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| Verworrene
Zeiten - vor der Reise nach Cesme |
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Wohltuender
Trost und ungewollte Schwangerschaft
Noch
in Deutschland, lernte ich einen Augsburger kennen, der mich verstand
und mit dem ich eine schöne Zeit verbrachte, die wie mir schien -
gerechtfertigt war. Ich hatte Sehnsucht nach meinem Sohn und nahm mir
vor, ihn nach Deutschland zu holen und meine intime Freundschaft mit Kemal
zu beenden. Dann bekam ich Gewissheit, dass ich schwanger war. Ich wollte
um keinen Preis der Welt weiterhin eine Lüge leben. Ein Leben mit
dem jungen Mann war nicht denkbar. Ich wollte, dass Kemal über die
Situation im Bilde wäre und versuchte ihn verzweifelt in etlichen
Versuchen ans Telefon zu bekommen. Meistens rief ich spät nachts
von der Arbeit aus an, wo ich Überstunden machte. Stets war Mehmet
am Apparat. Zuerst versuchte er mich zu beschwichtigen. Doch von Gespräch
zu Gespräch veränderte sich seine Stimme und eines Tages erklärte
er mir, dass Kemal mit den Frauen unterwegs sei, und ich kein schlechtes
Gewissen zu haben brauchte. Dann sagte er so schnell und leise, dass ich
es kaum hören konnte: ''Komm schnell, wir vermissen dich!'' Ich traute
meinen Ohren nicht. Ich fragte Mehmet, was er da soeben gesagt hatte -
und er sagte: ''Nichts, ich habe nichts gesagt!'' Bestimmt hatte ich mich
verhört. In dieser Nacht fuhr ich mit Schmetterlingen im Bauch nach
Hause. Die wurden auch in den nächsten Tagen nicht kleiner.
Alles war verworren und ineinander verstrickt. Baris - mein Sohn war in
der Türkei bei seinem Vater, der mit Sicherheit versuchen würde,
Baris zu entführen, wenn ich einfach so mit ihm nach Deutschland
abfahren würde. Es war ein leichtes, die Grenzen zu informieren und
zu behaupten, ich würde das Kind unrechtmäßig mitnehmen.
Davor fürchtete ich mich sehr. Und ich war schwanger. Ich wußte,
dass ich eine zweite Geburt nicht so einfach überstehen würde.
Aber ich wollte auch keinen Schwangerschafts- Abbruch mehr.
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Ein
ungewöhnlicher Traum und
Gespräch mit meinem ungeborenen Baby
Da kam ich eines
Abends auf die Idee, mit dem Ungeborenen Wesen in mir zu sprechen. Ich legte
meine Hände auf meinen Bauch und sagte Völlig unsicher und vorsichtig:
''Ich möchte dir gerne etwas sagen. Ich habe Angst, das spürst
du. Und wenn ich die Augen schliesse und die Angst beiseite lasse, dann
spüre ich, wie lieb ich dich habe. Aber wenn ich die Augen wieder aufmache,
dann wird mir Angst und bang. Dann weiss ich, dass das nicht gut gehen kann.
Ich habe kein Geld, keine Mittel, um dich großzuziehen. Du weißt
sicher, wie schwierig es schon für meinen ersten Sohn Baris ist. Kemal
ist kein Vater, wie er im Bilderbuch steht und er hat auch keine Lust, sich
mit Kindern groß abzugeben. Und dein Vater ist auch noch viel zu jung.
Er hatte Sehnsucht nach jemand, der ihn in den Arm nahm und ihn für
einen Moment verstand. Und als wir beide in diesem unbewußten Augenblick
zusammen waren, da hast du deine Chance gesehen und bist hereingehuscht.
Das kann ich gut verstehen. Ich hätte es bestimmt auch so gemacht!''
Ich spürte, wie es warm in mir wurde - so als ob dieses Wesen in mir
mich umarmte. Ich sprach weiter: ''Aber wie ich es auch drehen und wenden
mag, ich finde keine Lösung, die für eine unbeschwerte Kindheit
für dich sprechen würde. Und so stehe ich nun vor dir - und bitte
dich von ganzem Herzen: ''Brich deine Zelte hier bei mir ab! Bitte geh wieder
fort!''
Tränen stiegen mir in die Augen. Ich spürte große Liebe
in mir aufsteigen. ''Ich weiß nicht, was das Leben noch bringen wird
- vielleicht kannst du zu einem anderen Zeitpunkt bessere Bedingungen bei
mir vorfinden, vielleicht findest du eine andere Zuflucht! Wenn es dir möglich
ist, und du mich verstehst, dann mach es uns beiden bitte nicht so schwer
und geh wieder fort! Ich liebe dich - das sollst du wissen! Aber ich weiss
nicht, wie ich diese Situation meistern soll!''
Dann war Stille. Und ein fast feierliches Licht durchflutete den Raum. Es
vergingen ein paar Tage und ich bekam das Gefühl, dass es dumm von
mir gewesen sei, mit meinem ungeborenen Baby im Bauch so geredet zu haben,
wie mit einem erwachsenen Menschen. In der Nacht des dritten Tages hatte
ich plötzlich einen sehr klaren Traum: ein Mann kam zu mir. Er hatte
lange, fast schwarze Haare, war großgewachsen und sah mich voller
Liebe in seinen Augen an. Er umarmte mich und wirbelte mich eine Weile im
Kreis, dass meine Beine in der Luft flogen, dann setzte er mich wieder ab
und sagte: ''Ich liebe dich! Ja, ich liebe dich so, dass es egal ist, was
passiert. Ich werde immer bei dir sein, ganz egal, was passiert. Du weißt,
dass du eine große Wunde an deiner Fussfläche hast. Die hast
du schon seit 7 Jahren. Und sie blutet sehr stark!'' Seine Liebe strahlte
und schien grenzenlos. Ich kannte diesen Mann und konnte mich doch nicht
erinnern, wer er war. Ich schaute meinen Fuss an und sagte: ''Aber da ist
doch gar nichts!'' Er wiederholte das, was er gesagt hatte noch einmal klar
und deutlich. Ich schaute am anderen Fuss nach - und da war auch nichts.
''Sie unten nach!'' Ich drehte meinen Fuss - und da erschrak ich sehr. Die
ganze Fussohle war blutrot und da klaffte eine Wunde, die mich an eine Vagina
erinnerte. Und als ich aufblickte, war der Mann verschwunden.
Als ich am morgen erwachte, wunderte ich mich sehr über meinen Traum.
Ich ging auf die Toilette und wollte spülen. Da sah ich, dass ich das
Kind verloren hatte. Ich blutete sehr stark. Ich ging in mein Zimmer und
weinte und bewarf mich mit Selbstvorwürfen. Dann fuhr ich zur Arbeit.
An diesem Tag blieb ich nicht lange. Die Sonne ging gerade unter, als ich
mit der S-Bahn nach Hause fuhr. Als die Sonne gerade hinter dem Horizont
versinken wollte, da sah ich das Gesicht einer jungen Frau vor mir und hörte
eine Stimme in mir sagen: ''Ich liebe dich - das sollst du wissen! Ich habe
dich nun verlassen, wie du mich gebeten hast, weil ich dich liebe. Ich werde
dich immer lieben - vergiss das nie!'' Die letzten Sonnenstrahlen verloschen
und ich war in Tränen erstickt.

Die nächsten
Tage rief ich in der Türkei an, um Mehmet zu sagen, dass ich in die
Türkei unterwegs sei. Er freute sich wie ein kleines Kind.
Am Hauptbahnhof sah ich vor dem Abflug in die Türkei zwei wunderschöne
Ringe. Ich kaufte sie und dachte bei mir: ''Warum kaufst du sie, wo du doch
mit Kemal brechen willst!?''
Dann flog ich nach Istanbul und von dort aus fuhr ich in einem der komfortablen
Ulusoy-Reisebusse direkt nach Izmir. Von dort aus nahm ich mir ein Dolmus
nach Cesme. Das ist ein Sammeltaxi-Bus, der so lange wartet, bis er voll
ist. Die meisten Leute fahren auf diese Weise, da die Tickets sehr preisgünstig
sind. Deshalb dauert es nicht lange, bis so ein Kleinbus voll ist.
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In
Cesme
Ich
hatte in Deutschland ein Hauszelt gekauft, das schleppte ich auch mit. Als
ich am Camp ankam und mich von den ersten Strapazen der langen Reise im
Bus von Istanbul bis hierher erholt hatte, konnte ich mich an der Schönheit
der Natur, die mich hier ringsum umgab kaum satt sehen. Das Wasser war glasklar
- wie ein Licht-Kristall - mit einem sanften Blauschimmer und das Wasser
wurde nur sehr langsam tiefer, so dass man sehr lange in diesem herrlichen
Blau waten konnte, bis man in tieferes Wasser kam. Es war eine weite Bucht,
um die man auf schmalen Pfaden lange herumwandern konnte... es lag ein herrlich
süßer Duft in der Luft.
Gleich am ersten Tag steckte ich freudestrahlend Kemal einen der beiden
Ringe an den Finger. Ein Stich durchfuhr mich und ich fragte mich erneut:
''Warum tust du das?, du wolltest Kemal doch klar machen, dass sich die
Wege nun trennen!'' Ich sagte mir, dass ich Kemal eben noch immer liebe.
Das mochte wohl stimmen, aber ich spürte, dass ich mir in Punkto unserer
Beziehung etwas vormachte. Ich litt sehr darunter, noch immer mit Kemal
zusammenzusein. Dann sah ich Mehmet und miene innere Zerrissenheit war perfekt.
Mehmet fuhr für ein paar Tage fort. Dann besuchte ihn Kemals Schwester,
mit der er ein paar Monate gemeinsam verbracht hatte. Ich musste all meine
Kraft zusammennehmen, wenn ich Mehmet mit ihr sah. Ich sagte mir dann immer,
dass ich keine Berechtigung hätte so zu fühlen und fand mich mit
meiner Situation ab. Die Frau fuhr wieder fort.
Es gab eine Diskothek am Platz. Dort verbrachten wir einen gemeinsamen Abend.
Mehmet stand hinter dem Tresen. Er mußte ausschenken. Eine große
blonde Deutsche, machte sich an Mehmet ran. Ich wußte nicht was ich
tun sollte und küsste in meiner Verzweiflung Kemal. ''Ich kann das
auch - wollte ich vermutlich damit sagen - und meine Eifersucht damit überdecken.
Aber ich fühlte mich schlecht. Und ich hatte nicht den Mut, Kemal zu
sagen, dass ich nicht mehr wollte. Da eröffnete ich ihm, dass ich in
Deutschland einen anderen Mann geliebt hatte und schwanger gewesen sei.
Ich hoffte, dass er mich dann verwerfen würde und ich frei sei. Aber
Kemal reagierte anders als erwartet. Er wollte mit mir schlafen und miente,
er müsse mir weh tun, damit ich miene Strafe hätte. Ich liess
es geschehen und fühte mich nicht mehr.
Eines Tages, als es wieder einmal zu einem Streit zwischen mir und Kemal
kam, und meine Verzweiflung, dass ich nicht von ihm wegkam eskalierte, lief
ich in die sanften Fluten des Meeres, riss mir den Ring vom Finger, warf
ihn in hohem Bogen - so weit ich konnte von mir und rief: ''Da hast du deine
Verlobung! Ich will diese Lüge nicht mehr leben!'' Und ein starker
Stromschlag durchfuhr mich. Ein türkischer Freund von uns, der auch
auf dem Campingplatz wohnte, zeigte mir ein paar Tage später ein Foto,
auf dem der Strand darauf zu sehen war und das Meer ein paar Augenblicke
nachdem ich das Wasser wieder verlassen hatte. Über dem Meer war alles
voller violettroter Linien die unruhig am Himmel hin und her fuhren. Sie
sahen aus, als hätte sie jemand mit dem Stift aufgemalt - aber auch
auf dem Negativ waren diese Striche zu erkennen. Er sagte, er habe mich
dort draussen wüten gesehen und wollte es auf dem Foto festhalten.
Da spürte ich, dass meine erste Loslösung von Kemal vom Himmel
begleitet worden war.
Einige Monate verbrachte ich mit Kemal, Baris und Mehmet dort. Meine Beziehung
zu Kemal gestaltete sich zunehmends schwieriger. Da Kemal sich kaum um Baris
und mich kümmerte, ging Mehmet mit mir und Baris oft ganze Nachmittage
lang am Strand spazieren - oder wir setzten uns in eine abseits entlegene
Lagune und führten lange Gespräche über das Leben, Gott und
die Welt... |
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