Es war
in der Türkei in Bitez - in der Nähe von Bodrum, genau in der
Südwestlichen Ecke der Türkei - am Meer.
Mein damaliger Gefährte Kemal, unser Sohn Baris und ich hatten dort
unsere beiden Hauszelte auf einem lauschigen Stück in einer Bucht aufgestellt.
Der Touristen-Strand war eine gute Ecke weit entfernt.
Wir hatten von einem Koch, der für eines der Lokale in der Nähe
kochte, die Erlaubnis, auf seinem Grund zu campen. Das Grundstück war
auf der rechten Seite von Espen umfriedet, die im lauen Wind leise raschelten
und deren Blätter silbrig winkten. Dort hatten wir unsere beiden Zelte
aufgestellt. Ich hatte mich gleich in dieses Fleckchen verliebt.
Hinter unseren Zelten trennten uns ein paar natürliche 'Hecken' von
dem unbearbeiteten, wilden Stück des Grundstücks, das dem Anschein
nach einmal als Garten genutzt worden war. Ein geheimnisvoller Pfad schlängelte
sich durch das dichte Gewirr von Ranken und Büschen, vorbei an Zitronen-
und Orangenbäumchen. Granatapfelblüten und Früchte leuchteten
verlockend im satten Grün der Zweige. An einer hohen Pappel rankten
mächtige wilde Weinreben, voll von dunkelroten satten Trauben. Dieses
Plätzchen schien mir wie ein Traum, der Wirklichkeit geworden war.
Der Bauer, dem dieses kleine Paradies gehörte, hatte uns erlaubt, dass
wir uns nahmen, so viel wir wollten. Er hatte uns förmlich aufgefordert,
ja nicht zu bescheiden zu sein - und eines Tages war er mit einem voligepackten,
überquellenden Korb voll der herrlichsten Köstlichkeiten aus seinem
Garten vor dem Zelt erschienen und hatte uns mit freudestrahlendem Gesicht
erklärt, dass alles für uns sei.
Von diesem Tag an verbrachte ich zusammen mit Baris eine herrliche Zeit
in den Gärten des Bauern und auf den dahinterliegenden Wiesen, wo wir
uns mit den süßen Früchten den Tag versüßten.
Die großflächigen Wiesen waren umrankt von schwerduftenden Brombeerranken,
die sich unter der Last ihrer dunklen lila Süße bis zur Erde
neigten.
Baris und ich standen in den Beeren, während die Sonne mild und gülden
auf unsere Haut schien. In der Ferne spielte ein kleiner Hirtenjunge auf
einer Schalmei sehnsüchtige Lieder, dass mir das Herz dahinschmolz.
Ich war verliebt bis über beide Ohren in dieses herrliche Land.
Eines Tages entdeckte ich auf einer Wiese eine Stute mit ihrem Fohlen. Sie
grasten dort ohne Umzäunung. Die Stute war an den Hinterläufen
mit einer relativ locker gehaltenen Kordel am Davongaloppieren gehindert,
doch sie konnte sich angemessen frei bewegen. Baris mochte diese großen
Tiere sehr und so besuchten wir sie fast täglich. Ich beobachtete das
Verhalten des Muttertieres, uns gegenüber wenn wir es begrüßten
- und gegenüber seinem Fohlen. Sie hob stets ihren Kopf und räusperte
sich vernehmlich, schüttelte ihre Mähne und blickte mir gerade
in die Augen.
Dann stupste sie ihr Kleines mit der Nase am Hintern und bezeigte ihm, dass
es sich näher an sie halten solle. Ich ging in den ersten Tagen nicht
sehr nah zu ihr hin, machte aber bald dieselbe Geste der Begrüßung,
räusperte mich auffällig und schüttelte meine Haare im Wind,
während ich ihr gerade in die Augen blickte.
Nach ein paar Tagen schienen mir ihre Augen zu blitzen, wenn sie uns kommen
sah - und sie schien es nicht mehr für nötig zu befinden, ihr
Kleines vor uns zu warnen und in Schutz zu nehmen.
Eines Tages wollte Baris seinem Vater die herrlichen Tiere zeigen und überredete
Kemal mitzukommen. Wir erklärten ihm gerade, wie wunderbar unsere Begrüßung
klappte und dass die Pferde uns schon bis zu sich herankommen ließen.
Als wir an der offenen Weide ankamen, wollte ich Kemal die Begrüßungszeremonie
zeigen.
Doch sein forscher Schritt hatte die Stute stutzig gemacht und sie verhielt
sich wieder zurückhaltend. Da sagte Kemal zu uns beiden: "Jetzt
zeige ich euch mal, wie man das mit Pferden macht!" Und er ging geradewegs
auf die Pferde zu, sagte in sehr selbstbewusstem Ton: "Na, Tag - wie
geht's Euch?!", und streckte der Stute hurtig und unerschrocken seine
Hand entgegen.
Da senkte sie den Kopf, legte die Ohren an - und im nächsten Augenblick
bäumte sie sich auf und galoppierte in unerwartet tollen Sprüngen
trotz der Kordel an den Hinterläufen auf Kemal zu.
Der nahm nur noch seine Kappe und machte sich aus dem Staub ... nicht ohne
zuvor den Pferden noch zugerufen zu haben: "Ihr blöden Viecher!"
Als er fort war, sah uns die Stute an - als wollte sie sagen: "Kann
ich was dafür!?"
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