Mein Gedichte-Album

Einsicht
© Regina F. Rau


Gedichte: Zum Nachdenken Seite 1 2 3 - Begegnungen Seite 1 2 - Freunde Seite 1


Die Farben des Herzens

Leise rascheln die Herbstblätter unter meinen Füssen
erzählen mir von einer langen Reise
durch Zeit und Raum.

Sie tanzen
einen Tanz der Farben,
der bunten Gedanken
der Sehnsüchte und Träume...
Manchmal spricht eines davon zu mir.

Es erzählt mir von der Geburt...
von Leben zu Leben.
Es spricht von der Freude
mit dem Wind zu fliegen
und von der Zeit des kleinen Todes,
wenn der Schnee kommt...

Es spricht von Wandlung und Wiederkehr
im Frühling,
wenn der weiße Schnee Abschied nehmend
seine Arbeit enthüllt.


Und wenn ich dann die herrlich bunten Blätter
auf dem Boden suche
trauere ich vergebens.

So erhebe ich meine Augen
gen Himmel - zu den Baumkronen
- und erkenne:

Alles ist Transformation
im Licht!

© Regina Franziska Rau

Mittwoch, 22. Oktober 2008
Röhrmoos bei Dachau (München)




Macht der Gedanken -
An meinen geliebten Wald

***

Als mir heute der Trubel zu groß wurde,
und meine allgegenwärtigen, nimmermüden Gedanken zu laut,
dachte ich daran, dich zu besuchen.

Hastig zog ich meine Stiefel an
und rannte los,
meine Gedankenggefolgschaft beflissen hinter mir her.
Sie schrien sich gegenseitig an:
"Soll ich dies tun - oder das?"
"Ist es so besser - ist jenes erlaubt?"
"Wie ist es richtig zu lieben?"
"Darf ich jene Pflanze schön finden,
wenn doch diese meine Sinne schon berührte...?"

Ich stieß mich an Steinen,
und trockene Zweige, deren Knistern und Knacken ich sonst so liebe,
verkeilten sich zwischen meinen Beinen,
stachen mir in die Waden.
Brennesseln schienen sich besonders tief zu mir herabzuneigen
verbrannten meine Schenkel.
Ich wurde zornig auf dich
- warum tust du mir weh?
Hatte ich nicht schon genug des Schmerzes
Über die unbeantworteten Fragen in mir selbst?

Da kam ich jäh an eine Lichtung, wo drei große Fichten standen -
mit starkem Stamm und hohen Wuchses.
Zwei hatten eine große Wunde an ihrem Fuße.
Ringsherum lagen Späne
und das einst so muskulöse
mächtige Holz zu Mehl vermahlen.
Aus dem Stamm tropften dicke harzige Tränen...
Ein winziger Käfer hatte sich in die starken Stämme gefressen.

Da erst begriff ich die zerstörerische Kraft wuselnder Gedanken.
Sie fällen Riesen -
und ich hatte sie genährt.

Da erst begriff ich, dass du mich die ganze Zeit gerufen hast,
einen Augenblick der Ruhe bei dir zu verweilen -
und ich hatte dich nicht gehört,
taub vom Treiben in meinem wirren Kopf.

Da erst liess ich mich in das Gras neben deinen wunden Wurzeln fallen
und weinte mit dir.

© Regina Franziska Rau

Donnerstag, 23. Juli 1998
Freiberg - Bayrischer Wald




Wer bin ich?

Ich bin wie der Wind
Du kannst mich nicht halten,
Du kennst mich schon als Kind
in ewig wandelnden Gestalten.

Du begegnest mir auf Schritt und Tritt
wohin Du auch gehst - ich geh' immer mit.
Wohin Du auch blickst,
Du erblickst immer mich.
Und was Du auch tust -
ich begleite Dich.

Sei still ... und sieh hin!
Du mußt es nur wagen -
denn ich hab' die Antwort
auf all Deine Fragen.

Wie ein Echo bin ich
wie Deiner Stimme Schall,
Ich zeig Dir Dein Tun
in klarem Wiederhall.

Manchmal liebst Du mich sehr
oft kannst Du mich nicht ertragen
und wirfst in meine Tiefe
ein Bündel voller Klagen.

Ich werf sie Dir zurück,
ganz gewandelt in Liebe -
wenn du gut hinsiehst,
erkennst Du die zarten Triebe...

Oft willst Du Die Zeichen nicht -
sie sind Dir unerhört,
weil es nur - so denkst Du schlicht -
geplantes Leben stört.

Doch was Du siehst - ist nicht nur Schein -
ein Rätsel voller Siegel -
sei ohne Angst - laß mich nur ein -
ich bin
        Dein eigener Spiegel...

© Regina Franziska Rau

Montag 14. September 1998
Landshut




Verhängnisvolles Erbe

Wie oft schon sah ich die nimmersatten,
fetten Nacktschnecken,
die sich mitten auf dem Weg an der Üppigkeit
der zertretenen Artgenossen weideten -
nichtachtend hinterdrein nahende,
schwere wälzende Räder und Stiefel -
nichtachtend ringsherum das überquellende,
saftige Grün der Weiden.
Und wie oft schon dachte ich dann bei mir:
Was für ein Gleichnis!

© Regina Franziska Rau

Donnerstag 30. Juli 1998
Freiberg bei Deggendorf - Bayrischer Wald




Perl-Mut(t)

Im Wasser lebt ganz tief am Grund.
Ein holdes Wesen - Perlenmund...
es öffnet mutig sein Gehäuse
Und geht froh auf Erkundungsreise.

Es tastet sich mit blinder Hand

am Felsenriff - Korallenwand -
des Staunens satt gräbt es sich ein
versteckt sich in den Sand hinein.

Ein Sandkorn reibt am Muschelherzen
da bildet sie sich ob der Schmerzen
die Perle zart zum Schutze sich
die leuchtet leis' und wunderlich

Nun in der Schale hingeschmiegt
ihr großer Schatz verborgen liegt.
doch ist's ihr Schatz - nur ihr zum Schutz
und nicht für Menschen Eigennutz.

© Regina Franziska Rau

08. Februar 2003
Deggendorf - Bayrischer Wald




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