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Ein
ursprüngliches und vollständiges Evangelium - aus
dem Aramäischen Urtext von G.J.R. Ouseley
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Kapitel
21
Jesus tadelt die Grausamkeit gegen ein Pferd
(2) Das
Pferd aber war zu Boden gestürzt; denn die Last war ihm
zu schwer, und der Mann schlug es, daß das Blut von
dem Körper des Tieres rann. Und Jesus trat zu ihm hin
und sprach: "Du Sohn des Greuels warum schlägst
du dein Tier? Siehst du denn nicht, daß es für
seine Last viel zu schwach ist, und weißt du nicht,
daß es Schmerz leidet?" Der Mann aber antwortete
und sprach: "Was hast du damit zu schaffen? Ich kann
mein Tier schlagen, so viel es mir gefällt; denn es gehört
mir... (4) Und einer von den Jüngern
antwortete und sprach: "Ja Herr, es ist so, wie er sagt,
wir waren dabei, als er das Pferd kaufte." Und der Herr
erwiderte: "Sehet ihr denn nicht, wie es blutet, und
höret ihr nicht, wie es stöhnt und jammert?"
Sie aber antworteten und sprachen: "Nein, Herr, wir hören
nicht, daß es stöhnt und jammert!" (5)
Und Jesus wurde traurig und sprach: "Wehe euch, ihr Hartherzigen,
die ihr nicht hört, wie es um Mitleid klagt und schreit
zu seinem himmlischen Schöpfer, und dreimal Wehe dem,
gegen den es schreit und stöhnt in seiner Qual!"
(6) Und er schritt weiter und berührte
das Pferd, und das Tier erhob sich und seine Wunden waren
geheilt. Aber zu dem Manne sprach er: "Gehe nun deinen
Weg und schlage es künftig nicht mehr, so auch du Mitleid
zu finden hoffest."... (8) Und
er sagte auch: "Ich bin gekommen, die Opfer und die Blutfeste
abzuschaffen, und wenn ihr nicht aufhören werdet, Fleisch
und Blut der Tiere zu opfern und zu verzehren, so wird der
Zorn Gottes nicht aufhören, über euch zu kommen,
ebenso wie er über eure Vorfahren in der Wüste gekommen
ist, die dem Fleischgenusse fröhnten und von Fäulnis
erfüllt und von Seuchen aufgezehrt wurden." (9)
Und ich sage euch, wenn ihr auch versammelt seid in meinem
Schoße, haltet aber meine Gebote nicht, so will ich
euch verstoßen. Denn wenn ihr nicht die kleinen Mysterien
halten wollt, wie soll ich euch dann die größeren
geben?"
Kapitel
24
Jesus rügt Grausamkeit, heilt die Kranken und treibt Teufel
aus
(4) Und am nächsten
Tage kam die Mutter eines jungen Mannes zu Jesus und bat ihn,
daß er seinen Arm wieder heile. Und Jesus sprach zu ihnen
von dem Gesetze der Liebe und der Einheit alles Lebens in der
einen einzigen Familie Gottes. Und er sprach sodann: "Wie
ihr in diesem Leben euren Mitgeschöpfen tuet, so wird es
euch ergehen im künftigen Leben ......
Kapitel
28
Jesus befreit die Kaninchen und Tauben
(1) Und es geschah
eines Tages, da Jesus seine Rede vollendet hatte, in einem Orte
nahe von Tiberias, wo sieben Quellen sind, daß ein junger
Mann ihm lebende Kaninchen und Tauben brachte, damit er sie
mit seinen Jüngern verzehre. (2)
Und Jesus blickte den jungen Mann liebevoll an und sprach zu
ihm: "Du hast ein gutes Herz, und Gott wird dich erleuchten;
doch weißt du nicht, daß Gott am Anfange dem Menschen
die Früchte der Erde zur Nahrung gab und ihn nicht
geringer machte als den Affen oder den Ochsen oder das Pferd
oder das Schaf, daß er seine Mitgeschöpfe töten
und ihr Fleisch und Blut verzehren solle? (3)
Ihr wisset, daß Moses wahrhaftig befahl, solche Geschöpfe
zu opfern und zu verzehren, und so tuet ihr im Tempel; aber
siehe, ein Größerer als Moses ist hier und kommet,
die Blutopfer des Gesetzes und die Gelage abzuschaffen und wieder
herzustellen die reine Gabe und das unblutige Opfer, wie es
im Anfang war, nämlich die Körner und Früchte
der Erde.
(4) Von dem, was ihr Gott zum Opfer darbringt
in Reinheit, sollt ihr essen, aber was ihr nicht opfert in Reinheit,
sollt ihr nicht essen, denn es wir die Stunde kommen, da eure
Blutopfer und Feste aufhören werden und ihr Gott anbeten
werdet in Heiligkeit und mit reinem Opfer. (5)
Lasset daher die Geschöpfe frei, daß sie sich in
Gott freuen und den Menschen keine Schuld auferlegen."
Und der Jüngling setzte sie in Freiheit, und Jesus zerbrach
ihre Käfige und ihre Fesseln. (6)
Doch siehe, obgleich sie in Gefahr waren, wieder gefangen zu
werden, flohen sie nicht. Und er sprach zu ihnen und hieß
sie gehen, und sie gehorchten seinen Worten und enteilten voll
Freude.
Kapitel
29
Die Speisung der Fünftausend mit sechs Broten und sieben
Trauben...
(4) Da nun der Tag
fast dahin war, traten seine Jünger zu ihm und sagten:
"Es ist wüst hier, und der Tag ist nun dahin. Schicke
sie fort, daß sie umhergehen in Dörfer und Märkte
und sich Brot kaufen; denn sie haben nichts zu essen."
(5) Jesus aber antwortete
und sprach zu ihnen: "Gebt ihr ihnen zu essen!" Und
sie sprachen zu ihm: "sollen wir denn hingehen und für
zweihundert Groschen Brot kaufen und ihnen zu essen geben?"
(6) Er aber sprach
zu ihnen: "Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet."
Und da sie es erkundet hatten, sprachen sie: "Sechs Brote
und sieben Trauben Weinbeeren Und er gebot ihnen, daß
sie sich alle zu je fünfzig auf das Gras lagerten. Und
sie setzten sich nach Schichten zu je hundert und zu je fünfzig.
(7) Und er nahm
die sechs Brote und die sieben Trauben Weinbeeren und sah auf
gen Himmel und dankte, segnete und brach die Brote und ebenso
die Trauben und gab sie den Jüngern, daß sie sie
den Leuten vorlegten, und sie teilten alles unter das Volk aus.
(8) Und sie aßen
alte und wurden satt. Und sie huben auf zwölf Körbe
voll der Brocken, die übrig blieben. Und die da von dem
Brote und den Früchten gegessen hatten, waren fünftausend
Männer, Frauen und Kinder, und er lehrte sie viele Dinge...
[Anmerkung: gemeint sind hier vermutlich
die "Essener Brote" - man liess damals bei den Essenern
Getreide in Wasser keinem, zerquetschte es, machte Teig daraus
und formte Fladen davon, die dann in der Sonne getrocknet wurden.
Es wurde dazu kein künstliches Feuer verwendet. (Dieses
Brot ist ungemein sättigend. Man braucht nur ein Stück
in Größe etwa einer Hostie zu essen - und man ist
wirklich satt! Dies konnte ich bei meinen vielen Experimenten
in der Türkei immer wieder feststellen. Denjenigen, welche
dieses Brot zuerst ungläubig probiert hatten, schmeckte
es vortrefflich und sättigte - sie kamen immer wieder begeisterte
Anfragen, ob ich schon wieder mal "in der Sonne" Brot
gebacken hätte.]
Kapitel
31
Das Brot des Lebens und der lebendige Wein - Jesus tadelt den
gedankenlosen Treiber
(13) Und als Jesus
es sah, sprach er zu ihm: "Warum schlägst du deinen
Bruder?" Und der Mann erwiderte: "Ich wußte
nicht, daß es mein Bruder ist. Ist es nicht ein Lasttier
und dazu gemacht, mir zu dienen?" (14)
Und Jesus sprach: "Hat nicht derselbe Gott aus dem gleichen
Stoffe dieses Tier und die Kinder, die dir dienen, geschaffen,
und habet ihr nicht denselben Atem beide von Gott empfangen?"
Kapitel
33
Die Sünden werden nicht vergeben durch das Blut der Andern
(8) Ich aber sage
euch: Vergießet nicht das Blut der Unschuldigen, noch
esset ihr Fleisch. Gehet aufrecht, liebet die Barmherzigkeit
und tuet das Rechte, und eure Tage werden lange währen.
(9) Das Korn, das
aus dem Boden wächst mit dem andern, wird es nicht verwandelt
durch den Geist in mein Fleisch? Die Beeren des Weinberges und
die anderen Früchte, werden sie nichtverwandelt durch den
Geist in mein Blut? Lasset dieses mit eurem Körper und
eurer Seele ein Andenken sein an den Ewigen. (10)
Darin ist die Gegenwart Gottes offenbar als Stoff und als das
Leben der Welt. Davon sollt ihr alle essen und trinken zur Vergebung
der Sünden, und alle werden das ewige Leben erlangen, so
sie meinen Worten gehorchen."
Kapitel
38
Jesus verdammt die Mißhandlung der Tiere
(1) Und mehrere
seiner Jünger kamen zu ihm und sprachen zu ihm über
einen gewissen Ägypter, einen Sohn des Belial der lehrte,
daß es nicht wider das Gesetz sei, die Tiere zu quälen,
wenn ihr Leiden den Menschen Nutzen bringe. (2)
Und Jesus sprach zu ihnen: "Wahrlich, ich sage euch, die
Vorteile ziehen aus dem Unrecht, das einem Geschöpf Gottes
zugefügt wird, die können nicht rechtschaffen sein.
Noch dürfen alle. deren Hände mit Blut befleckt sind
oder deren Mund durch Fleisch verunreinigt ist, heilige Dinge
berühren oder die Geheimnisse des Himmels lehren. (3)
Gott gibt die Saatkörner und die Früchte der Erde
zur Nahrung; und für den Gerechten gibt es keine andere
rechtmäßige Nahrung für den Körper. (4)
Der Räuber, der in ein Haus einbricht, das von Menschen
gebaut ist, ist schuldig; die aber, so in ein Haus, das von
Gott gebaut ist (5)
alle lebendigen Wesen), einbrechen, sind die größeren
Sünder. Deshalb sage ich zu allen, die meine Jünger
werden wollen, haltet eure Hände fern vom Blutvergießen
und laßet kein Fleisch über eure Lippen kommen, denn
Gott ist gerecht und gütig und hat befohlen, daß
die Menschen leben sollen allein von den Früchten und den
Saaten der Erde....
Kapitel
41
Jesus läßt die Vögel aus ihren Käfigen
frei
(1) Und als Jesus
nach Jericho ging, begegnete ihm ein Mann mit einem Käfig
voller Vögel, welche er gefangen hatte, und jungen Tauben.
Und er sah ihren Jammer darüber, daß sie ihre Freiheit
verloren hatten und außerdem Hunger und Durst litten.
(2) Und er sprach
zu dem Manne: "Was tuest du mit diesen?" Ich will
mir meinen Lebensunterhalt erwerben, indem ich die Vögel,
die ich gefangen habe, verkaufe." (3)
Und Jesus sprach zu ihm: "Was denkst du, wenn ein Stärkerer
oder Klügerer, als du bist, dich gefangen nehmen und dich
fesseln würde oder auch dein Weib oder deine Kinder und
dich ins Gefängnis werfen würde, um dich zu seinem
eigenen Vorteile zu verkaufen und seinen Lebensunterhalt damit
zu verdienen? (4) Sind diese da nicht deine Mitbrüder, bloß
schwächer als du? Und sorget nicht derselbe Gott, Vater
und Mutter, für sie ebenso wie für dich? Lasse also
diese deine kleinen Brüder und Schwestern in Freiheit,
und siehe, daß du solches nie wieder tuest, indem du ehrlich
für deinen Unterhalt sorgest."...
Kapitel
48
Jesus speist tausend Menschen mit fünf Melonen...
(1) Und es geschah,
als Jesus die Menschen lehrte und die Menschen hungrig geworden
waren und unter der Hitze des Tages litten, daß eine Frau
des Weges kam mit einem Kamel, das mit Melonen und andern Früchten
beladen war. (2)
Und Jesus erhob seine Stimme und rief: "Oh, ihr die ihr
dürstet, suchet das Wasser, welches vom Himmel kommt; denn
dieses ist das Wasser des Lebens, und wer es trinket, der wird
niemals mehr durstig sein." (3)
Und er,nahm von den Früchten fünf Melonen und verteilte
sie unter dem Volke, und sie aßen, und ihr Durst wurde
gelöscht. Und er sprach zu ihnen: "Wenn Gott die Sonne
scheinen läßt und das Wasser füllen diese Früchte
der Erde, soll dann nicht derselbe die Sonne eurer Seelen sein
und euch mit Wasser des Lebens erfüllen? (4)
Suchet die Wahrheit und lasset eure Seelen mit Zufriedenheit
erfüllt sein. Die Wahrheit Gottes ist das Wasser, weiches
vom Himmel kommt, ohne Geld und ohne Preis, und die es trinken,
werden befriedigt sein." Und die er sättigte, waren
tausend Menschen - Männer, Frauen und Kinder -, und niemand
ging hungrig oder durstig nach Hause. Und viele, die Fieber
hatten, waren geheilt worden.
Kapitel
71
Die Reinigung des Tempels
(2) Und als er eine
Geißel aus sieben Stricken gemacht hatte, trieb er sie
alle zum Tempel hinaus und ließ die Schafe und Ochsen
und die Tauben frei... (3)
... "Steht es nicht geschrieben. Mein Haus soll ein Bethaus
heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Mördergrube
daraus gemacht und es mit aller Art Greuel erfüllt."
(4) Und er duldete
nicht, daß einer eine Schüssel voll Blutes durch
den Tempel trug oder daß Tiere getötet würden...
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