennt diesen Kreislauf von Ursache und Wirkung Karma.

Reinkarnation - die ewige WiederkehrDie Seele kann sich nicht verkörpern - reinkarnieren - wann sie will. Sie muss mit dem angehäuften Seelenleid, das sie selbst verursacht hat, auf eine Chance warten. Währenddessen wird sie ständig mit den verdrängten Unreinheiten konfrontiert - das heißt, ihre Taten werden ihr ständig vor Augen geführt. Sie sieht auch den Grund ihres Handelns. Sie ist nun allein mit ihren Begierden und muss ertragen, dass sie nicht erfüllbar sind. Manche Geister benutzen die Ausschweifungen der 'Lebenden', um sich in ihrer Sehnsucht dazuzuschalten. Sie dringen so in den unbewussten Menschen ein und schaffen sich für Momente über die Empfindungen des 'fremden' Körpers Befriedigung. Die betroffenen Menschen bemerken es nicht. Erst, wenn sie Ängste, Alpträume und Pein plagen, bemerken sie, dass etwas nicht stimmt. Doch sie erkennen ihren Lebensstil oft nicht als Ursache und verstehen die Welt nicht mehr. Der Weg zum Psychiater kann nicht nachhaltig helfen. Auch nicht die Einnahme von Medikamenten und Drogen. Stille Gespräche mit Gott und der Wille, etwas zu tun, helfen diesen Menschen, langsam wieder Frieden zu finden.

Die Ärzte erklären die meisten Krankheiten als psycho-somatisch. Die Seele (Psyche) drückt ihr Wohlbefinden oder Unbehagen durch den Körper (Soma) aus. Also haben die Ärzte mit dieser Feststellung sogar recht. Doch sie haben damit noch lange nicht die Ursache
behandelt. Das können sie auch gar nicht. Sie können aber behilflich sein, dass der 'Patient' den Weg zur Genesung selbst geht - indem sie ihm einen Weg aufzeigen, wie er wieder zu Gott finden kann. Denn nur Seine Liebe kann uns heilen und nur durch Ihn sind wir auf unserem Weg geleitet.

Wenn eine Seele nach ihrer Wartezeit im Körper wiedergeboren wird, sind ihre Erinnerungen an die vorangegangenen Zeiten meist ausgelöscht. Dies geschieht ganz nach dem Grad ihrer Entwicklung. Die meisten wären durch die Erinnerungen zu sehr vorbelastet. Sie könnten Angst davor bekommen, einen schwierigen Weg zu gehen - den sie sich selbst durch den Wandel ihres vergangenen Lebens gestalteten - und verzagen. Andere könnten das Leben zu leicht nehmen. Wie ein Schuljunge, der schon vor dem Schulalter lesen und schreiben kann. Für ihn sind die ersten Schuljahre ermüdend und langweilig. Er sitzt sie mehr oder weniger unaufmerksam ab. Dabei kann er jedoch wichtige Informationen, die für den weiteren Verlauf seines Lebens sehr von Bedeutung sind überhören
.


7. Die Existenz des "Nichts"

Viele Menschen glauben, dass nach dem Tod nur die Dunkelheit da sei und dass es sonst nichts gäbe.

Wenn wir bis zu unserem Tod nicht erkannt haben, woher wir kommen und wohin wir gehen werden, werden wir buchstäblich 'Nichts' sehen, wenn wir unseren Körper abgelegt haben. Doch es wird uns bewusst sein, dass wir nichts sehen, weil mit unserem irdischen Leben nicht alles vorbei ist. Dann haben wir uns nicht auf das 'Sterben' vorbereitet, haben uns keine Gedanken über das Leben, den Tod und ihren Sinn gemacht.


Unbewußte Seele © Regina F. Rau Die Dunkelheit ist da und wir haben immer die Ahnung, dass da doch noch etwas anderes ist - wir können jedoch nichts sehen. Wir haben uns ja selbst die Sicht genommen. Dort sind wir allein mit allem selbstauferlegten Leid, mit all unseren Fragen. Je größer das Wissen um die Gesetze des Kosmos und der Liebe und je größer die Zuwiderhandlung trotz besseren Wissens entgegen der inneren Stimme war, desto größer der Schmerz. Je nachdem wie festgefahren wir in der Dunkelheit sind, die wir uns selbst bereitet haben, wird es dauern, bis wir ein Licht sehen, das uns wieder herausführt. Es gibt jedoch einen Schlüssel, der uns das Tor der Dunkelheit aufschließen kann. Es der 'Schlüssel' der Liebe. Es ist der Glaube an Gott. Es muss nicht irgendein Glaube an den Gott einer Religion sein. Denn auch dort gibt es Menschen, die wirklich glauben und Menschen, die obwohl sie sich als Gläubige wähnen, dennoch nicht glauben. Und es gibt viele sogenannte Ungläubige, die dem wahren Glauben näher stehen, als die sogenannten Gläubigen.

Wenn wir erkennen, dass Er uns liebt und unablässig auf uns wartet - wenn wir Seine Liebe annehmen können und ihr folgen, werden wir wieder ins Licht schreiten.


8. Über die Befragung von Geistern

Viele von uns möchten gerne in die Zukunft blicken und wissen, was sie erwartet. Viele versuchen es wiederholt und behaupten, doch nicht an solchen Schabernack zu glauben. Und andere behaupten, daran zu glauben und tun es doch nicht. Würden sie nämlich daran glauben, so wüssten sie auch, dass es Dinge gibt, mit denen man nicht spielen oder Spaß betreiben darf.

Wir versuchen etwas über unsere Zukunft zu erfahren, indem wir die Geister der 'Toten" befragen, indem wir auf vielerlei Art und Weise mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen. Wir tun es völlig unvorbereitet und unwissend, was uns erwartet. Schon wir lebenden Menschen sind nicht perfekt und haben Sorgen. Wir wissen nicht alles und können auch nicht alles! Wir haben Wünsche, Ängste, Hoffnungen und Begierden. Wer von sich glaubt, ein perfekter Mensch zu sein, hat aufgehört zulernen. Er blieb geistig gesehen stehen. So lange wir auf unsrem Weg sind, können wir nicht, alles wissen und sind auch nicht imstande, alles zu tun. Doch eben genau den erwarten wir von den Geistern, die wir befragen.

Wenn ein Mensch seine sichtbare Hülle verlassen hat - ist er deshalb noch lange kein 'Überwesen'. Er muss weiter auf seinem Weg gehen und lernt immer neues hinzu. Das bedeutet, dass jeder 'Verstorbene' auch nach dem Tod noch die gleichen Trübungen 'auf der Seele' hat und in einer ähnlichen Wahrnehmung existiert, wie er es während seines Lebens tat. Er kann zwar drüben alles besser 'sehen', weil es keine Maskerade mehr gibt. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass er das Wahrgenommene nun auch besser begreift.

Wir brauchen nur uns selbst zu betrachten. Haben wir beim bloßen Sehen von Tatsachen schon die Hintergründe und Ursachen verstanden? Wir sehen jeden Tag die Verwüstungen, Quälereien und Ungerechtigkeiten, etc., ganz besonders, weil wir es direkt im Fernsehen übertragen oder in den Zeitungen abgedruckt bekommen. Und dennoch haben wir nicht alles verstanden - sonst würden wir alle schon bei uns selbst begonnen haben, etwas zu ändern.

Viele von uns wissen aus den verschiedensten Gründen nicht mehr weiter und befragen die Geister. Sie fragen, ob und wann sie heiraten werden oder wer ihr Zukünftiger sein mag. Sie fragen über Erbschaften, Beziehungen, über die Zukunft der Welt. Aber sie fragen sich nicht vorher, ob sie imstande wären, die Antworten zu ertragen. Sie ragen sich nicht vorher, ob sie der Antwort vertrauen werden. Sie fragen sich nicht vorher, ob sie überhaupt ihrer eigenen Frage vertrauen.

Sind wir denn fähig zu erkennen, ob die Information von Geistern richtig oder falsch ist? Wissen wir, ob der Geist, den wir befragen, ein wohlgesinnter Geist ist? Wissen wir, ob er uns keine Streiche spielen will?

Manche mögen sagen, es sei doch nicht schlimm, wenn einer mal etwas lustiges sagt. Und doch ist es sehr ernst!

Es ist wichtig, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Was passiert denn, wenn bei einer solchen Befragung etwas ganz anderes geschieht, als wir es erwartet hatten? Wir können das, was uns gesagt wurde, meistens nicht einmal richtig deuten. "Wird es wohl morgen sein - oder war es schon?", "habe ich mir etwas einsuggerieren lassen?" sind dann die 'neuen' bangen Fragen, die uns quälen. Wir verlaufen uns in einer neuen Sucht. Es gibt Menschen, die mit den Folgen ihrer Neugierigkeit nicht fertig werden. Sie gaben vor, zu glauben. Doch ihr Glauben reichte nur bis zum Spaß - weiter reichte er nicht. Für viele mag es eine 'lustige' Erfahrung sein. Doch sollten wir immer alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, wenn Dinge dieser Art unsere Neugierde strapazieren.

Es ist nicht ratsam, die Geister zu befragen. Auf diese Art entfernen wir uns weit von uns selbst und der lebendigen Wirklichkeit. Wir fangen an, in einer Scheinwelt zu leben und können den Ausweg nur schwer wieder herausfinden. Wir glauben uns aus einer Abhängig durch Befragung der Geister befreien zu können - und merken nicht, wie wir in eine neue Abhängigkeit geraten.

Wenn wir unsere Neugierde besänftigen können und unseren Glauben stärken - so werden wir erkennen, dass die Liebe Gottes uns wahre Hilfe und wahrer Trost sind. Wir können das Licht und Seine Wärme spüren, wann immer wir uns Ihm anvertrauen und Ihn um Rat oder um Beistand rufen. Er wird unsere Fragen beantworten, wenn wir Ihn inständig darum bitten. Wenn wir still sind und lauschen, können wir die Stimme in uns hören ... Oder es werden Situationen eintreffen, in welchen wir durch Ereignisse oder Menschen Botschaften übermittelt bekommen, die uns weiterhelfen. Es werden Zeichen da sein, die uns weiterbringen - sofern wir sie erkennen können und wollen. Doch müssen dann auch unsere Taten folgen, sonst werden wir immer wieder vor denselben Problemen stehen.

Es gibt hellsichtige Menschen, die die göttliche Gabe erhalten haben, um Menschen warnen zu können und ihnen zu sagen, wie sie ihre Krankheit oder ihre Seelenqual heilen können. Doch diese Menschen erkennen wir sehr leicht daran, dass sie ihre Begabung nicht lauthals bekannt machen, um daraus Profit zu schlagen. Sie sind immer gerade dort, wohin Gott sie sendet. Und sie verlangen keinen oder nur geringen Lohn für ihr Tun. Wir erkennen sie an ihrer Bescheidenheit. Sie werden nach erfolgter Heilung oder Prognose den Menschen auch ermahnen, seine Fehler nicht zu wiederholen und etwas in ihrem Leben grundlegend zu verändern.

Es gibt auch Geister die den Auftrag haben, uns zu beschützen und zu führen. Mit ihnen verhält es sich ein wenig anders. Wir brauchen sie nicht zu rufen. Gott sendet sie zu uns, wenn er es will. Wir nennen sie Schutzengel. Manche haben auch die Aufgabe, Uns zu inspirieren, damit wir Gottes Liebe über unsere Werke an andere Geschöpfe weitergeben können. Viele Menschen sind sich dessen bewusst, dass sie von Geistern Eingebungen erhalten. Es gab viele Musiker und Künstler, von denen solches berichtet wird. Doch wir verstanden es nicht und erklärten sie für verrückt ...


9. Unsere innere Stimme

Oft stehen wir vor wichtigen Lebensfragen oder Entscheidungen und wissen uns keinen Rat. Unser Gefühl - die innere Stimme spricht unermüdlich zu uns, doch wir können sie nicht mehr hören, weil wir uns den ganzen Tag mit 'lauten' Dingen umgeben und uns keine Stille gönnen. Wir können wieder lernen sie zu hören, indem wir uns täglich einen Augenblick der Ruhe gönnen. Wir werden es zunehmend leichter finden den richtigen Weg zu gehen, wenn wir uns jeden Tag ein klein wenig mehr Gott widmen.

Welchen Weg? © Regina F. Rau \ ''Sieh mal dort - der Weg zum Paradies. Es ist nicht weit und das Tor sieht einladend aus. Sieh nur. der Wächter ruft uns. Lass uns dorthin gehen!'' ''Ich weiß nicht, mein Liebster. Mein Gefühl sagt mir. dass jemand das Schild verdreht hat. Und das Licht sieht so unwirklich glimmernd aus. Dort hinter den Bergen ist ein hell leuchtender Schein. Dieser muss der richtige weg sein!?'' ''Ich wäre sicherlich zu diesem Tor, gegangen. Doch mein Herz sagt, dass du recht hast. Laß uns gemeinsam zu diesem wunderbaren Licht gehen und uns einander helfen, wenn wir stolpern. Zum Bild: "Sieh mal dort - der Weg zum Paradies. Es ist nicht weit und das Tor sieht einladend aus. Sieh nur. der Wächter ruft uns Lass uns dorthin gehen!" "Ich weiß nicht, mein Liebster. Mein Gefühl sagt mir. dass jemand das Schild verdreht hat. Und das Licht sieht so unwirklich glimmernd aus. Dort hinter den Bergen ist ein hell leuchtender Schein. Dieser muss der richtige weg sein!?" "Ich wäre sicherlich zu diesem Tor, gegangen. Doch mein Herz sagt, dass du recht hast. Lass uns gemeinsam zu diesem wunderbaren Licht gehen und uns einander helfen, wenn wir stolpern.

Wenn wir anstatt dessen alles alleine machen, entscheiden und wissen wollen, dann sind wir wirklich alleine. Dann brauchen wir uns nicht zu beschweren, wenn uns unser Gewissen 'quält'. Denn egal welchen Weg unser Geist sich in unserer freien Willensentscheidung gewählt hat ? unsere Seele ruft nach Gott.

Wenn wir den Weg in das Licht gefunden haben und gefestigt auf ihm wandeln, schwingen wir uns in höhere Daseins-Ebenen hinauf. Dort gehen wir weiter durch die 'Schulen' des Kosmos und verrichten unsere Aufgaben.


Das gesamte Universum bildet eine Einheit. Es ist unablässig im Wandel und in Bewegung. Nichts darin bleibt wirklich stehen. Wenn wir nicht lernen wollen, fallen wir im großen Sortier-Sieb wieder unten durch. und müssen den gleichen Zirkel noch einmal durchschreiten. Wir bleiben nicht wirklich stehen. Doch möglicher Weise werden unsere Verwirrungen und Verirrungen von mal zu mal größer - von Verkörperung zu Verkörperung - weil es uns durch unsere Genusssucht immer schwieriger wird, uns von der Materie zu lösen. Materielle Erfolge oder Enttäuschungen bleiben immer die gleichen und so kommen wir kaum voran.

Gerade Menschen, die zu großem Reichtum, Ruhm oder Macht kamen haben es besonders schwer. Sie können sich an ihrem Erfolg nicht freuen, weil es ja nur der materielle Erfolg ist und der hat immer das selbe Gesicht. Er kann keine wahre Erfüllung schenken. Auch bei materiellem Verlust haben materiell gebundene Menschen wenig Chancen, geistig voranzukommen. Wegen der ständig gleichen Abläufe und Situationen neigen sie dazu zu resignieren und den Dingen ihren Lauf zu lassen - oder sie versuchen, das 'Glück' zu erzwingen und laden sich immer mehr mit negativen Energien auf.


10. Trennung kann aus Liebe geschehen

Deshalb brechen Partnerschaften auseinander. Freundschaften schlagen in Feindschaften um. Wir erleiden Schmerz und Trauer. Wenn wir unseren ersten Gram überwunden haben, und einen anderen Menschen kennen lernen, sind wir voll Hoffnungen und Erwartungen. Doch dieselbe Situation passiert erneut. Dann sagen wir uns: "Die Liebe ist umsonst ... es hat alles keinen Sinn ... alle Männer und Frauen sind gleich..." Wir haben vergessen, uns nach den Ursachen unseres ersten Misserfolges zu fragen. Wir haben unsere Lektion nicht gelernt.

Manchmal hat eine lieblose Verhaltensweise die wir gar nicht als solche erkannten zum Bruch geführt. Manchmal wollten wir nicht wahrhaben, dass wir uns den falschen Partner ausgesucht hatten. Und es passiert, dass wir nicht den richtigen Zeitpunkt gewählt haben, um zusammenzugehen. Wir waren noch nicht reif oder bereit...

''Alle Wesen sehnen sich nach Glücklichsein. Darum umfange mit deiner Liebe alle Wesen.''
Buddha

In zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es vor, dass sich der eine buchstäblich für den anderen aufgibt, während der andere kaum Notiz davon nimmt. Dadurch entsteht eine bedrückende Atmosphäre, in der wir nebeneinander herleben. Beide Partner leiden darunter. Uns fehlt der Mut etwas an uns selbst zu verändern. Wir haben Angst den anderen verlieren, wenn er durch unsere Veränderung plötzlich merken würde, dass er einem Wunschbild verfallen war, dem wir gar nicht entsprechen. Wir haben Angst, niemanden mehr zu finden, der uns liebt. Dabei leben wir ja schon in einer lieblosen, unwürdigen Atmosphäre.

Wenn man innerlich die Trennung fühlt und sich dennoch nicht lösen kann, kann auch die Angst davor sein, einen materiellen Vorteil zu verlieren. in solchen Beziehungen ist das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen gestört. Oder wir möchten dem Partner so gerne 'beibringen', wie schön das Leben sein kann, wenn man sich gegenseitig geben, vertrauen und verzeihen kann. Doch das geht meistens schief, weil wir eben nicht einsehen wollen, dass wir einem Menschen nichts 'beibringen' können. Er hat selbst alle Voraussetzungen und Anlagen dazu, den richtigen Weg zu finden und die freie Entscheidung, ihn zu gehen. Wenn er sich dessen nicht bewusst ist, dürfen wir ihn lediglich liebevoll darauf aufmerksam machen und geduldig warten, bis er es erkennt. Wenn wir dies nicht können, müssen wir ihn loslassen und freigeben!
Wir sollen einem Menschen nur geben, was wir ihm auch ohne Erwartung geben können. Wenn wir Gegenliebe erwarten, so ist immer auch ein wenig Eigennutz dabei. Dann sind wir nicht frei genug, um vor allem unsere eigenen Schwächen zu erkennen. Wir erkennen nicht, dass wir dein anderen Gewalt antun, um ihn von unserer Liebe zu überzeugen! Wenn wir Zwang ausüben, spürt unser Partner diesen Druck und leidet darunter, weil er nicht oder noch nicht imstande ist, mehr von sich zu geben.
Wenn wir darunter leiden, dass uns ein Mensch nicht liebt, obwohl wir ihm 'alles' geben, müssen wir erst einmal hart mit uns selbst ins 'Gericht' gehen. Wir haben nicht erkannt, dass wir ihn gewissermaßen zwingen uns zu lieben - gerade weil wir ihm alles geben. Wenn wir auf diese Weise 'lieben', dürfen wir erkennen, dass wir versuchen, unseren Partner an uns zu binden. Dies tun wir, indem wir ihn 'beschenken' oder 'bemuttern' und dann von ihm erwarten, dass er uns als Gegenleistung liebt. Meist hält die Beziehung in diesen Fällen ohnehin nur wegen der materiellen Vorteile für den einen Teil. Wir haben übersehen, dass wir eigentlich gar nicht bereit sind "so" viel zu geben. Wir spüren deutlich, dass wir unsere eigenen Grenzen überschritten haben, weil wir damit "rechneten", dass wir das gegebene selbstverständlich auf die von uns selbst vorgegebene Weise zurückerhalten
würden. Hier wäre es heilsam, dass wir unser eigenes Geben so weit zurücknehmen, wie wir es für uns selbst noch angenehm empfinden - auch wenn keine Gegenleistungen erfolgen.

Wenn wir wirklich lieben, müssen wir die vereinnahmenden Beschenkungen und Bemutterungen beenden. Nur dann ist es möglich, dass dem geliebten Menschen die Veränderung bewusst wird und er anfängt nach den Ursachen zu suchen und etwas an sich zu verändern.

Es ist auch möglich, dass sich die Beziehung auflöst, dass wir diesen Menschen dann verlieren. Diese Lösung wäre eine große Enttäuschung für uns. Eine Ent-Täuschung von unserer bisherigen Selbst-Täuschung. Dann war die aufklärende Veränderung ebenso positiv, denn beide Partner wurden 'befreit'. Die Schmerzen, die wir bei solch einer Trennung empfinden, sind die Schmerzen, die wir uns selbst während dieser Zeit durch unsere Selbsttäuschung beigebracht haben. Wohlgemerkt: es sagt nicht aus, dass der andere schlecht ist und uns nicht verdient hat. Es sagt aber klar aus, dass wir nicht zusammen passten, dass wir es gesehen und bemerkt haben und uns das nicht eingestehen wollten. Die Entscheidung der Liebe bewirkte, dass beide Partner nun frei sind, um evtl. den richtigen Partner zu finden oder ohne Partner glücklich weiterzuleben.

Die wahre Liebe zu praktizieren ist nicht immer leicht. Zu lieben heißt nicht unbedingt, alles leicht zu haben. Es bedeutet loszulassen und alles was wir zu geben fähig sind, aus freier Entscheidung und ohne Erwartung zu tun. Es bedeutet auch, anderen die Freiheit zu schenken, alles was sie zu geben fähig sind, aus freien Stücken zu geben! Dies gilt für Eltern-Kind Beziehungen genauso wie in der Freundschaft.

11. Das Spiegelbild unserer Seele

Bevor wir uns darin üben unsere Mitgeschöpfe zu lieben, dürfen wir erkennen, dass alles, was uns begegnet ein Spiegelbild des Zustandes unserer eigenen Seele ist. Es zeigt uns, wenn wir unachtsam oder verständnislos sind. Es zeigt uns auch, wenn wir liebevoll und geduldig handeln.

Egokult ©Regina F. Rau Wenn wir in uns selbst Unruhe und Unordnung haben, sieht es um uns herum unordentlich aus und überall herrscht Unruhe. Wir sagen dann: "dies oder jenes macht mich ganz durcheinander." Dabei kommt diese Unruhe aus uns selbst. Weil wir unsere Seele nicht erhörten, macht sie sich nach außen bemerkbar.

Wenn wir in Harmonie und Frieden mit uns selbst sind, empfinden wir selbst das größte Gehetze anderer nicht als störend. Das heißt nun nicht, dass wir uns deshalb unentwegt in der Einöde aufhalten sollen. Um immer in einem harmonischen Gleichgewicht mit uns selbst zu bleiben, sollen wir uns immer wieder an einen Ort der Ruhe zurückziehen und vom Quell des Friedens trinken. Wir brauchen Energien für unsere Aufgaben. In Gott finden wir die unerschöpfliche Quelle der Kraft ...




12. ''Werdet wie die Kinder''

Kinder sind empfindsam, gelehrig und voll von erquicklichem Geist, der sie mit dem Kosmos verbindet und sie vor allen Gefahren schützt! Sie leben in Verbundenheit mit Gott. Wir dürfen es ihnen darin gleichtun. Wir dürfen vor Gott unsere tiefsten Geheimnisse offenbaren und ihn um Rat fragen, so wie es fast alle Kinder tun. Mit dem Ausspruch Jesu: "werdet wie die Kinder...", war nicht etwa ein bestimmtes Kind gemeint oder das Kindesalter selbst. Es waren die Eigenschaften des Kindes gemeint, die Jesus ansprach. Jeder einzelne von uns ist eingeladen, Ohren und Augen wieder nach innen und außen zu öffnen, aufmerksam zu lauschen und zu beobachten. Wir dürfen unsere Herzen öffnen, Spalt für Spalt, um unsere Seele mit dem Licht Gottes zu erleuchten. Wir sollen wieder empfindsam und gelehrig werden und annehmen, was uns Kinder zeigen und mitteilen wollen. Wir können uns von ihrem frohen Geist ermuntern lassen, frei und fröhlich die Wunder der Welt zu betrachten. Wir können von ihnen wieder lernen, Leben zu achten und zu lieben!

''Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen,
von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt,
so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.''
Kahlil Gibran

Die meisten von uns haben schon einmal Dinge wahrgenommen, die wir keiner Menschenseele anvertrauen wollten. Wir hatten Angst, dass man uns auslachen und dass man uns nicht verstehen könnte. Manchmal haben wir es einer Übermüdung zugeschrieben oder dachten daran, dass wir uns etwas einbildeten. Auch Kinder haben diese Wahrnehmungen und sie sprechen oft davon. Doch wir verstehen ihre Darstellungen nicht oder wir erklären, dass es so etwas Unsinniges nicht gäbe. Wir sollten uns darin üben, den Kindern ein offenes Ohr zu schenken, auch wenn es von Dingen spricht, die für uns nicht gleich verständlich und erkennbar sind.

Als ich ca. 4 Jahre alt war, sah ich an einem verschneiten Wintertag kurz vor Weihnachten bei helllichtem Tage eine Kutsche am Himmel! In der Kutsche saß ein Mann in weitem Mantel. Er hatte eine große Mütze auf dem Kopf und trug einen langen weißen Bart. Er hatte einen großen gefüllten Sack bei sich. Zwei große Tiere mit mächtigen Geweihen waren davor gespannt, die in 'fliegender' Eile in den Himmel stiegen. Ich hatte eine wunderbar feierliche Stimmung in mir und hörte buchstäblich die Chöre der Engel dazu singen. Als ich meine Mutter danach befragte, sagte sie, dass dies bestimmt der Weihnachtsmann gewesen sei. Und sie sagte mir, dass die Tiere gewiss Rentiere aus dem fernen Lappland gewesen seien.

Noch heute fühle ich diese feierliche Stimmung in mir, wenn ich an dieses Erlebnis denke. Und ich danke meiner Mutter von ganzem Herzen, dass sie diese feierliche Stimmung mit mir teilte.

 


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