Ich lebte zu dieser Zeit mit
meinem Ehemann in der Türkei, in einem Häuschen bei Cinarcik.
Das liegt etwa 20 km entfernt von dem seit dem schweren Erdbeben bekannten
Yalova. Oder ca. 200 km südöstlich von Istanbul - Luftlinie
über den Bosporus ca. 50 km. Mein Mann und ich hatten uns dieses
Häuschen gemietet. Es stand auf einem Hang mit herrlichem Ausblick
auf das weite Meer. Hinten war das Haus umgeben von wilden Wiesen, eingesäumt
von stattlichen, herrlich blumig duftenden Lindenblütenbäumen,
die in ihrer vollen Blüte standen.
Abends lag ich oft noch lange wach und badete mich in der Erinnerung der
erfrischenden Ereignisse des Tages.
Der Mond schien an diesem Abend durch das Fenster und tauchte das Zimmer
in sein geheimnisvolles Licht. Da erfüllte ein sehnsüchtiges
Abendgebet die Lüfte. Stets begann der Gesang behutsam und tröstend
- strich die Wunden meiner Seele glatt und nahm mich mit in seine luftigen
Gefilde. Auf weißen Wolken glitten die Klänge durch das Dunkel
der Nacht, zeichneten Bilder der Glückseligkeit in den endlosen Raum.
In tiefster Hingabe sang der Vogel seine Weise und ein Beben lief durch
mein Innerstes.
Ich sah mich als Kind - so unbeschwert und voller Vertrauen in das Leben
selbst im Garten sitzen, über blumenübersäte Felder und
Wiesen laufen hinein in die duftenden Wälder lachend - Hand in Hand
mit meinem liebsten Gefährten. Und dann sah ich, wie dieser kindliche
Traum verblasste, mehr und mehr im gehetzten Trubel der Verwirrungen und
Irrungen des Lebens zerfiel. Und Tränen schossen mir in die Augen.
Eine tiefe Ahnung von einem Ozean des Friedens, von unsäglichem Glück
und grenzenloser Liebe jenseits von allen Unbill des verstrickten Lebens
erfasste mich. Und der Gesang des Vogels beruhigte mein pochendes Herz
und trug mich hinein in die Welt der Stille.
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