Ich ging ohne Gedanken an den
Gärten der Landshuter "Noblesse" vorbei, da fing mich das
geheimnisvolle Leuchten deiner Früchte ein. Du strahlst so tief,
scheinst in andere Welten hineinzureichen...
Purpurn und blauviolett - seidiger Schimmer... Du hast die Farbe Lila
vollkommen in dir vereint. Und es leuchtet aus deinem Inneren, als wäre
da ein Türchen - fast kann ich es sehen, wenn ich nur nah genug hinsehe.
Und einen feinen Klang sendest du aus...
Ein Krönchen aus einem Kranz von deinen Früchtchen ziert vielleicht
das Haupt einer holden Elfen-Königin.
Als ich so dastand und über dich sinnierte, überkam
mich ein ungebändigter Drang danach, deine Perlen zu kosten. Wir
gehen so achtlos an dir vorbei... Als Zierpflanze bekamst du deinen Platz
im Garten zugewiesen. Und da stehst du nun und bietest deine Früchte
feil. Und wir ... nehmen nur noch das Angebot im Laden wahr. Und du bietest
uns immer noch - dem verirrten Konsum trotzend - strahlend deine Gastfreundschaft
an.
Ich zupfte ein paar von den leuchtenden Birnchen von deinen Ästen.
Es mochte mir scheinen, dass ich vom Anblick deiner Früchtchen trunken
wurde. Ich konnte mich kaum satt sehen daran.
Deine Beeren fielen in meinen Mund und verströmten ihren lieblichen
Geschmack von süßem Beerenwein... Da wußte ich: 'Du trägst
Götterfrucht!'
Ich fing an zu singen ... und dieser Tanz ist nun für dich...
Regina Franziska Rau
Landshut, Anfang Juli 2000
Anmerkung: Der Baum wurde bereits wenige
Wochen später im darauffolgenden Herbst gefällt. Als ich eines
Tages diesen Ort wieder aufsuchte, und dort nur noch einen kahlen Flecken
- und den Stumpf vorfand, weinte mein Herz und ich fühlte, als
ob ein treuer Freund hingerichtet worden wäre.
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