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Interview
im Kapuzinerstadl mit Radio Deutschland
Samstag,
25.01.2003
"Die
Münchnerin Regina Rau hat sich langsam, so kann
man sagen - herangerobbt, an Deggendorf - mit einigen
Umwegen in die ganz ganz weite Welt, in wirklich ferne
Länder - in die Türkei, nach Indien, Iran,
Pakistan. Regina - was haben Sie gesucht, als sie
dann Anfang der 90er Jahre - im Deggendorfer Kreis
sich niedergelassen haben?"
"Vorerst
habe ich mal meine Ruhe gesucht. Nach München
hatte ich irgendwie die Schnauze voll, wie man so
schön sagt. Ich wollte mich mal zurückzehen
und die Natur genießen. Und nachdem ich das
dann reichlich getan hatte, hatte ich wieder Lust
auf Leute - und das ist mir hier in Deggendorf sehr
gut gelungen!"
"Also
muß ich noch mal genauer fragen: was haben Sie
gefunden in Deggendorf? Sind es die Leute?"
"Ich
habe in Deggendorf ganz tolle Sachen gefunden, die
ich München zwar gesucht aber nicht gefunden
hatte und dann in Deggendorf nicht gesucht und gefunden
hatte - und zwar einfach neue Wege, Leute, die aufgeschlossen
sind, mit denen man über tolle Sachen reden kann
- nicht nur über Lippenstifte - und ... über
"Knödel" zum Beispiel (lach - es wurde
gerade zuvor ein ausführliches Thema über
Knödel behandelt)."
"Aber
wie war das Anfangs? Haben sie nicht auch Abwehr gekriegt?
Man sagt, die Leute sind zum Teil auch so ein bißchen
brummig, halten die, die sie nicht kennen auch gerne
draussen. Und da kommt eine, die nicht so stromlinienförmig
ist wie die anderen. Eine, die malt, die ihr Holz
selber hackt, die stundenlang in der Natur - ja nach
was? - sucht - was die Leute vielleicht gar nicht
so nachvollziehen können, wie ging Ihnen das
damit?"
"Da
muß ich feststellen, dass also auch wieder im
Gegensatz zu München, wo die Leute sehr aufgeschlossen
wirken - und wenn man dann an der Oberfläche
kratzt, gar nicht weit kommt - habe ich festgestellt:
so wie man in den Wald hineinruft, so kommt es auch
zurück. Die Leute sind sehr aufgeschlossen. Man
kann mit ihnen wirklich Pferde stehlen. Man kann mit
ihnen viele Dinge reden, die man sonst in München
nicht tun kann."
"Sie
haben im Moment Ihre Ausstellung hier im Akku - wir
werden dieses Kulturzentrum auch noch vorstellen in
der nächsten Stunde - eine Ausstellung mit Bildern,
nicht nur von Ihnen - sondern auch von anderen Kolleginnen.
Was für Reaktionen kriegen Sie?"
"Also
ich entdecke - wieder einmal sehr erstaunlich - Reaktionen,
also die Leute sind sehr aufgeschlossen für neue
Dinge, für farbige Sachen, für Fröhlichkeit
usw. - also was ich eigentlich erwartet hatte, dass
man von der alten Gilde her die neuen Dinge etwas
ablehnen wird, die Akzeptanz nicht so groß ist.
Aber ganz genau das Gegenteil ist der Fall. In Deggendorf
sind die Leute wirklich wie ein Schwamm. Sie saugen
die neuen Dinge auf, sind aufgeschlossen für
neue Heilweisen, für neue Techniken mit der Malerei,
auch für neue Musiken - eigentlich für alles,
was neu ist."
"Wir
haben auch gesehen - wir haben uns die Bilder angeguckt,
hier vom Team der Deutschlandrundfahrt - und haben
gesehen, es sind da nicht nur Junge, die kommen. Tatsächlich
- es gab da auch welche, die deutlich die Vierzig-Jahres-Grenze
überschritten hatten. Gibt es da denn auch Kontakt
- oder kommen die nur, gucken sich die Bilder an und
verschwinden wieder?"
"Nein
- und das ist auch wieder sehr erstaunlich: sie kommen
tatsächlich und sie bleiben dann sogar sehr lange
- sogar auch von der Zeitung oder so. Man hat sehr
intenive Gespräche, was ich woanders nicht so
feststellen konnte. Sie unterhalten sich auch über
die Hintergründe, also wie man zu bestimmten
Bildern kam, oder wie man zu bestimmter Thematik kam.
Also sie stellen sich jetzt nicht einfach nur hin
und schauen sich das an, sondern sie sind wirklich
sehr interessiert daran - und ich habe auch telefonisch
dann Kontakt mit ihnen, oder man trifft sich."
"Das
ist wahrscheinlich dann der Vorteil, dass noch überschaubar
ist, dass man die Leute dann hin und wieder nochmal
sieht - oder ihnen zufällig begegnet."
"Das
ist richtig! Denn darum geht es ja - dass die Menschen
miteinander Kontakt haben"!
"Würden
Sie sagen, Deggendorf ist Ihre Heimat geworden?"
"Ja!
Also ursprünglich war es so, dass ich dachte:
"bloss schnell weg hier, als ich 1992 hier Fuß
fasste in der Gegend um Deggendorf herum. Dann habe
ich so langsam pö á pö den Schritt
in die Richtung Deggendorf gefunden und bin jetzt
seit zwei Jahren Bürgerin von Deggendorf. Und
seitdem ich Bürgerin bin, kann mich hier keiner
mehr wegholen!"
"Na
eben habe ich gehört von jemandem, die auch hier
im Publikum sitzt: "Man braucht drei Generationen,
bis man dazu gehört. Also selbst ein Kind, das
hier geboren worden ist, gehört noch nicht unbedingt
dazu - aber die Erfahrung machen Sie nicht?"
"Nein,
die Erfahrung mache ich nicht! Aber das kann auch
an der Neugeistigkeit liegen, dass die Leute wirklich
anfangen sich aufzumachen. Vielleicht liegt es auch
an mir. Ich weiß es nicht - wohl an beidem."
"
Und noch mal aufzubrechen, in eines dieser fernen
Länder, das sie nicht kennen - steht das unter
Umständen auch noch mal an, oder sind Sie jetzt
hier verwurzelt?"
Also
verwurzelt kann man schon sagen. Ich hätte Lust
wieder wegzufahren und dann ganz ganz viele neue Sachen
nach Deggendorf zu bringen!"
Ja
- dann wünsche ich Ihnen schon mal vorab gute
Reise Regina Rau - vielen Dank!"
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