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Regina F. Rau
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Eine Lebenskünstlerin im Interview
vom 25. Januar 2003

Regina Rau und ' weitere Gäste kommen am Samstag im Kapuzinerstadl zu Wort
Deggendorfer Zeitung - Lokales - 25.01..2003

Deggendorf (she). "Jede Etappe meines Lebens ist wie ein Film", sagt Regina Rau. Nach jahrelangen Reisen durch die Türkei, Indien, Ägypten, Pakistan und den Irak lebt die Künstlerin heute in Deggendorf und pflegt ihre Talente. Am Samstag erzählt sie im Deutschlandradio aus ihrem Leben.

Was macht eine Frau zur Lebenskünstlerin? Als solche ist Regina Rau nämlich am Samstag in ganz Deutschland zu hören. Auf der Frequenz 101,3 (UKW) erzählt sie, wie es ist, als ehemalige Weltenbummlerin heute in einer vergleichsweise kleinen Stadt wie Deggendorf zu leben. "Ich fühle mich wohl hier. Mit den Leuten komme ich wunderbar zurecht", betont sie.

Was sie bisher erlebt hat, dafür bräuchten andere Menschen gleich ein paar Leben. Mit 15 nabelte sie sich von ihrer "schwierigen Familie" ab, ihr künstlerisches Talent war schon früh sichtbar und brachte sie für ein Jahr auf die Fachoberschule für Gestaltung in München. Dort wurde es ihr bald zu eng. Auf ihren Reisen erlebte sie "Dinge, die Material für einen Film wären." Und stellte gleichzeitig ihre Fähigkeit unter Beweis, unter widrigsten Umständen zu überleben. Eine Lebenskünstlerin halt: "In der Türkei zum Beispiel habe ich Steine gesammelt und bemalt, als ich total pleite war. Das war ein Erfolg und ich hatte wieder Geld." Nach ihrer Rückkehr 1991 hat sich die gebürtige Münchnerin in Niederbayern niedergelassen seit einem Jahr lebt sie in Deggendorf und hat genügend zu tun, ihre vielen Talente auszuleben. Ihre Bilder wurden schon mehrfach ausgestellt. Die 43-Jährige schreibt Gedichte und Erzählungen, gestaltet Homepages, bemalt Leinwände und Porzellan, näht, webt - alles mit Erfolg.

Davon wird Regina Rau am Samstag von 15.05 bis 17 Uhr in einer Live-Sendung des Deutschlandradios aus dem Kapuzinerstadl berichten. Mit ihr kommen Kulturamtschef Günther Löffelmann, Dieter Scherf vom Bund Naturschutz, die Familie Scholz, FH-Präsident Reinhard Höpfl sowie weitere Kulturschaffende aus Deggendorf zu Wort. Wer will, kann sich die Live-Sendung auch live anhören. Der Eintritt ist kostenlos.

(Text zum Foto)
Malen ist eines der vielen Talente von Regina Rau. Die Bilder der Lebenskünstlerin sind derzeit im Akku-Haus ausgestellt.


Interview im Kapuzinerstadl mit Radio Deutschland
Samstag, 25.01.2003

"Die Münchnerin Regina Rau hat sich langsam, so kann man sagen - herangerobbt, an Deggendorf - mit einigen Umwegen in die ganz ganz weite Welt, in wirklich ferne Länder - in die Türkei, nach Indien, Iran, Pakistan. Regina - was haben Sie gesucht, als sie dann Anfang der 90er Jahre - im Deggendorfer Kreis sich niedergelassen haben?"

"Vorerst habe ich mal meine Ruhe gesucht. Nach München hatte ich irgendwie die Schnauze voll, wie man so schön sagt. Ich wollte mich mal zurückzehen und die Natur genießen. Und nachdem ich das dann reichlich getan hatte, hatte ich wieder Lust auf Leute - und das ist mir hier in Deggendorf sehr gut gelungen!"

"Also muß ich noch mal genauer fragen: was haben Sie gefunden in Deggendorf? Sind es die Leute?"

"Ich habe in Deggendorf ganz tolle Sachen gefunden, die ich München zwar gesucht aber nicht gefunden hatte und dann in Deggendorf nicht gesucht und gefunden hatte - und zwar einfach neue Wege, Leute, die aufgeschlossen sind, mit denen man über tolle Sachen reden kann - nicht nur über Lippenstifte - und ... über "Knödel" zum Beispiel (lach - es wurde gerade zuvor ein ausführliches Thema über Knödel behandelt)."

"Aber wie war das Anfangs? Haben sie nicht auch Abwehr gekriegt? Man sagt, die Leute sind zum Teil auch so ein bißchen brummig, halten die, die sie nicht kennen auch gerne draussen. Und da kommt eine, die nicht so stromlinienförmig ist wie die anderen. Eine, die malt, die ihr Holz selber hackt, die stundenlang in der Natur - ja nach was? - sucht - was die Leute vielleicht gar nicht so nachvollziehen können, wie ging Ihnen das damit?"

"Da muß ich feststellen, dass also auch wieder im Gegensatz zu München, wo die Leute sehr aufgeschlossen wirken - und wenn man dann an der Oberfläche kratzt, gar nicht weit kommt - habe ich festgestellt: so wie man in den Wald hineinruft, so kommt es auch zurück. Die Leute sind sehr aufgeschlossen. Man kann mit ihnen wirklich Pferde stehlen. Man kann mit ihnen viele Dinge reden, die man sonst in München nicht tun kann."

"Sie haben im Moment Ihre Ausstellung hier im Akku - wir werden dieses Kulturzentrum auch noch vorstellen in der nächsten Stunde - eine Ausstellung mit Bildern, nicht nur von Ihnen - sondern auch von anderen Kolleginnen. Was für Reaktionen kriegen Sie?"

"Also ich entdecke - wieder einmal sehr erstaunlich - Reaktionen, also die Leute sind sehr aufgeschlossen für neue Dinge, für farbige Sachen, für Fröhlichkeit usw. - also was ich eigentlich erwartet hatte, dass man von der alten Gilde her die neuen Dinge etwas ablehnen wird, die Akzeptanz nicht so groß ist. Aber ganz genau das Gegenteil ist der Fall. In Deggendorf sind die Leute wirklich wie ein Schwamm. Sie saugen die neuen Dinge auf, sind aufgeschlossen für neue Heilweisen, für neue Techniken mit der Malerei, auch für neue Musiken - eigentlich für alles, was neu ist."

"Wir haben auch gesehen - wir haben uns die Bilder angeguckt, hier vom Team der Deutschlandrundfahrt - und haben gesehen, es sind da nicht nur Junge, die kommen. Tatsächlich - es gab da auch welche, die deutlich die Vierzig-Jahres-Grenze überschritten hatten. Gibt es da denn auch Kontakt - oder kommen die nur, gucken sich die Bilder an und verschwinden wieder?"

"Nein - und das ist auch wieder sehr erstaunlich: sie kommen tatsächlich und sie bleiben dann sogar sehr lange - sogar auch von der Zeitung oder so. Man hat sehr intenive Gespräche, was ich woanders nicht so feststellen konnte. Sie unterhalten sich auch über die Hintergründe, also wie man zu bestimmten Bildern kam, oder wie man zu bestimmter Thematik kam. Also sie stellen sich jetzt nicht einfach nur hin und schauen sich das an, sondern sie sind wirklich sehr interessiert daran - und ich habe auch telefonisch dann Kontakt mit ihnen, oder man trifft sich."

"Das ist wahrscheinlich dann der Vorteil, dass noch überschaubar ist, dass man die Leute dann hin und wieder nochmal sieht - oder ihnen zufällig begegnet."

"Das ist richtig! Denn darum geht es ja - dass die Menschen miteinander Kontakt haben"!

"Würden Sie sagen, Deggendorf ist Ihre Heimat geworden?"

"Ja! Also ursprünglich war es so, dass ich dachte: "bloss schnell weg hier, als ich 1992 hier Fuß fasste in der Gegend um Deggendorf herum. Dann habe ich so langsam pö á pö den Schritt in die Richtung Deggendorf gefunden und bin jetzt seit zwei Jahren Bürgerin von Deggendorf. Und seitdem ich Bürgerin bin, kann mich hier keiner mehr wegholen!"

"Na eben habe ich gehört von jemandem, die auch hier im Publikum sitzt: "Man braucht drei Generationen, bis man dazu gehört. Also selbst ein Kind, das hier geboren worden ist, gehört noch nicht unbedingt dazu - aber die Erfahrung machen Sie nicht?"

"Nein, die Erfahrung mache ich nicht! Aber das kann auch an der Neugeistigkeit liegen, dass die Leute wirklich anfangen sich aufzumachen. Vielleicht liegt es auch an mir. Ich weiß es nicht - wohl an beidem."

" Und noch mal aufzubrechen, in eines dieser fernen Länder, das sie nicht kennen - steht das unter Umständen auch noch mal an, oder sind Sie jetzt hier verwurzelt?"

Also verwurzelt kann man schon sagen. Ich hätte Lust wieder wegzufahren und dann ganz ganz viele neue Sachen nach Deggendorf zu bringen!"

Ja - dann wünsche ich Ihnen schon mal vorab gute Reise Regina Rau - vielen Dank!"


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