Es gab eine Zeit, da verbrachte
ich meine Zeit gerade mit ein paar Bekannten in den Bergen in einer einsamen
Hütte. Dort war das Wasser noch gemütlich auf dem Holzofen zu
heizen. Es gab auch kein Bad, dafür aber einen Bach, der unweit vom
Haus entfernt fröhlich vor sich hin gluckste.
Eines Tages ging ich mit Schreibblock und Bleistift bewaffnet in den nahegelegenen
Wald, um dort in der Ruhe und Abgelegenheit einen Brief zu schreiben,
der mir schon länger auf dem Herzen lag.
Dieser Ort schien mir geeignet, um mich ganz auf meine Gedanken und meine
Gefühle zu konzentrieren.
Der Wald war feucht von den tiefhängenden Wolken. Ich ging eine Weile
nachdenklich umher, um ein passendes Plätzchen zu finden, wo ich
mich setzen konnte. Im dichten Tann fand ich einen Baumstumpf, der mir
gefiel. Da saß ich und reflektierte über meine Gefühle
und wie ich alles in Worte fassen und zu Papier bringen könnte...
Der Bleistift zog schwer seine Linien auf dem Papier, die Gedanken wollten
mir nicht klar erscheinen.
Es schien mir, als könnten sich keine Worte für das finden lassen,
was ich ausdrücken wollte. Plötzlich ertönte hinter mir
ein zärtliches Schwatzen - ich fühlte mich an die Stare im Frühjahr
erinnert, wenn sie sich voller Hingebung ihre langen Geschichten erzählen.
Das Geräusch war so nah, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte,
was es sein könnte. Ich rührte mich nicht. Irgend etwas war
da hinter mir und krächzte. Mal energisch, mal beschwichtigend. Und
ich saß wie angewurzelt, um das Wesen nicht zu verscheuchen. Es
blieb da und 'erzählte' weiter. Da sagte ich leise: "Nun gut!
Ich werde mich jetzt umdrehen!" und ich drehte mich im besonders
langsamen Zeitlupentempo in die Richtung, aus der ich die Stimme vernahm.
Und dann traute ich meinen Augen nicht. Vor mir saß fast auf Augenhöhe
ein Eichelhäher auf einem Ast, legte sein Köpfchen schief und
sah mich an. "Sag mal - wenn das ein Märchen ist, dann wird
das Bild wohl gleich verblassen! Ich werde mich jetzt wieder umdrehen
- und wenn ich dann wieder hinschaue und du bist immer noch da - na dann
bin ich vielleicht jetzt mitten im Märchen!", sagte ich. Dann
drehte ich mich langsam um und schrieb wieder ein bißchen weiter.
Für ein paar Augenblicke war es jetzt tatsächlich still. Ein
paar Zeilen später hob dasselbe Schwatzen wieder an - nur diesmal
etwas 'wichtiger'.
Ich legte meinen Block nieder und drehte mich erneut langsam um. Da saßen
zwei Eichelhäher aneinander gekuschelt und äugten mich zärtlich
an. Es waren vielleicht zwei Meter bis zu dem Ast, auf dem sie in Augenhöhe
mit mir saßen. Während ich sie anblickte, kuschelten sie sich
noch behaglicher zusammen. "Ihr seid aber zwei wunderschöne
Wesen!" sagte ich zu ihnen. "Bestimmt wollt ihr mir irgendetwas
sagen! Aber leider verstehe ich eure Sprache noch nicht so gut. Du wolltest
mir wohl deinen Gefährten vorstellen. Das ist sehr lieb von dir.
Ihr passt wirklich wunderbar zusammen. Vielleicht wolltest du mir damit
etwas zeigen?! Danke ihr beiden! Ich werde mich jetzt wieder umdrehen
und meinen Brief fertig schreiben."
Augenblicklich fühlte ich mich, als hätte mir jemand ein schweres
Gewicht von der Brust genommen. Ich wandte mich wieder meinem Brief zu
und hatte das Gefühl, als wäre ein Vorhang von meinem Herzen
gezogen. Die Angst davor, nicht sagen zu können, was mich bewegte,
verblich und der Bleistift schien wie von selbst über das Papier
zu fliegen.
Als ich den Brief fertig geschrieben hatte und aufstand, um zur Hütte
zurückzugehen, waren die beiden Vögel fort. Aber das Lächeln
auf meinem Gesicht und in meinem Herzen war geblieben.
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